Mareike Donath:
Ich liebe das, diese Klappe zu betätigen. Martin Feilke: Wenn das schon die elfte Folge ist, dann hätten sie dir ja auch schon mal so eine richtige Klappe machen können.
Mareike Donath:
Da das jetzt schon aufgenommen ist, Martin, ich freue mich aber tatsächlich so richtig haptisch das zu fühlen. Jetzt geht‘s los und ich freue mich, dass du hier bist. Martin Feilke, herzlich willkommen hier im Podcast von „digitales MV“. Martin, du bist Digitalisierungsbotschafter des Landes Mecklenburg-Vorpommern seit ungefähr einem Jahr. Was hast du als Botschafter eigentlich so getrieben das letzte Jahr?
Martin Feilke: Das ist eine total gemeine Frage, weil sich in diesem Jahr alles überschlagen hat. Man ist auf einmal in so vielen unterschiedlichen neuen Bereichen drin. Man lernt so viele Leute kennen. Ich glaube, mein Netzwerk hat sich mindestens verdoppelt. Und man kriegt so viel ringsrum mit. Ich habe versucht, in den Bereich Start-up reinzukommen. Ich habe in dem Bereich Verwaltung versucht, ein bisschen tiefer reinzukommen und hab unglaublich viele Gespräche geführt. Ganz viele tolle Leute, Initiativen kennengelernt und ich glaube, das jetzt runterzubrechen in ein, zwei, drei wichtige Punkte geht gar nicht. Es war einfach viel zu viel. Mareike Donath:
Ist irre, was hier so passiert, ne? Du bist, jetzt gucke ich kurz auf meine Karte. Du leitest den Bereich Technik und Produktentwicklung bei der SYNAXON AG. Was ist das Unternehmen? Ich glaube, es ist gar nicht so bekannt, richtig?
Martin Feilke: Überhaupt nicht bekannt. Egal, mit wem man spricht. Und es fällt irgendwann der Name „SYNAXON“, sagen alle: „Äh, kenn’ ich nicht.“ Und man wird ja häufig gefragt: „Was machst du eigentlich?“. Und da gibt es immer zwei unterschiedliche Antworten: Die erste und sehr kurze Antwort ist: Ich mache irgendwas mit IT. Das ist greifbar, das verstehen die meisten Leute. Und das andere ist sehr vielschichtig, weil das für viele nicht wirklich greifbar ist. Und ich versuche das mal an einem Beispiel festzumachen. Jeder kennt einen IT-Dienstleister, egal ob der groß oder klein ist, der irgendwie eine Firma betreut. Manche betreuen Privatleute und so weiter. Und diese IT-Dienstleister, die haben ein sehr hohes Wissen, die haben, die haben eine sehr hohe Expertise. Wenn die aber Hilfe brauchen, Unterstützung brauchen, dann kommen die zu uns. Wir sind praktisch der Experte für die Experten da draußen am Markt und wir sind Europas größte IT-Verbundgruppe. Wir haben 3200 IT-Unternehmen deutschlandweit unter Vertrag will ich gar nicht sagen, in einer Kooperation.
Mareike Donath:
Wie muss ich mir das jetzt vorstellen eine Kooperation? Seid ihr dann, wenn ihr Berater seid, wie muss man sich die Kooperation vorstellen?
Martin Feilke: Im Grunde geht es darum, alles zur Verfügung zu stellen, was so ein IT-Unternehmen braucht. Egal, ob Schulungen, wir haben eine große Akademie, egal ob Marketing, eine riesen Marketingabteilung dahinter, egal ob Infrastruktur, Hardwarebestellungen. Also auch die müssen ja irgendwo ihre Technik, die sie weiterverkaufen beziehen. Und dieses Gesamtportfolio an allem, das bieten wir innerhalb der Kooperation. Ein wichtiger Punkt ist dieses Thema Zusammenhalt, sich austauschen, keinen Konkurrenzgedanken zu haben, sondern miteinander und füreinander etwas zu machen. Und da machen wir zum Beispiel jeden Freitag die sogenannte Freitagsrunde, wo wir uns eine Stunde Zeit nehmen mit den IT-Dienstleistern und einfach in den Austausch gehen. Wo sind gerade Herausforderungen? Was ist wichtig am Markt? Wo können wir unterstützen, untereinander Hilfeleistung bieten, aber natürlich auch wir als Verbundgruppe.
Mareike Donath:
Das klingt ganz spannend Martin, da würde ich sofort reingehen: Was sind denn das gerade für Themen, welche die IT-Dienstleister gerade beschäftigen?
Martin Feilke:
Ich glaube, ganz vorne weg ist das natürlich Security. Also wir merken an so vielen Stellen, dass die Einschläge immer dichter kommen. Und egal ob groß oder klein, egal ob Verwaltung, egal ob Unternehmen, egal ob Privatleute. Thema IT-Security ist das Größte und Wichtigste gerade überhaupt. Ein zweites Kernthema ist natürlich KI. Jeder beschäftigt sich gerade damit. Aber auch mit Blick auf IT-Dienstleister: Wie konsolidieren wir eigentlich Informationen? Wir haben unglaublich viele Tools da draußen im Einsatz, unglaublich viele Portale, ganz viel an Daten. Aber was machen wir damit eigentlich tatsächlich? Das ist auch ein großes Thema, bis hin zur Abrechnung natürlich. Aber ich würde sagen, das sind so die drei wichtigsten gerade.
Mareike Donath:
Genau. Und wie, wie geht ihr jetzt damit um? Wie schult ihr eure IT-Dienstleister zum Thema Security? Würde mich sofort interessieren, die Frage. Und zum Thema KI: Wie guckt ihr in die Zukunft und sagt oder: Wie könnt ihnen gut helfen? Hände zur Seite stellen. Das müsst ihr heute wissen, damit ihr das morgen drauf habt.
Martin Feilke:
Wir können ja nur Angebote zur Verfügung stellen. Ob ein IT-Dienstleister das nutzt oder nicht, ist ihm ja selbst überlassen. Aber ich habe gerade erzählt vorhin: Wir haben eine große Akademie, wir haben sehr, sehr viele Veranstaltungen, wir haben große kleine Events, wir haben Azubi-Bootcamps, um auch wirklich schon ganz vorne zu beginnen und auch die Auszubildenden abzuholen, zu den wichtigsten Themen. Und abgesehen von dem ganzen Bereich Schulung, Wissensvermittlung und so weiter, haben wir natürlich auch Sachen zum Anfassen. Wir stellen selber Infrastruktur zur Verfügung. Wir managen gerne mit den Partnern gemeinsam. Wir haben weit über 50.000 Geräte, die wir gemeinsam mit unseren Partnern zum Beispiel verwalten, wo es dann um Updates geht, was wir zentralisiert für die anderen machen können, was ein enormer Zeitvorteil ist, weil man sich dann auf andere Themen wieder konzentrieren kann zum Beispiel.
Mareike Donath:
Du musst mit deinem Kopf ja trotzdem schon in der Zukunft sein, richtig? Wenn du sozusagen deine Wanderbewegungen, die anderen Unternehmen mitnehmen möchtest. Woher weißt du, was morgen wichtig ist? Ich glaube, das steht und fällt mit den Personen.
Martin Feilke:
Also, wenn ich das auf mich runterbreche: Ja, ich bin immer schon ein Stückchen weiter. Ich bin immer mit dem Kopf: „Was kommt eigentlich als nächstes?“ Über den Tellerrand hinausschauen und natürlich ganz eng an der Bitkom dran zu sein, sich Statistiken, Auswertungen anzuschauen. Wo geht gerade die Reise hin? Selber viel probieren. Man scherzt immer so ein bisschen, wenn wir unsere Strategiemeetings haben: „Martin, erzähl doch mal bitte wieder etwas von „MartinGPT”.“ Weil ich habe etwas Eigenes gebaut, was mir tatsächlich täglich hilft, was ich aber auch brauche, um Sachen zu testen und zu verproben.
Mareike Donath:
Martin, du hast ein eigenes Team. 20-25 Leute ungefähr?
Martin Feilke:
Genau. Wir sind jetzt 25 Personen stark und ganz wild gemischt, also von Technik natürlich, von Infrastruktur-Team, von Vertrieb. Da ist alles mit dabei. Und eine Besonderheit, glaube ich: Wir sind sehr breit verteilt. Wir sind ein vollständig remote arbeitendes Team von München bis Rügen tatsächlich aufgestellt.
Mareike Donath:
Also 100% Homeoffice.
Martin Feilke:
100% Homeoffice.
Mareike Donath:
Läuft’s gut? Wo sind die Stolpersteine für 100% remote? Und was läuft richtig gut? Was sind die Erfolgsfaktoren?
Martin Feilke:
Ehrlichkeit, Transparenz und Kommunikation sind, glaube ich, diese drei Kernfaktoren. Wir haben sehr klein angefangen. Als ich zur SYNAXON gekommen bin, waren wir fünf Leute in dem Team. Wir sind heute bei 25, Ende des Jahres vermutlich 30 und wir haben sehr viel probiert in der Vergangenheit, gerade was Onboarding-Prozesse angeht. Das Erlernen von Fähigkeiten von neuen Mitarbeitenden im Unternehmen ist unglaublich schwierig, weil man kann niemandem mehr einfach über die Schulter schauen. Wie häufig trifft man sich? Wie funktioniert eigentlich persönliche Interaktion, wenn man eigentlich gar nicht mehr persönlich zusammensitzt? Das sind unglaublich wichtige Themen, die wir angegangen sind und wo wir tatsächlich viel experimentiert haben. Wir haben ungefähr zwei Jahre gebraucht, um einen Rhythmus zu finden, wie das alles ineinander greift.
Wir treffen uns jeden Tag zum Stand-up zum Beispiel. Das ist einer der wenigen Pflichttermine. Wir haben Vertrauensarbeitszeiten, Vertrauensarbeitsorte. Im Grunde kann jeder arbeiten, wann und wie er möchte. Das gibt so unser Leitbild vor. Wir sind da schon ein bisschen anders am Markt unterwegs, als viele andere Firmen. Aber es gibt natürlich auch Regeln. Und eine dieser ist: Wir treffen uns jeden Tag zum Stand-up, weil das wichtig ist zu verstehen: Was machen gerade andere? Wie fühlen wir uns? Was sind so gerade Herausforderungen, Probleme und auch Sachen wie Mitarbeitergespräche. Wir führen aktuell sogenannte „Biweeklies“ durch. Also jede zweite Woche ist der Fokus auf einer Person. Wir sagen okay: Wie geht es dir gerade? Was machst du eigentlich? Weil man das bei einem Kaffee, bei einer Zigarettenpause, bei was auch immer eben nicht machen kann. Wenn jemand anfängt, sich damit auseinanderzusetzen, beziehungsweise sagt: „Oh, ich würde es gerne ausprobieren.“
Mareike Donath:
Ich glaube, das ist ein Punkt für Mitarbeiterzufriedenheit, dass man mehr mobiles Arbeiten macht oder Homeoffice macht. Welche Ratschläge würdest du mitgeben? Welche Hinweise hättest du?
Martin Feilke:
In einem Bewerbungsgespräch ist eine Frage, die wir besonders stressen, immer wieder: „Bist du in der Lage, zu Hause alleine zu arbeiten?“ Weil es gibt Personen, die können das nicht. Die brauchen einfach eine andere Umgebung. Die müssen in der Mittagspause sich mit Kollegen oder auch nebenbei einfach mit Kollegen austauschen können. Das ist etwas, was ganz tief in uns Menschen verankert ist. Entweder liebe ich das oder ich komm damit nicht klar. Und wir haben in der Vergangenheit tatsächlich auch zwei Mitarbeitende verloren, weil die sagen: „Ich kann das nicht, ich brauche ein Büro. Ich brauche auch den Schritt raus vor die Haustür, damit ich abschalten kann. Damit klar ist, das ist mein geschützter Bereich, und wenn ich zurückkomme, habe ich keine Arbeit mehr im Kopf und sehe nicht meinen Schreibtisch da vielleicht oder meinen Laptop, was da steht. Das Auseinandersetzen und tatsächlich das ehrliche Hinterfragen, immer wieder. Das tun wir im Rahmen des Einarbeitungsprozesses, der über sechs Monate geht tatsächlich an drei unterschiedlichen Stellen. Passt das für dich? Hast du dir das so vorgestellt? Wie kommst du klar? Da muss man ehrlich sein.
Mareike Donath:
Ja. Man darf sich, glaube ich, auch nicht dafür entschuldigen müssen, dass man kein Typ dafür ist. Fürs mobile Arbeiten. Man muss eben nur selber erkennen, was man für ein Typ ist. Deswegen ist, glaube ich, gut, das zu probieren, eine Art praktischen Teil zu haben, es auszuprobieren. Die erste Probezeit zu haben und dann tatsächlich sehr ehrlich miteinander im Gespräch zu sein. Das finde ich einen klugen Schritt.
Martin Feilke:
Und das sage ich auch immer wieder. Es geht ja nicht nur darum, dass wir einen geeigneten Mitarbeitenden finden, sondern der Mitarbeitende muss natürlich auch zu uns passen. Es muss an beiden Seiten. Nur so hast du Freude und Spaß daran, was du tust und kannst etwas erschaffen.
Mareike Donath:
Absolut. Ja, sonst tust du ja keinem einen Gefallen. Ja? So. Passt man zusammen oder nicht? Martin, wir haben vorhin angefangen, über deine Rolle als Digitalisierungsbotschafter zu sprechen. Hier passiert so viel im Land, dann auch mit deiner „MartinGPT“, ja? Gefragt mit deiner Brille in die Zukunft schauend: Was sind das für Trendthemen, die du siehst, die sich in Mecklenburg-Vorpommern entwickeln. Wo muss man unbedingt hinschauen, wo muss man mitmachen?
Martin Feilke:
Das ist eine ähnlich schwierige Frage wie vorhin, weil natürlich ganz, ganz viel passiert. Und ich glaube, was wir lernen müssen, ist den Fokus zu setzen auf die Dinge, die tatsächlich gut funktionieren. Wir verfallen ganz häufig immer in diese Negativspirale, zu sagen: „Oh, guck mal, das funktioniert nicht und guck mal, hier ist wieder ein blödes Beispiel.“ Das einfach mal wegzuschieben und zu sagen: „Ey, das gibt unglaublich viele tolle Sachen, die richtig gut funktionieren.“ Wir haben es geschafft, in den letzten Jahren glaube ich, den Fokus auf wichtige Themen zu legen. Natürlich geht es um den Breitbandausbau, natürlich geht es darum, Orte zu schaffen, wo man sich treffen kann, wo man arbeiten kann.
Coworking-Spaces schießen überall so ein bisschen aus den Dünen, wollte ich gerade sagen. Also wir haben ja auch wunderbare auch bei uns auf der Insel in Prora, direkt vor der Tür. Den habe ich gerade vor zwei Wochen getestet, super schön. In Lietzow! Es gibt ja wirklich wunderbare Orte, wo du heute arbeiten kannst und wo sich Themen, wo sich Leute, Personen auf einmal auch mit Digitalisierung im weitesten Sinne beschäftigen. Wenn wir so in die Bevölkerung reinschauen, sagt niemand: „Oh, ich will Digitalisierung haben.“ Sondern wir müssen ja darüber sprechen: Wo können wir Sachen vereinfachen, wo können wir Erleichterungen schaffen? Und da glaube ich, passiert unglaublich viel. Mareike Donath:
Auf der Insel auch? Wie schätzt du es ein? Passiert auf Rügen viel Digitalisierung, wo einfach Mittel zum Zweck hilft, um mehr Touristen auf die Insel zu bekommen oder bestimmte Industriezweige weiterzuentwickeln? Was nimmst du wahr vor Ort?
Martin Feilke:
Ein differenziertes Bild. Also, ich glaube, wir haben gute Akteure vor Ort, die was erreichen wollen, die möglicherweise noch nicht überall Gehör finden. Und wir haben Bereiche, wo man einfach so an Alteingesessenem festhält. „Es hat ja schon immer so funktioniert.“ Oder: „Na ja, jetzt bin ich kurz vor der Rente. Jetzt brauchen wir hier auch nichts mehr anfassen.“ Das ist ein Problem, weil uns das ausbremst insgesamt. Wir müssen ja heute schon, du hast gefragt vorhin, so Richtung Blick in die Zukunft: Wir müssen ja heute schon alle Weichen dafür stellen, dass wir in der Zukunft richtig aufgestellt sind. Wenn wir das heute nicht können, dann haben wir ein Problem, weil wir alles um zwei, drei, vier, fünf Jahre verzögern. Und Mecklenburg-Vorpommern ist im Vergleich zu anderen Großstädten natürlich insgesamt immer so ein bisschen hinterher. Wir sind Flächenland, wir sind breit aufgestellt, wir brauchen andere Strukturen und das macht ein paar Sachen schwierig.
Mareike Donath:
Martin, in der Schwierigkeit, Flächenland zu sein: Man hat nicht die breite Masse, möglicherweise, um Dinge schnell in die Skalierung zu kommen, in die Anwendung zu bekommen. Da sind aber auch viele Chancen drin. Kurze Wege, der große Wille zu Vernetzung, die gute Infrastruktur zu nutzen, die Unternehmensstruktur zu nutzen. Was macht es so schwierig? Was füllt sich nach Hemmnis an? Was macht es so schwer?
Martin Feilke:
Ich breche das zuerst mal auf mich runter. Was mir unglaublich schwer fällt ist, überall dabei zu sein. Ja, da passiert so viel und am liebsten würde ich natürlich jede zweite Woche irgendwo mit dabei sein. Die Wege sind teilweise lang. Wir sind jetzt heute hier in Schwerin. Ich habe zweieinhalb Stunden, bisschen über zweieinhalb Stunden hierher gebraucht und brauche das Ganze wieder zurück. Und da kann man nicht mal eben schnell irgendwo dabei sein.
Wir haben es aber, glaube ich, geschafft, in unserem Netzwerk so gut vernetzt zu sein, uns so eng auszutauschen, zu vernetzen. Über Social Media natürlich, aber auch über Formate wie unser Botschafterfrühstück, um nur mal eins zu nennen, wo wir einfach da sind, wo wir connected sind, wo wir mitkriegen, was passiert gerade irgendwo, auch wenn wir nicht dabei sind. Und darüber hinaus auch wieder, sich mit anderen Akteuren auszutauschen und zu sagen: „Was passiert eigentlich gerade bei dir? Kann ich dir helfen?“ Und den Fokus auf die etwas lokaleren Bereiche zu legen. Stralsund mit dem MakerPort zum Beispiel, wo natürlich sich anbietet, dass ich da mit enger dabei bin. Der Weg von Sassnitz ist dann nicht ganz so weit. Und genau das gleiche haben wir glaube ich auch in anderen Bereichen und dann immer lokal sehr viele dabei, die sich wirklich gut engagieren.
Mareike Donath:
Du hast angefangen. Was macht es so schwer? Du fängst bei dir an, was nimmst du bei den Menschen um dich herum wahr? Was macht es ihnen möglicherweise schwerer? Was macht es ihnen möglicherweise schwerer?
Martin Feilke:
Wenn wir in die breite Masse schauen, ist an vielen Stellen, glaube ich, Digitalisierung nicht greifbar. Ich habe das vorhin schon mal kurz gesagt. Ich glaube, wir müssen über andere Themen sprechen. Wir müssen aufpassen, dass Digitalisierung insgesamt nicht zu einem Buzzword wird, wo man sagt: „Oh ja, schon wieder.“ Natürlich, wir sprechen andauernd drüber, sondern tatsächlich den echten Mehrwert dahinter in den Fokus zu stellen. Zu sagen: „Ja, du kannst hier eben...“ Ich bleib mal bei dem Beispiel Lietzow mit dem Coworking-Space. Das ist voll digitalisiert. Ich kann mit meinem Smartphone mich da einchecken, ich kann rein, kann arbeiten, kann wieder raus und das zu jeder Zeit, ohne dass ich auf Personen angewiesen bin, die mich jetzt irgendwie reinlassen, die mir den Platz zeigen. Ich kann auf der anderen Seite aber nicht mal meinen Parkschein online bezahlen oder mit der App bezahlen und habe gar kein Kleingeld mehr. Ich bin einer von denjenigen, die ganz viel natürlich in der Digitalität leben, die mit dem Handy bezahlen, überall, wo es geht. Und da haben wir ein Ungleichgewicht noch im gesamten Land und wir müssen noch mal die Sachen besser transportieren, die schon sehr, sehr gut funktionieren. Da den Fokus drauf legen und vielleicht manchmal mit anderen Worten erklären, worum es geht.
Und das zweite ganz wichtige Thema, da schweife ich so ein bisschen ab, Richtung Sicherheit. Das geht überall durch die Medien. Man bekommt mit, wer ist angegriffen worden, welche Landkreise sind angegriffen oder lahmgelegt worden. Wir gerade Landkreis Vorpommern-Rügen. Über anderthalb Jahre ist das jetzt her, dass es dort einen Angriff gab und wir sind heute noch nicht vollständig wieder arbeitsfähig. Das ist ein Problem. Und das verlagert sich natürlich auch in die Bevölkerung und zu sagen: „Probiert bitte trotzdem Sachen aus.“ Es ist ein Riesenvorteil bei dem, was wir dort insgesamt vorhaben. Es ist wichtig für unsere Entwicklung im Land. Und nicht die Angst auf einmal zu haben, Sachen nicht mehr auszuprobieren. Das ist ein ganz wichtiger und kritischer Punkt, glaube ich.
Mareike Donath:
Das zu nutzen, hat unheimlich viele Vorteile. Es bringt Erleichterung. Das ist meines Erachtens nach auch ein natürlicher Weg. Dinge passieren, Dinge gehen schief. Wichtig ist ja, daraus zu lernen, das gemeinsam zu besprechen, meines Erachtens nach und trotzdem weiter zu laufen. Wir werden den Prozess ja nicht aufhalten, weil es so viele Vorteile bringt, wenn Dinge digitalisiert sind. Aus Fairnessgründen, aus Gerechtigkeitsgründen. Das Spektrum ist ja riesig, auch resilienter zu sein. Wir reden ja ganz viel über Resilienz. Wenn ihr wirklich noch mal auf das Unternehmen zurück mit. Du sagtest, dass da 3200 Unternehmen zusammenkommen. Auch sie wiederum haben ja Kunden, wo Ängste sind rund um die Veränderungsprozesse, die ja passieren. Was habt ihr für Rüstzeug an der Hand, um das Thema Change und Veränderungsprozesse zu erleichtern? Wie sind eure Argumente, wie ist eure Sprache?
Martin Feilke:
Ich würde hier zuerst mal unterscheiden zwischen den Personen oder den Unternehmen, die selber für sich erkannt haben, was wichtig ist und wo sie hin müssen, wo wir insgesamt auch als Gesellschaft hinmüssen. Weil, die haben einen Eigenantrieb. Da funktioniert ganz ganz viel automatisch und denen geben wir einfach Sachen mit an die Hand. Sagen: „Hier, da hast du noch mal eine Schulung. Hier hast du noch mal vielleicht eine Tool-Empfehlung oder so was.” Das ist relativ einfach. Schwierig wird es bei denen, die zwar im Grunde wissen, was sie da so tun, aber gar nicht mit Fokus dabei sind. Und ich habe vor... Mareike Donath:
Und wie kriegt man Fokus? Also, wie muss man sich das vorstellen? Was heißt, nicht mit Fokus dabei zu sein?
Martin Feilke:
Ich nehme ein ganz plastisches Beispiel. Ich habe vorhin gesagt, wir betreuen ungefähr 55.000 Geräte in so einem RMM-System, wo es darum geht, Geräte zu überwachen, Updates auszuspielen und so weiter, gemeinsam mit unseren Partnern. Und wenn man da mal einen bisschen tieferen Blick reinwirft und sieht, na ja, von diesen 10.000 Geräten sind im Durchschnitt 23 % fehlerbehaftet, dann haben wir ein Problem am Markt. Wir haben ein Problem mit den IT-Dienstleistern, die das nicht sauber im Blick haben. Was passiert hier eigentlich gerade in meiner Infrastruktur? Was passiert mit meinen Kunden, die ich eigentlich bestmöglichst schützen muss und dort zu sensibilisieren und zu sagen: „Leute, bitte wacht auf. Schaut, was ist hier gerade los. Was ist vor deiner eigenen Haustür vielleicht nicht in Ordnung?“
Wenn man Richtung Backups schaut, war dieses Bild sogar noch ein bisschen schärfer. Da waren es 31 % aller Backups laufen in einen Fehler. Wo ich sage, wir wissen alle, was haben wir für eine Sicherheitslage. Wie kritisch ist gerade der gesamte Markt, nicht nur Deutschland, europaweit, weltweit? Und es ist schön, dass die IT-Dienstleister da draußen auch wissen, wie sie ihre Kunden schützen müssen, dass ein Backup wichtig ist. Wenn ich aber bei der Einrichtung des Backups aufhöre und nicht überprüfe, nicht wiederherstelle, nicht Szenarien, Worst-Case-Szenarien einmal durchspiele, dann bin ich im Blindflug unterwegs. Und das ist ein riesengroßes Problem.
Mareike Donath:
Das wird ja ein Prozess sein. Davon gehe ich schwer aus. Wie lange wird das dauern, ehe das zur Selbstverständlichkeit wird? Wie schätzt du das ein?
Martin Feilke:
Ich hoffe, das geht ganz schnell. Weil wir sind jetzt, wir haben ein bisschen über KI schon gesprochen. Wir sind in einem Bereich angekommen, wo KI in alle Lebenslagen gerade reinwächst, massiv reinwächst und natürlich auch im Bereich Angriffe. Wenn wir uns vor zwei, drei Jahren eine typische Phishing E-Mail angeschaut haben, war sofort klar: Also, ein so ein Prinz von sonstwo, der will mir kein Geld schicken, das kriege ich wohl noch hin, auch wenn da irgendwelche Schreibfehler drin sind. Auch das kriegt man irgendwie raus. Heute ist das nicht mehr der Fall. Man bekommt hochprofessionalisierte E-Mails zugeschickt teilweise mit persönlichem Bezug, weil auch diese Daten irgendwo schon im Netz stehen und man bekommt nicht mehr auf den ersten Blick raus: Ist das jetzt echt oder ist es nicht echt? Und das führt dazu, dass wir eine insgesamt immer kritischer werdende Sicherheitslage haben, dass man sich anders mit Tools und Möglichkeiten auseinandersetzen muss.
Mareike Donath:
Wie kann es funktionieren? Wenn ich dir zuhöre, denke ich: „Okay, aber die Motivation steigt ja da nicht, sich sozusagen dann auf den Weg zu begeben.“ Wie kann es funktionieren?
Martin Feilke:
Sensibilisierung ist einer der wichtigsten Themen, die aktuelle BITKOM-Umfrage an Unternehmen sagt: Anders. Die Unternehmen in der aktuellen Bitkom-Umfrage sagen zu 78 %: „Ohne Digitalisierung steigen wir ab.“ Das ist denen bewusst und ich habe die Zahlen nicht ganz genau im Kopf. Ich glaube, was bei 82 %, noch mehr 90 % sagen: „KI ist eine unglaublich große Chance für unsere Wirtschaft in Deutschland.“ Nur 17 % der befragten Unternehmen setzen aber KI ein. Und das passiert, weil nur 27 % überhaupt KI Know-how im Unternehmen haben. Das heißt, wir müssen jetzt anfangen, zu sensibilisieren, so was wie... Wir haben gerade die Tage gesprochen über die Innovationszentren, die Unternehmen abzuholen, egal auf welchem Level sie gerade sind, egal wie groß oder klein sie sind. Möglichkeiten zu bieten, in dieses Thema reinzuwachsen, Sachen auszuprobieren und darüber Sensibilisierung in die Masse zu kriegen.
Mareike Donath:
Da darf ich den Bogen kurz nutzen oder den Ball gleich aufnehmen. Über die digitalen Innovationszentren des Landes, die sich ein breites Bildungsangebot rund um KI- und ChatGPT-Tools, das alles Mögliche findet dort statt. Wer sich darüber informieren möchte: www.digitalesmv.de. Da kann man sich ganz viele Veranstaltungen anschauen. Ganz breit im Land verteilt. Bist du auch engagiert mit Beiträgen?
Martin Feilke:
Bisher nicht. Dazu hat es leider noch nicht gereicht. Wir sind natürlich vernetzt. Wir kriegen mit, was passiert. Und ich teile natürlich auch Veranstaltungen, die dort stattfinden. Selber einen Vortrag oder einen Workshop oder irgendwas gemacht, bisher nicht.
Mareike Donath:
Das kommt. Das kommt definitiv.
Martin Feilke:
Das kommt.
Mareike Donath:
Bei der Vielzahl an Dingen, die du gerne machen möchtest, wofür interessierst du dich, dein aktuelles Herzensprojekt? Tausende!
Martin Feilke:
Ja, auch da ist es, fällt es mir unglaublich schwer. Es gibt so bestimmte Themen. Ich bin Netzwerker, ich möchte raus, ich möchte auf die Bühne. Ich möchte den Leuten erzählen, wo es wichtig ist, Mut machen. Vor allen Dingen glaube ich, vorneweg. Ich habe ein riesengroßes Interesse daran, bestimmte Bereiche miteinander zu vernetzen. Start-up mit Alteingesessenen hört sich immer böse an, aber mit wirklich eingesessenen Unternehmen, weil wir aus beiden Richtungen einfach immens viele Vorteile haben. Start-up, was anders denkt, was neue Ideen hat und die Erfahrung auf der anderen Seite. Die Sachen miteinander zu verknüpfen, finde ich ultra spannend.
Mareike Donath:
Martin, ich freue mich, wenn du Mut machst für unsere Zuhörer:innen und Zuschauer:innen, sich mit dem Thema Digitalisierung auseinanderzusetzen. Freue ich mich, wenn du noch mal dort eine Welle von Mut-Emotionen auslöst. Warum soll ich mich mit Digitalisierung auseinandersetzen?
Martin Feilke:
Digitalisierung ist so vielschichtig. Egal, ob wir über Telemedizin sprechen im Flächenland, was total wichtig ist, wenn wir über das Pilotprojekt jetzt sprechen, von autonomen Bussen, die demnächst fahren werden, um ländliche, abgelegene Gebiete trotzdem zu erreichen. Wenn es darum geht, vor Ort einfach zu bezahlen, Eintritte zu vereinfachen oder, oder, oder. Ich glaube, da gibt es so viele Themen, die wichtig sind anzugehen. Wir haben vor einem Jahr den Länderkompass der Bitkom bekommen, wo klar war: Mecklenburg-Vorpommern ist auf Platz 16 und zum gleichen Zeitpunkt, ein, zwei Wochen später, bin ich Digitalisierungsbotschafter geworden und habe gesagt: „Ich möchte gerne diese Platzierung verbessern. Das schaffen wir mit einem großen Netzwerk. Das schaffen wir mit ganz, ganz vielen kleinen Sachen.“ Und...
Mareike Donath:
Darf ich kurz einhaken. Es war Digitalisierung der Verwaltung. Für den Bereich Digitalisierung der Gesellschaft waren wir Platz Nummer eins. Nur zur Ergänzung. Du hast völlig recht.
Martin Feilke:
Richtig, und ich glaube, da haben wir, habt ihr schon, habt ihr ja ganz viel, ganz viel beigetragen dazu, gezeigt, dass es funktionieren kann. Und in diesem Bereich Platz eins zu schaffen, das ist unglaublich toll. Insgesamt mit Platz 14 von 16 Bundesländern hinken wir noch hinterher. Aber wir haben die Möglichkeit, hier was ganz Großes zu schaffen in Mecklenburg-Vorpommern. Und ich kann nur jeden dazu motivieren und bitten, einfach dabei zu bleiben, mitzumachen, sich zu engagieren in seinem spezifischen Bereich. Weil Möglichkeiten gibt es ganz viele.
Mareike Donath:
Martin, was lässt dich morgens aufstehen? Was treibt dich an, immer wieder das Thema anzuschieben?
Martin Feilke:
Digitalisierung ist in meiner DNA. Ich denke, oder mein Herz schlägt digital. So ist es vielleicht richtig. Ich habe einen unbändigen Willen, etwas zu erreichen, etwas zu ermöglichen, anderen Leuten etwas zu ermöglichen. Das ist so Punkt eins. Die Familie unterstützt natürlich, wo sie nur kann. Und ich würde wahrscheinlich ein bisschen weniger früh aufstehen, wenn ich die Kinder nicht zur Schule bringen müsste. Aber das gehört mit dazu. Und ja, ich glaube einfach, das ist so tief verwurzelt, ich kann gar nicht anders.
Mareike Donath:
Wir hoffen, dein Engagement bleibt in Mecklenburg-Vorpommern. Du bist ein Landeskind. Mecklenburg-Vorpommern, für dich ein Zukunftsland, ja?
Martin Feilke:
Definitiv. Ja. Mareike Donath:
Warum?
Martin Feilke:
Wir haben die, ich glaube die beste Mischung in ganz Deutschland, was Ruhe, Abgeschiedenheit angeht. Aber auch so ein bisschen, ich will gar nicht sagen Metropolfeeling, aber trotzdem, ich glaube, in diese Richtung geht das. Wir haben viele tolle Initiativen, wir haben viele tolle Firmen, die sich hier ansiedeln. Wir haben unglaublich viel Mut und Umsetzungswille im Bereich Digitalisierung, aber auch in ganz, ganz vielen anderen Bereichen, wo es einfach Spaß macht, daran teilzuhaben und zu sehen, was sich hier entwickelt.
Mareike Donath:
Martin, das waren schöne Schlussworte, auch motivierend für unsere Zuhörer:innen und Zuschauer:innen. Schön, dass du hier gewesen bist beim Podcast von „digitales MV“. Herzlichen Dank, Martin. Martin Feilke:
Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte.