Mareike Donath: 
Martin Horst, Digitalisierungsbotschafter des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Du kümmerst dich noch um „13 Grad” die Kommunikationsagentur und das Eis „Jackle & Heidi”. Und bist Leiter für den Bereich Cross Innovation beim Bundeszentrum für Kreativwirtschaft. Du kannst es gleich alles näher erläutern. Wir haben uns im Vorfeld auf das „Du” geeinigt. Herzlich willkommen hier beim Podcast von „digitales MV”. Und nun wollen wir wissen: Was macht ein Leiter für Cross Innovation beim Bund?

Martin Horst: 
Ja, erst mal cool hier zu sein, im Studio und in Schwerin mal wieder. Ja, was machen wir beim Bund? Also, erst mal der Fairness oder der Vollständigkeit halber, der Kreativbund – Bundeszentrum Kultur- und Kreativwirtschaft – Im Prinzip wollen wir. Wir treten den Beweis an, dass wir die Innovationskraft in Deutschland mithilfe der Kultur- und Kreativwirtschaft als eine der sozusagen Schlüsselbranchen hebeln können und dafür kämpfen wir sozusagen.

Mareike Donath: 
Das ist eine riesengroße Mission. Jetzt gucken wir mal  genauer rein, weil tatsächlich kann ich mich auch daran erinnern, als wir gemeinsam 2018, 2019 uns mit dem Thema digitalen Wandel beschäftigt haben, die Etablierung von den digitalen Innovationszentren. Da war uns ein wertvoller – und es ist heute noch ein wertvoller Partner – die Kreativwirtschaft bei uns im Land, Warnow Valley usw. Wir haben ganz viele Formate zusammen gestaltet, den Digitalisierungsbeirat aktiviert und haben festgestellt, da kommen ganz tolle Impulse heraus. Und wenn jetzt die Kreativwirtschaft gemeinsam mit  der Wirtschaft und Verwaltung und da muss doch. Das riecht doch danach, dass sich hier ganz viel bewirkt. Wie geht ihr genau vor? Wie sind eure Maßnahmen, Instrumente? Wie muss man sich das konkret vorstellen, was ihr da macht?

Martin Horst: 
Wir selber, man muss es so aufteilen, wir sind ja quasi, ich bin ein Teil eines Teams. Also da gibt es da noch das Thema Unternehmensforum, das Thema Creative Impact und wir kümmern uns quasi um den Teil Cross Innovation.

Mareike Donath: 
Was meint das genau? Cross Innovation?

Martin Horst: 
Das wollte ich gerade sagen. Wir haben im Prinzip, glaube ich, arbeitest du cross-innovativ und wir arbeiten alle schon relativ viel cross-innovativ sozusagen oder cross-sektoral. Also im Prinzip ist es einfach nur, dass sagen wir mal, Branchen oder Themengebiete miteinander verzahnt werden, die vielleicht vorher weniger miteinander zu tun hatten, um so unterschiedliche Perspektiven auf ein Thema zu beleuchten oder das zu versuchen, ja zu betrachten. Und dadurch entstehen einfach neue, wie soll ich sagen, einfach neue Eindrücke. Da entstehen neue Verbindungen, die vorher einfach nicht da waren, weil man sich einfach sonst in seinem eigenen Dunstkreis eher bewegt. Also, so versucht man ja in der Regel. Ich glaube, so versucht ihr das, so versuchen wir das.

Manchmal neigt man dazu, einfach in seiner Bubble immer zu bleiben und zu sagen: „Ey, komm, diese Herausforderungen, die mich irgendwie  begleiten, die muss ich irgendwie versuchen zu lösen. Und ich bin ja der Fachexperte, also habe ich ja da sowieso die meiste Ahnung, also muss ich es für mich klären.” Anstatt einfach jemanden, der unbedarft ist, egal woher er kommt. Egal ob es jetzt die Kultur- und Kreativwirtschaft ist oder ob es komplett eine andere Branche ist. In eurem Feld ist es denn vielleicht, wenn du aus Verwaltungsperspektive guckst, die Wirtschaft oder Verbände oder wie auch immer. Und es macht ja, wenn ich überlege es macht ja Verwaltung eigentlich, also, deswegen gibt es die ganzen Gremien und so, um sich immer wieder verschiedene Perspektiven auf ein Thema zu holen, um dann einen guten Eindruck zu haben, der dann  dazu führt, das am besten, ich sage mal die beste Entscheidung zu treffen oder die beste Lösung, den besten Lösungsansatz zu finden.

Und ich glaube, dass das Mindset, das gerade die Kultur- und Kreativwirtschaft mitbringt, nämlich immer sehr zu überlegen, dass wenn man ich sage mal aus einer wenn man eine kreative Person ist oder aus der Kunst kommt sozusagen, dann überlege ich mir ja, dass ich quasi eine Übersetzungsleistung liefere von dem, was ich mir ausdenke hin in ein Bild, in ein Musikwerk, in ein Design, in ein Gebäude, in was auch immer. Und das hat ja immer eine Übersetzungsleistung. Und ich glaube, und diese Übersetzungsleistung basiert ja darauf, dass ich versuche, erst mal diese Herausforderung,die mir gestellt wurde, zu übersetzen und dann noch zu gucken, dass es am besten entweder Leuten gefällt oder dass damit irgendwie eine Resonanz entsteht. Und damit betrachte ich ja immer mein Gegenüber im Kopf sozusagen. Und das ist, glaube ich, eine Perspektive, die immer sehr auf Emotion, die sehr auf Menschlichkeit basiert und das, glaube ich, diese Perspektive können gerade kreative Menschen sehr gut einnehmen. Und das hilft dann manchmal, in so rein fachlich technologischen Betrachtungen zu sagen: „Ey, lass uns mal bitte diese menschliche Komponente immer mitdenken, lass uns mal darüber nachdenken, welcher Wert entsteht, wenn sich jemand damit beschäftigt und so.” Also das, glaube ich, hilft immer, das zu tun.

Mareike Donath: 
Muss man euch dann so verstehen? Ihr seid so eine Art Beratung, dann für den Bund zu sagen, welche Strukturen müssen geschaffen werden, wie muss man  das verstehen, Martin? Weil die Fragen sind ja ganz aktuell bei dir im Kopf, wenn ich das so höre.  Martin Horst: 
Genau. Ja. Also es läuft so, auf der einen Seite versuchen wir, genauso Dinge zu zeigen und nicht nur drüber zu reden und aus den Erfahrungen, die wir machen. Also wir machen konkrete Projekte. Wir machen konkrete Projekte mit Unternehmen, die uns eine Herausforderung zum Beispiel geben in unserem Falle, die sagen, die haben ganz konkrete unternehmerische Herausforderungen, die werden sozusagen, ich nenne es mal gepitcht und überlegen: „Okay, hat das Potenzial, dass da ein ganzes Team dran arbeitet, sozusagen.” So, und dann sind es natürlich Fragen, die sich mit Wachstumsthemen beschäftigen. Die sind Fragen, die manchmal mit Themen der Wahrnehmung zu tun haben. Auch mit der Innovationskraft, wie man es schafft,  sozusagen auch, wie man die Arbeitswelt neu denkt. Solche Fragen werden diskutiert und wir können jetzt nicht die Energiewende sozusagen diskutieren, sondern versuchen, wirklich konkrete unternehmerische Herausforderungen zu besprechen.

Dann suchen wir, wenn die Herausforderung passt, sozusagen in den Bundeskontext, also quasi genug Strahlkraft hat, dann suchen wir uns ein Team zusammen, die diese Herausforderung quasi bearbeitet. Das ist ein Team aus Leuten, also Menschen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft. Und das sind aber auch teilweise Partnerinnen und Partner aus der Wissenschaft, aus der Wirtschaft sozusagen, aber aus anderen Teilbereichen, aus anderen Branchen. Und wir versuchen dann, diese Herausforderung zu lösen. So, und das ist dann auf der einen Seite diese Ergebnisse, die wir dann erzielen. Das heißt, es ist immer so ein bisschen Wechselwirkung.

Auf der einen Seite zeigen wir Unternehmen Menschen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft sozusagen sofort auf Augenhöhe dort mit in ihre Herausforderung rein zu nehmen und nicht erst quasi manchmal ist man ja erst an Schritt zehn dran, weil man  muss dann einen Film machen oder eine Kampagne oder so ist man oftmals als Dienstleister begriffen und nicht als Partner, der eventuell einen interessanten Blick auf meine unternehmerische Herausforderung hat. Und wenn wir das denn haben, machen wir auf der einen Seite erstmal gleich, ich sage mal Werbung in den Unternehmen für diese Art der Prozesse und auf der anderen Seite aber auch natürlich  dem Bund und der Politik gegenüber zu zeigen: Diese Wechselwirkung funktioniert einfach sehr, sehr gut und schafft unternehmerisches und wirtschaftliches Wachstum.

Das ist ja quasi auch Auftrag dessen und zeigt gegebenenfalls auch die Potenziale, die teilweise in der Kultur- und Kreativwirtschaft schon verankert sind, weil da sind schon ganz viele Herausforderungen Probleme schon mal gelöst worden oder durchdacht worden. Manchmal gibt es da Produkte, die man vorher noch nicht kannte und die können wir dann sozusagen dort sichtbar machen.

Mareike Donath: 
Das fand ich bei euch insbesondere so faszinierend, dass Kreativität eben nicht nur, ich male etwas oder ich gestalte nur Plastik oder so was, sondern Kreativität beginnt im Denken. Und das ist was tatsächlich, das kann man tatsächlich so sagen, dieser Push von euch, von der Kreativwirtschaft, wie kann man ein Mindset verändern? Wie kann man Kreativität ins Denken, in die Konzeptentwicklung bringen? Das hat mich total fasziniert und ich sehe das überall, wie das zunimmt und sich jeder solcher, also die Erkenntnis da ist, man braucht solche Methoden, um tatsächlich zukunftsorientiert zu sein. Nah am Menschen dran zu sein. Das fand ich total spannend. Braucht denn eigentlich jedes Unternehmen, jede Wissenschaftseinrichtung, jede Verwaltung eine Kreativabteilung?

Martin Horst: 
Das ist eine gute Frage. Die Frage habe ich mir auch schon oft gestellt oder habe überlegt, wie kann man das systematisieren? Vielleicht kannst du mir auch die Frage beantworten. Was glaubst du aus deiner Erfahrung heraus, wenn jetzt jemand zumindest von außen betrachtet, jemand kommt, der mit einem  offenen Gedankengut... Und es ist ja, glaube ich, egal ob es jemand aus der Kultur- und Kreativwirtschaft ist oder aus einer anderen Branche, du hast ja erst mal diese Grenzen im Kopf nicht. Du bist ja anders geframed. Du hast, wenn du jetzt, du Mareike hast eine Herausforderung. Das heißt, die betrachtest du aus all deinen Perspektiven, deine Erfahrungen usw. Und auch natürlich mit Grenzen, logischerweise, ohne das negativ zu meinen. Jetzt kommt aber jemand von außen und hat aber diese Grenzen nicht. Das heißt, er geht ja ganz unbedarft, wie so ein Kind eigentlich an dieses Thema ran.

Und jetzt kommt so jemand in egal welche Strukturen – Wirtschaftsstrukturen, öffentliche Strukturen – und fängt dann an, gehen diese Grenzen sozusagen auf oder beziehungsweise werden aufgemacht, weil das funktioniert hier so, das funktioniert so unser Fachbereich, das geht so und dann glaube ich, dass es sicherlich hilft, am Anfang so ein Mindset reinzubringen. Die Frage ist, ob man es durchhält, dieses Offene, dieses wirklich, dieses open minded, so zu sein und ein bisschen grenzenlos denken zu dürfen im Unternehmen, in Verwaltungsstrukturen, wie auch immer, um quasi diesen Effekt weiterhin zu erzielen oder erzeugen oder zu erhalten. Und deswegen weiß ich nicht, muss ich  ehrlicherweise sagen, bin ich echt zwiegespalten, ob das gelingt, quasi diese Strukturen ins  Unternehmen zu tragen, oder ob ich immer sage, ich muss einfach offen sein und hol mir diese Strukturen immer von außen, weil wir dann sicherstellen können, dass diese Grenzen, grenzenlose Betrachtung auf das Thema quasi erhalten bleibt.

Mareike Donath: 
Ich habe eine Frage herausgehört, auch an mich. Ich kann es absolut nachvollziehen, wenn ich zurückdenke, wie wir die Innovationszentren entwickelt haben, wie allein die NØRD entstanden ist, wie das Portal entstanden ist, die Marke „digitales MV”. Wir hatten unseren großen Digitalisierungsbeirat. Wir haben dort im Warnow Valley, wie gesagt erinnere ich mich dran, mit den Protagonisten dort, die uns geholfen haben, verschiedene Workshops einzurichten, uns immer wieder neu zu finden, einen kurzen Design Thinking-Prozess zu gestalten aus Mitarbeiterperspektive, aus Führungsperspektive. Wir haben dann die Gruppe der Digitalisierungsbotschafter dazugewonnen. Immer wieder bleiben wir stehen, orientieren uns gemeinsam und um zu sagen: „Ist es noch das, wo wir stehen? Ist es richtig? Ist es noch der richtige Weg?” Wir müssen uns stetig evaluieren, um tatsächlich zu gucken: Sind wir noch zukunftsmässig orientiert? Ich kann ganz klar sagen: „Ja.“ Wahrscheinlich hängt es auch davon ab, welche eigenen Ressourcen du dafür nehmen kannst. Wenn ich an unsere kleinen und kleinsten Unternehmen denke, die werden sich das nicht leisten können, haben auch ganz andere Themen.

Deswegen finde ich das so großartig mit den Innovationszentren, die ja flächendeckend im Land unterwegs sind. Aber ich will jetzt überhaupt gar nicht dir den Platz hier im Podcast klauen, aber die Zuhörer:innen und die Zuschauer:innen merken, das ist auch ein Herzensthema für uns als Stabsstelle. Immer wieder zu gucken: Stehe ich, ist mein Produkt noch zukunftsfähig, ja oder nein? Und man merkt, hat man einen festgefahrenen Kreis, bleiben die Ideen auch festgefahren. Das heißt, man muss auch wieder schauen, dass man die Leute, die man involviert, dass sie sich auch verändern. Deswegen freue ich mich, die Botschafter-Ernennungen nehmen zu, dass man immer wieder den Kreis erweitert, weil immer wieder neue Fälle dazukommen. Auch den Beirat erweitern wir, um die eine oder andere Person, um immer wieder neuen Schwung reinzubringen, neue Perspektiven mit hineinzubringen. Von daher freue ich mich, dass vom Landesfrauenrat bis zum Hacklabor sind alle mit dabei. Das ist, finde ich, eine großartige Mischung und von daher glaube ich, ist es so wertvoll, was ihr dort macht.

Ob das jetzt im eigenen Unternehmen, eine fest etablierte Truppe ist oder wo man regelmäßig wieder in Austausch geht, um neue Ideen zu ergattern oder zu durchdenken. Ich glaube, das ist ganz wertvoll. Und welche Strukturen siehst du da in Deutschland? Wo sind helfende Hände, unterstützende Hände? Wo man sagt: „Ich bin Unternehmer und irgendwie habe ich Lust drauf, wie kann ich mit euch zusammenarbeiten.“ Was würdest du da sagen?

Martin Horst: 
Ich glaube, am Ende in der Entwicklung... Ich bleibe bei diesen Innovationszentren. Wenn man jetzt nämlich überlegt, sind das jetzt Strukturen, die du hättest outsourcen können oder sind es jetzt, hast du die Strukturen sozusagen quasi im „digitalen MV” erhalten beziehungsweise auch geschaffen. Ich glaube, das wäre noch mal meine Frage: Wie würdest du das sehen? Ich sehe das ein bisschen als Chance, quasi beide Seiten zu haben. Auf der einen Seite bist du Enabler und auf der anderen Seite versuchst du sie aber sozusagen so wirken zu lassen in den Regionen, dass sie quasi wie ein selbstlernendes System wie eine real gewordene KI, kreative Intelligenz, sozusagen. So und glaubst du. Gibt es das in schwarz oder weiß? Oder ist es am Ende dann doch grau. Also schwarz oder weiß heißt: Outsourcen hätte die Chancen, aber auch Risiken. Und jetzt quasi das innezuhalten sozusagen ist gut oder...? Also macht es das leichter. Oder hilft es dir dann leichter, quasi so das gemeinschaftliche Ziel zu erreichen oder wie siehst du da die Möglichkeiten  oder Chancen sozusagen?

Mareike Donath: 
Die digitalen Innovationszentren haben wir ja bewusst landesweit an jedem Hochschulstandort etabliert, inklusive Schwerin, damit wir tatsächlich eine landesweite, digitale Infrastruktur bieten können. Im Prinzip ist das eine Riesenplattform, ein Ökosystem, was zusammengeschweißt ist aus Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft, Gründungsszene bis hin zu Gesellschaft und Politik. Und dieses Ökosystem, gekoppelt an die Innovationszentren mit allen Partnern mit allen Stakeholdern, die ich von Hochschulen und Landräten, Bürgermeistern, Kammern, Unternehmen. Alles, was ich skizziert habe, macht eben aus, dass wir tatsächlich die Marke „digitales MV” für uns als Community Plattform entwickelt haben. 40.000 Menschen sind die letzten vier Jahre da durchgelaufen oder konnten wir durch das „digitale MV” mit überzeugen und darum geht es ja. Lust zu machen auf den digitalen Wandel, Best Practice zu sehen, digitale Kompetenzen vermittelt zu bekommen. Das ist eine echt tolle Maßnahme, die ist bis Mitte ‘28 finanziert und gefördert. Und wir glauben daran, dass wir noch ganz viel bewirken können und hebeln können, für die Unternehmen und die Menschen vor Ort.

Martin Horst: 
Und ich glaube, das ist ja auch am Ende ein total mutiger Schritt gewesen, weil auf der einen Seite das zu dezentralisieren, diese Aufgabe und auf der anderen Seite aber trotzdem dann doch zu zentralisieren, zumindest in der Zielwirkung oder in der Zielstellung sozusagen. Und demzufolge habt ihr auf der einen Seite einen gewissen Rahmen geschaffen, also so Leitplanken gebaut, wo sich denn aber die einzelnen Satelliten sozusagen wiederfinden, andocken können usw. Und das finde ich, ist trotzdem auch als Land ein wahnsinnig mutiger Schritt. Das meine ich ja. Das ist ja der Beweis, den du auch antreten wolltest, dass das  genau der Weg ist und den wir damals auch von der Idee her gegangen sind, auch diesen Schritt zu gehen und nicht alles aus Schwerin zu steuern, sondern zu sagen: „Ey, wir müssen das so ein bisschen in die Fläche bringen.” Und deswegen: Finde ich mutig.

Mareike Donath: 
Absolut. Der nächste Schritt ist sozusagen, nicht so gekoppelt zu sein, die kommunale Ebene mit der Landesebene zusammen. Tatsächlich meine ich auch in Deutschland einzigartig, dass wir so intensiv miteinander und eng verkuppelt sind oder miteinander verwoben sind, dann jetzt auch in Richtung Bund und internationalen Ostseeraum. Und genau dazu ist ja die NØRD da, sich mit Innovationsnetzwerken gut abzustimmen und zu vernetzen im gesamten Bundesgebiet, im Ostseeraum oder im DACH-Raum. Da gibt es ja unendliche Möglichkeiten. Und genau das ist der richtige Weg, um auch wieder einen Innovationsimpuls für unser Land zu bekommen.

Martin Horst: 
Und vor allen Dingen auch noch mal, um als Lob jetzt gar nicht um hier irgendwie was zu faken, sondern da muss ich auch sagen, in unserem Bundeskontext, in dem Projekt war Mecklenburg-Vorpommern – klar, vielleicht ist es auch, weil es meine Heimat war – aber das erste Bundesland, was sofort gesagt hat, wir unterstützen jetzt zwei Projekte in diesem Bundeskontext, quasi in unseren Cross Innovation Labs und das hat Mecklenburg-Vorpommern...  Mareike Donath: 
Ja, schön.

Martin Horst: 
...als erstes Land gemacht und das ist halt mega. Also das merkt man auch, dass da dieses Mindset ist da.

Mareike Donath: 
Wir sind ja angetreten mit der Marke „digitales MV”, um tradierte Bereiche sichtbar zu machen. Die möglicherweise dadurch neue Chancen erfahren. Ob in Landwirtschaft... Wie sieht das aus für die Kreativwirtschaft? Der digitale Wandel und Kreativwirtschaft: Ist das der Push, den ich fühle, sehe? Merkt man das schon, dass sie sagen: „Wir können uns vor Aufträgen gar nicht mehr retten. Das ist irre, was da passiert. Wir haben andere Sichtbarkeit, auch ein anderes Commitment uns gegenüber, das hat eine neue Bedeutung bekommen.” Wie schätzt du das ein? Neue Wertigkeit?

Martin Horst: 
In dieser Zeit, in der wir gerade leben, sind Chancen und Risiken gerade so nah beieinander und ich glaube auch so groß manchmal in beide Richtungen. Sodass ich denke, dass wir durch den  Riesen oder durch den technologischen Fortschritt sozusagen der passiert, dass da wahnsinnig viel möglich ist. Allein nehmen wir das Thema KI. Auf der anderen Seite aber auch, da wir vor großen Herausforderungen stehen und die sehe ich aber eher wirklich im Menschen und in unserer Gesellschaft und im Miteinander auch so und das, was glaube ich  auch viel mit Angst zu tun hat, auch mit Scham, weil ich mich vielleicht mit manchen Dingen nicht so richtig auskenne und mich den Sachen auch gegenüber nicht so richtig traue. Und mir auf der anderen Seite aber suggeriert wird. Keine Ahnung, dass wir jetzt uns mit KI gestützten Robotern zu Hause beschäftigen müssen, obwohl manche immer noch ihr Mail-Postfach nicht eingerichtet kriegen.

Also wir sind ja immer noch in diesem Spannungsfeld unterwegs und haben das auch immer noch nicht geschafft, da wirklich die zumindest in einer Fläche, also in der Fläche glaube ich die riesen Schritte zu gehen, die gerade die Technologie gerade geht, also quasi die Menschen alle mitzunehmen. Und da liegt glaube ich auch wiederum die Chance auch gerade in der Betrachtung, egal, ob es  Kommunikationsagentur ist, aber auch das Land. Ich glaube, am Ende ist jeder von uns auf irgendeine Art und Weise kreativ und ich glaube auch da zu denken okay, wie schaffe ich es, quasi Menschen mitzunehmen auf diese Reise? Und natürlich mit Risiken auch in Risiken zu denken, aber eben auch in Chancen zu denken. Und da glaube ich, diese Balance zu finden. Ich glaube, diese Balance gerade ist die größte Herausforderung unserer Zeit.

Mareike Donath: 
Absolut. Was ich tatsächlich, bevor es aber zu dieser Chance kommt, oder diese Chancen zu erkennen. Zunächst einmal steht die Belastung im Vordergrund. „Oh, damit müsste ich mich auseinandersetzen. Das muss ich kennen. Ich habe doch aber ganz andere Themen. Geht das nicht irgendwie auch einfacher?” Nein, der Schritt muss gemacht werden, der Weg muss gemacht werden. Ja, und ich glaube gerade was ihr  auch beschreibt, wo gibt es Best Practice Beispiele, wovon kann ich lernen, was hat mein Nachbar gemacht? Möglicherweise ist es gar nicht so weit weg, den ich fragen kann. Benachbartes Unternehmen oder ein ähnliches Unternehmen, das sind glaube ich die Dinge, die jetzt wichtig sind und auf alle Fälle das nicht alleine zu machen und ich kann mir auch gut vorstellen, dass für die  Kreativwirtschaft hier auch eine besondere Chance liegt. Gerade hast du vorhin gesagt, das Übersetzen, es etwas einfach zu gestalten, ist es einfach zu kommunizieren, zu visualisieren. Ich glaube, das kann gut unterstützen, um diese Kompetenzen zu erwerben.

Martin Horst: 
Und vor allen Dingen auch da wieder nicht auch die Komplexität unbedingt rauszunehmen, weil die ist da, weil manchmal kommt das so rüber:  „Ja, wir müssen alles ganz einfach erklären.” Ja, es muss einfach verständlich gemacht werden für denjenigen, der mir gegenübersitzt. Aber trotzdem, ich darf die Komplexität nicht wegdiskutieren und immer sagen ja und suggerieren:
„Ja, ist doch alles ganz einfach.” Weil dann wird mir im Gegenzug suggeriert: „Aber ich empfinde das jetzt gar nicht als einfach.” Oder anders: „Was ist, wenn ich das gar nicht als einfach empfinde? Heißt das denn ich, bin ich jetzt dumm oder bin ich jetzt nicht geeignet dafür?” Und ich glaube, da diesen Weg zu finden, auch diesen ganz, dieses Fingerspitzengefühl zu haben und das ist auch Unternehmensaufgabe, das ist am Ende die Aufgabe von uns als Eltern sozusagen, das auch mitzugeben.

Und in den Zeiten, wo wir so individuell angesprochen werden möchten, wir leben in einer Zeit erst mal von maximalem Informationsüberfluss. Dann möchte ich aber, um da irgendwie durchzusehen, habe ich aber den Anspruch und das bietet mir die Technologie heute, dass ich hoch individuell angesprochen werde mit meinen Bedürfnissen, dass ich quasi gesehen werde als Mensch. Das heißt, diese Erwartungshaltung, mit der gehe ich quasi durchs Leben und was macht es mit mir? Das heißt, dass ich erwarte von allen um mich herum irgendwie sowohl von Technologien, also ich meine nicht nur Menschen, sondern auch Technologien, dass ich mich nur abgeholt fühle, wenn ich hoch individuell angesprochen werde, weil man weiß, wer ich bin, sozusagen. Was ja quasi ein bisschen unsere Branche, also die Kommunikationsbranche, irgendwie so ein bisschen auch eingetrichtert hat, dass das ja immer hyper-personalisiert alles funktioniert. Aber in der Erwartungshaltung erwarte ich von dir als Mareike, dass die mich kennt in all meinen Facetten und mich sozusagen individuell abholen kann, um mich quasi am Ende auch wertgeschätzt zu fühlen. Das erwarte ich aber auch von dir als Arbeitgeberin, als Chefin. Das erwarte ich von dem TikTok-Algorithmus. Also ich erwarte das irgendwie von allen.

So, und das aber zu leisten, das ist ja gar nicht, das schafft man ja kaum. Das sozusagen so wahrzunehmen und dass man dann aber auch merkt, okay, ich weiß, also ich empfinde das als wertschätzend, aber was macht es mit uns als Gesellschaft? Heißt, ich fang wieder an, mich als sehr individuell zu betrachten und das heißt das Gemeinschaftsgefühl, was uns irgendwie, was ich das Gefühl habe, dass uns das ein bisschen verloren geht, dieses Miteinander anpacken. Wenn wir was wollen, dann ist nicht der und der und der dafür verantwortlich, sondern nein, nein. Was kann ich denn jetzt erst mal machen, um voranzukommen? Und das ist, glaube ich, auch das wird immer vergessen in dieser hyper-individualisierten Betrachtung. Was kann ich selber denn auch dazu beitragen, dass es funktioniert? Und das ist, glaube ich, das, was ich gerade ja so als Challenge irgendwie sehe, das hinzubekommen.

Mareike Donath: 
Das sind verschiedene Ebenen, die ich heraushöre, die du gerade skizziert hast. Das eine ist die Vielfältigkeit der Individuen, auch die Handhabung oder das Umgehen mit den vielen individuellen Bedürfnissen. Andererseits stelle ich auch immer wieder fest, man kann sie dann trotzdem oder muss sie auch wenn man es muss, auch kategorisieren.  Man kann es auch. Ja, wenn ich überlege, gerade wenn wir über die NØRD nachdenken, welche Zielgruppen können denn kommen? Dann kannst du 1000 Menschen vor dir sehen, oder 4000 Menschen wollen wir gerne erreichen. Aber am Ende sind es ja auch ganz spannende Kategorien, die man bilden kann. Deswegen finde ich auch spannend, auch auf Methoden zu schauen. Ja, wenn man sagt Mensch, es gibt die vier Typen: „Ich bin Visionär.” Oder: „Ich bin der Macher.” Oder: „Ich bin der Ermöglicher.” Oder „Ich bin der Forscher.” Und jeder findet für sich, ja das ist mein Feld und immer wieder dort gute Strukturen zu finden, um die Menschen miteinander an einen Tisch zu setzen, finden ja doch immer wieder zu einer gemeinsamen Lösung. Das finde ich so faszinierend vom Prozess her, die Vielschichtigkeit zu sehen, sich zu öffnen, das muss auch sein. Und am Ende wieder eine gemeinsame Lösung zu finden.

Denn Individualismus produziert ja auch ganz viele Daten. Und wir reden ja gerade zur aktuellen Zeit auch viel über Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Das darf man nicht vergessen. Welche Daten sind eigentlich auch wichtig und sind nicht so wichtig? Und wenn alle Daten ja auch die Energie bedürfen, was sie benötigen. Wie sieht denn eigentlich unsere Erde von morgen aus? Was brauchen wir auch dafür von Rechenleistung und Stromversorgung usw. Es sind ja auch Debatten, die wir auch mitführen müssen. Wie füttern wir die Geschichten und wie groß darf Individualität ja auch sein? Ich finde, das sind ganz spannende Spannungsfelder oder ganz spannende Fragestellungen, die wir ja auch miteinander dort diskutieren müssen. Gehört ja auch zur Wahrheit dazu.

Martin Horst: 
Total. Und ich glaube auch, du hast einen wichtigen Punkt gesagt, das sozusagen gerade. Also, versteh mich nicht falsch, ich finde es total gut, dass es jetzt mal auch die Möglichkeit gibt, dass man Menschen auch wirklich mal individuell betrachtet und nicht alle über einen Kamm schert, sondern dass man das auch wirklich mal sieht. Und auch, dass dadurch eben auch, ich sag mal, wenn man kategorisieren muss, einfach mehr Kategorien entstehen. Auf der anderen Seite wünsche ich mir immer so, dass dieses gerade dieses Zusammentreffen von ganz unterschiedlichen Menschen, ganz unterschiedlichen Perspektiven, die sich aber respektvoll und auf Augenhöhe begegnen. Dadurch entsteht ja die Magic.   Mareike Donath: 
Was faszinierendes.

Martin Horst: 
Genau, was faszinierendes. Du hast vorhin gesprochen, dass Ideen sind nicht forcierbar, sondern sie entstehen. Also dafür braucht jeder Mensch unterschiedliche Rahmenbedingungen.  So, und ich glaube, dass dieses erlebbar machen und deswegen finde ich auch analoge Formate auch immer wahnsinnig toll.  Also, ich finde Technologie super spannend. Also, ich bin da auch total fasziniert. Ich bin ja in der analogen Welt aufgewachsen, habe glaube ich mit 12 oder 13 das erste Mal ein Handy bekommen. Damals hieß es wirklich noch Handy  glaube ich. Und bin da voll drinne. So, aber auf der anderen Seite weiß ich aber, wie wertvoll Begegnungen sind und wie wertvoll Erlebnisse sind, weil das am Ende auch. Und deswegen finde ich auch so die NØRD  als Begegnungsformat und nicht nur als rein. Wir mussten es in der Corona Zeit digital machen.  Mareike Donath: 
Absolut.

Martin Horst: 
War auch gut, aber es ist was anderes, als wenn man sich halt begegnet, weil das in der Begegnung entsteht meistens eigentlich die Magie. Und das kann man auf so viele Bereiche seines Lebens übertragen, dass man, auch wenn man quasi gefühlt die ganze Welt in seinem Telefon hat und dass ich gefühlt alles erleben kann, nein anders, alles sehen kann, was auf der Welt passiert, was total schön ist. Ich kann an den tollsten Orten sein, ich kann die tollste Musik hören, ich kann die besten Konzerte sehen, ich kann was weiß ich, Technologien verfolgen, ich kann Menschen reden hören. Ich kann das alles, aber ich kann es nicht fühlen. Ich kann es sehen, aber ich kann es nicht richtig fühlen, weil das Erlebte in ein Gefühl zu übersetzen ist noch mal was ganz anderes. Ich vergleiche das immer gerne mit so einem Sport. Weil warum gehen wir zum Sport? Zum Sport gehen wir, um irgendwie fitter zu werden, hat so sicherlich ein paar harte Fakten, aber am Ende geht es oftmals um das Gefühl, was ich danach habe. Weil ich habe meinen Schweinehund überwunden. Ich bin außerhalb meiner Komfortzone gewesen und habe quasi was für mich getan. Und das zu erleben, ist was anderes. Also das ist  eigentlich der Motivator, immer wieder zum Sport zu gehen. Wenn ich das verlerne, und so ist es mit allem. Wenn ich nicht auf Konzerte mehr gehe, sondern mir nur noch digital angucke, habe ich das Gefühl, es gesehen zu haben. Aber ich habe es nicht mehr gefühlt. Ich habe diese Stimmung nicht mehr gespürt.

Mareike Donath: 
Versucht das nicht auch gerade Technologie, Martin? Genau daran zu arbeiten, auch eine digitale Erlebniswelt zu schaffen und sei noch nicht mal. Ich mag sie gar nicht bewerten. Aber da gibt es ja schon so viele Möglichkeiten, das Gehirn zu überlisten, dass man tatsächlich ein eigenes Erlebnis hat. VR Brillen oder. Ich kann mich auch dran erinnern, an meine Heißluftballonfahrt denken. Oh Gott, oh Gott, da setzt man schnell die Brille wieder ab. Ist nix für mich. Das finde ich schon faszinierend, was suggeriert wird. Wie kriegt man das hin, trotzdem die Sensibilität für die analoge Welt, für das tatsächliche Erleben zu schaffen? Ich glaube, das ist ein hoher Anspruch gerade  an die Kommunikationsagenturen, oder?

Martin Horst: 
Sicher ist es ein Anspruch an uns alle. Ich glaube, das einfach machen, egal was. Ich glaube, es einfach tun. Und ich weiß, es wird immer so oft gesagt. Die Technologie ist ein Werkzeug irgendwie. Es ist auf der einen Seite, ja sehe ich das schon so als Werkzeug zu begreifen, auf der anderen Seite ist es aber auch manchmal Möglichmacher und ohne das geht es nicht. Dann ist es nicht nur ein Werkzeug, sondern ist es quasi das Element, was ich brauche, um quasi irgendwie ein Start-up zu gründen oder was auch immer. Weil es ist ja auch. Ja, es ist quasi Werkzeug und Antrieb und auch gleichzeitig wieder Fluch manchmal in einem so. Es liegt alles – das meine ich vorhin mit Balance – es liegt alles sehr, sehr nah beieinander und da bedarf es einfach auch einer. Ich finde immer gar nicht, also schon auch die Kommunikation von außen.

Ich glaube aber auch die Reflexion von innen. So selber zu sagen, ich habe es doch selber in der Hand, das für mich nutzbar zu machen oder nicht, es ist noch kaum so einfach wie heute in jungen Jahren ein Unternehmen zu gründen, wo ich  quasi digitale Mitarbeiter habe, also KI Agenten, die für mich die Arbeit machen, wo ich vorher Leute einstellen musste. Das ist so einfach wie noch nie. Das ist  fast wie damals, als das Internet losging. Sogar noch besser ist es eigentlich, die Möglichkeiten, die du heute in dieser globalisierten Welt. Also, das heißt, wir haben so viele Chancen, die wir nutzen können. Aber man muss sich A) damit  beschäftigen und auch überlegen was bedeutet es, wenn ich quasi in dieser Welt aktiv bin, was heißt das für mein Arbeitsleben, was heißt das für mein Privatleben? Und da muss ich sehr auf mich hören und einfach schauen, was tut mir gut. Und das ist, glaube ich immer so, diesen mich als Person immer noch im Zentrum zu sehen und nicht alles um mich rum soll es regeln. So nein, nein, ich habe das schon selber in der Hand.

Mareike Donath: 
Bewusstsein für Sinnhaftigkeit,...  Martin Horst: 
Richtig. So ist es.

Mareike Donath: 
...Eigenverantwortung, das spüre ich auch in den Gesprächen. Das sind Werte, die zunehmend in den Vordergrund rücken. Und ob ich jetzt nur digitale Mitarbeiter habe oder ein echtes Team, mit dem man ringt um Ideen, da kann KI eine Anregung sein oder viele automatische Prozesse mit abnehmen. Wir sind froh, dass uns darum nicht kümmern müssen, um tatsächlich echte Kreativität zu erleben, zu spüren, ich glaube das ist ein Riesenunterschied. Wenn wir dafür alle das Bewusstsein haben, was geht, wo kann man Arbeit erleichtern, wo können wir sozusagen noch einen größeren Raum, auch Teilhabe ermöglichen, durch Digitalisierung und durch digitale Tools? Ich glaube, so einen Weg müssen wir gehen. Deswegen finde ich das so wertvoll, auch immer wieder darüber zu diskutieren und das Spannungsfeld so darzustellen. Wenn man das Bewusstsein weiterhin hat, wie wichtig das ist, zusammen zu sein und sich sozusagen analog auszutauschen. Martin. Genau. Ich hätte dazu noch, weil du, ich weiß, warum du das sagst.

Martin Horst: 
Ich glaube, du noch mal gesagt hast, dass ist mir auch wichtig. Es geht gar nicht darum, dass Mitarbeiter ersetzt werden sollen, sondern einfach nur, dass man sagt: „Ich glaube, jeder hat jetzt die Chance, auch einen Job zu finden, den er nicht machen muss, um ihn zu machen, sondern ihn machen kann, weil die Sachen, die mir vielleicht nicht so viel Spaß gemacht haben, in meinem Job, die vielleicht möglich sind zu automatisieren auf eine gewisse Art und Weise.” Und das meine ich dieses Feld an Möglichkeiten, die du heute hast, ist wahnsinnig groß und da kann mir das einfach das als Werkzeug natürlich am Ende total helfen, aber natürlich wird es manche Themen ersetzen,  aber eben das Zwischenmenschliche eben nicht so. Punkt.   Mareike Donath: 
Absolut. Absolut schöner Punkt. Martin, du kommst aus Mecklenburg-Vorpommern, schaust auf Mecklenburg-Vorpommern. Und jetzt zum Abschluss meine Frage: Mecklenburg-Vorpommern, ein Zukunftsland?

Martin Horst: 
Ja, voll. Also, ich habe das ja auch schon immer gesagt. Also wir sind ja auch zusammen schon auch eine lange Reise gegangen und ich habe immer gesagt, das Mindset, was auch hier herrscht und vielleicht ist es auch nicht mehr up to date, aber ich finde es immer noch beschreibt es immer sehr gut. Wir haben es immer geschafft, aus relativ wenig ganz ganz viel zu machen. Das liegt an den Menschen, die immer Lust haben, etwas voranzubringen und etwas nach vorne zu bringen oder etwas sichtbar zu machen. Und ich spüre das in Mecklenburg-Vorpommern  wahnsinnig stark und wahnsinnig doll. Und die Wege sind nach wie vor sehr, sehr kurz.

Und ja, ich freue mich einfach, hier aufgewachsen zu sein und auch hier weiter wirken zu dürfen und wünsche mir natürlich, dass dieser Geist des Aufbruchs sozusagen, nicht Umbruchs, sondern es ist natürlich auch viel Umbruch, aber es ist eher Aufbruch zu sagen, wir gehen nach vorne und ich freue mich auch, dass manche Dinge hier manchmal ein bisschen langsamer passieren. Weil, wer schnell ans Ziel will, muss so langsam gehen. Das ist so ein altes Sprichwort, was mir mal ein Geschäftspartner gesagt hat. Und das klingt erst mal so absurd. Aber es ist manchmal so, dass manche Dinge brauchen manchmal auch Zeit, um so durchs System zu gehen und auch einmal so abgeprüft zu werden. Und trotzdem, glaube ich, gibt es genug Leute, die Bock haben, Dinge auszuprobieren. Und das sollte uns allen gelingen, dass wir Möglichmacher sind oder Möglichmacher bleiben.

Mareike Donath: 
Martin, vielen herzlichen Dank, dass du hier  gewesen bist beim Podcast von „digitales MV.” Danke dir!  Martin Horst: 
Danke!