Mareike Donath:
Hartmann Schleifer, kurz „Harti“,wie wir ihn alle kennen. Digitalisierungsbotschafter des LandesMecklenburg-Vorpommern. Wir haben uns im Vorfeld auf das „Du” geeinigt. Herzlich willkommen beim Podcast von „digitales MV”. Und du bist schlichtweg Unternehmer. Aber „Harti“, jetzt gern du. Was machst du als Unternehmer so?

Hartmann Schleifer:
Ja, hallo Mareike, jetzt erst mal schon vielen Dank, dass ich hier sein darf, ich habe mich sehr darauf gefreut, dass wir uns da jetzt ganz unverbindlich etwas  unterhalten können zu diversen Themen. Was mache ich so? Wie du weißt, ich bin ja eigentlich ja nicht von hier, bin ja vor elf Jahren, mitlerweile fast zwölf, aus Österreich hierhergezogen. Und wie es dann so oft ist, geht man dann ja auch neue Wege. Zum Teil auch nicht aus der Not heraus vielleicht, aber weil halt vor elf, zwölf Jahren, als ich hierhergezogen bin, war das Thema Digitalisierung in MV sicherlich noch nicht ganz so weit, wie es jetzt ist, wenn man das mal höflich, freundlich ausdrückt.

Mareike Donath:
Da muss ich dich gleich sofort fragen: Jetzt, heute kannst du das auf einer Skala von früher null und jetzt bis zehn, wo stehen wir da jetzt?

Hartmann Schleifer:
Ich würde das jetzt ganz trocken mal sagen, damals drei, jetzt sechs, sieben vielleicht oder so. Aber nur mal ganz, ganz grob gedacht. Aber es ging ja auch darum, zum Beispiel natürlich immer beruflich. Was macht man dann hier, wenn man umzieht? Wir sind aus privaten Gründen umgezogen, weil meine Frau ja hier aufgewachsen ist. Und also ich habe halt ein bisschen von Österreich Jobs gesucht und da war klar, da brauche ich mich nicht bewerben, da war einfach wenig so. Gerade Richtung Rügen und so. Und deshalb habe ich ja zuerst die Pendelei noch kurz gemacht nach Wien und Budapest, wo ich ja noch meine Anstellung hatte für eineinhalb Jahre, immer wieder mal und mein Ziel war es ja immer schon, meine Selbstständigkeit, die ich ja eigentlich seit dem ich 18 bin nebenbei hatte  dann auch voll umsetzen. Und das war glaube ich ein guter Grund, so wie es jetzt ist, das auch machen zu können.

Und deshalb habe ich ja dann auch vor mittlerweile fast zehn Jahren – also am 01.01.2016 wären es auch tatsächlich zehn Jahre – die Firma CARUGIA IT-Beratung gegründet. Da machen wir ja Auftragsentwicklung. Ja, Digitalisierungsprojekte, IT-Beratung mittlerweile auch immer wieder Workshops und Keynotes zu diversen Themen, auch zum Thema Einführung von KI in Unternehmen. Als Beispiel jetzt auch im Endeffekt als Dienstleistungsunternehmen für diverse Branchen. So hat das alles angefangen mit meiner Selbstständigkeit damals und im Endeffekt so wie es ja oft ist. Ich war immer schon jemand, der gern Produkte bauen wollte. Nur, wenn man jetzt irgendwo frisch anfängt, ist es ja natürlich garnicht so leicht. Ein Produkt baut sich ja nicht alleine auf. Das heißt immer von mir das gemacht auch alleine damals noch, was man eben zu Beginn machen kann. Man verkauft sich als Dienstleister und zwar ganz blöd gesagt und so hat das auch begonnen.

Mareike Donath:
Du gehst also hin und sagst, oder dir ist aufgefallen: „Mensch, hier könnte man was machen, hier kann man bestimmt eine digitale Lösung finden.” So, so frei.  Hartmann Schleifer:
Genau. Und genau das haben auch alle Leute supertoll gefunden. Zu Beginn hat es noch niemand verstanden und niemand wollte dafür bezahlen, weil das Thema Digitalisierung halt einfach noch nicht so weit war. Und auch jetzt haben wir noch viele solche Themen, da kann man später noch drauf eingehen. Gerade in den tradierten, konservativen Branchen ist es ja noch immer oft schwierig, den Mehrwert der Digitalisierung rüberzubringen. Damals war es halt mittlerweile vor zehn Jahren noch schwieriger. Und wir haben auch vorher schon im Vorfeld kurz über Tourismus gesprochen. Gerade im Tourismus konnte man ja so viel machen und kann man so viel machen, die haben das alles supertoll gefunden. Aber es ist halt nicht so  greifbar für digitale Lösungen. Dann doch einfach zum Teil auch  nicht wenig Geld ausgeben zu müssen, weil natürlich auch Dienstleistungen ja auch Geld kostet.

Mareike Donath:
Ist das heute noch so?   Hartmann Schleifer:
Zum Teil schon. Also auch heutzutage ist es für viele Betriebe, Unternehmen usw. leichter, große Maschinen oder ein Schiff zu kaufen, was viel, viel Geld kostet als für Softwarelizenzen monatlich zu bezahlen, weil das einfach nicht so greifbar ist. Und vielleicht auch nur kurz als Ausschweif: Was ja dann immer so hilft, sind eben auch diese Vergleichswerte, die man bringen kann. Zum Beispiel: Es ist ja egal, auch wenn man große Softwarelösungen nimmt auch so die Salesforce und so. Das ist auch so ein Betriebssystem für Unternehmen eigentlich auch, ist man ja auch schnell bei viel Geld pro Monat und viele verstehen dann nicht, dass es das auch wirklich wert ist und ich versuche das oft auch zu vergleichen mit, ja auch mit einer geringfügig beschäftigten Person, die ja im Endeffekt das als Nebenjob im Normalfall macht oder Student oder so, weiß man ja auch, was das kostet als Unternehmer. Mit den Mehrkosten und so und Softwarelizenzen. Und dasselbe Geld ist dann aber schwieriger zu vermitteln. Deshalb vergleiche ich das oft sozusagen. Aber wenn ihr jetzt geringfügig jemanden anstellen würdet, dann würde der auch über 600€ Kosten auf eurer Seite haben. Das ist überhaupt kein Problem, da sagt man: „Ja, nehmen mir noch ein, zwei Minijobber, das macht nichts.” Aber 300€ für Software schwierig oder 500 oder so. Und das sind halt so die Themen, die Mehrwerte, die man halt immer mehr mitbringen muss und immer noch mehr sensibilisieren muss.

Mareike Donath:
Du hast beschrieben, es ist aber schon leichter, die Akzeptanz, das Verständnis dafür, dass man sich damit beschäftigen muss, auch darin investieren muss. Es fühlt sich schon anders an als 2018. Warum ist das so? Was meinst du?

Hartmann Schleifer:
Na, erstens glaube ich, dass das Thema Digitalisierung ja generell weiterverbreitet wurde, nicht nur durch Medien, sondern auch wirklich durch die Gesellschaft. Muss man sagen, Digitalisierung ist ja weit mehr als nur Einsatz von Technologie. Es ist ein gesellschaftlicher Wandel, im Endeffekt auch sogar früh Industrialisierung usw. und dann müssen alle ja früher oder später mitgehen. Und Fakt ist ja, das haben wir auch in unseren Folien immer drin, wenn wir Workshops machen oder Keynotes machen oder eben auch an der Hochschule Wismar oder Wings Fernstudium, wo ich ja auch  unterrichten darf zu dem Thema Digitalisierung. Das sagt man ja auch immer. Alles, was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert werden. Die Frage ist einfach nur, wann? Durch wen? Und ist man selbst schnell dabei oder später dabei?

Aber es passiert ja auch. Genauso wie auch alles vernetzt werden wird, was vernetzt werden kann, weil es einfach früher oder später auch Sinn macht. Und wir sind jetzt halt einfach wie gesagt auch mit der ersten Gründung zehn Jahre später. Und ich glaube, es ist natürlich auch ein Generationenthema. Das heißt, noch mehr Betriebe werden jetzt von Jüngeren übernommen. Das ist ja oft das Thema der Digitalisierung, dass man von jemanden hört: „Och nee, ich warte, bis der Junior das übernimmt, dann soll der das machen. Ich mache mit der Digitalisierung nichts mehr.” So nach dem Motto. Und es ist einfach  zehn Jahre vergangen. Es ist ein Zeitraum. Man muss halt auch sehen, dass das eher auch kein kurzer Zeitraum ist im Bereich der Digitalisierung, sondern da ist irrsinnig viel passiert seit damals. Und ich glaube aber schon, dass die Gesellschaft einfach generell schon weiter ist, wenn man das so sagen darf, auch offener diesbezüglich ist und vor allem auch ja vor allem konservative Branchen trotzdem auch immer mehr sehen, wie wichtig das Thema eigentlich ist und dass man da nicht drumherum kommt.

Mareike Donath:
Welche Positivbeispiele oder Positivargumente gibt es dann auch in den tradierten Branchen zu sagen: „Ja, aber jetzt entscheide ich mich dafür.” Was kommt dir da entgegen?

Hartmann Schleifer:
Meistens ist es ja auch einfach der Fakt, dass um im Wettbewerb stand zu halten, das sehen dann die Leute ja dann doch auch irgendwann. Okay, der Mitbewerber macht das so, der Mitbewerber das so und da auch da wiederum, um das vielleicht mal rauszunehmen, das Argument gleich. Es geht ja nicht darum, dann Personal einzusparen, sondern meistens geht es ja darum, mit dem Personal, was man hat, effizienter zu sein und mehr zu schaffen. Das heißt, dass die Prozesse optimiert werden, schneller werden. Ich sage jetzt, es gibt ja ganz klassische Beispiele in diversen Betrieben mit Papier einscannen und irgendwas machen und jetzt wird es dann automatisiert.

Mareike Donath:
Hast du ein Beispiel aus deinem Unternehmen, was ihr sozusagen mit begleitet habt, worüber du sprechen darfst, wo du sagst: „Das ist toll.“ Ich kann dir ein paar Beispiele gerne nennen.  Vielleicht mal kurz, einen Schritt zurück. Bei CARUGIA machen wir das ja für diverse Branchen. Als Dienstleister, da darf ich definitiv nicht über alles sprechen. Das ist so von den Kunden her. Aber wir haben ja auch zwei. Trotzdem kann ich ein paar Beispiele nennen, aber wir haben ja auch zwei Ausgründungen gemacht. Das eine ist in der maritimen Schifffahrt, das war 2019, da haben wir eine Lösung für die digitale Schiffsinspektion und Schiffseffizienz gebaut. Zusammen mit Robert Garbe damals noch aus Stralsund und jetzt wohnt er auch auf Rügen, wo wir auch ich sage jetzt auch aus dem Beratungsprojekt raus erkannt haben, welche Mehrwerte man mit der Digitalisierung von älteren Schiffen liefern kann zum Beispiel.

Mareike Donath:
Und was da konkret, wie muss man sich das vorstellen?

Hartmann Schleifer:
Zu Beginn war es eigentlich. Die ersten Anforderungen waren eigentlich wirklich so, dass man sagen kann, wie geht es den Schiffen eigentlich, egal wo sie sind und egal wo ich mich befinde als der, der wissen muss, wie es den Schiffen geht. Weil es ist halt heutzutage auch Standard, dass diverse Reedereien ihre Flotten verteilt haben und nicht überall jetzt ein komplettes Inspektionsteam haben.

Mareike Donath:
Also ist es der Flottenarzt oder wie muss man sich vorstellen?

Hartmann Schleifer:
Ja, so ähnlich kann man sich das vorstellen. Vielleicht mit Telemedizin für Schiffe so.

Mareike Donath:
Okay. Schönes Bild.  Hartmann Schleifer:
Wenn man so Telemedizin. Das ist immer ein schöner Begriff, weil wir haben ja auch nicht mehr genug Ärzte, um überall hinzufahren. Und so ähnlich ist es da auch. Es ist Fachkräftemangel, nicht überall ist der Ingenieur, überall gleichzeitig. Und wenn eine Reederei dann in mehreren Ländern Schiffe hat, dann jetzt vor allem auch da wiederum in Kombination mit neuen Methoden und Technologien. Früher hatte man nur Dieselschiffe, jetzt hat man Elektroschiffe, Hybridschiffe usw. Die meisten auch, ich sage jetzt, gestandene Ingenieure, für die ist das auch neu und dann braucht man auch Technologien, um das wieder zu unterstützen zum Beispiel. Und so hat es eigentlich angefangen, dass wir ein System schaffen, das auch sowohl neue Schiffe, also Elektroschiffe, Diesel-, Hybridschiffe, aber auch ältere Dieselschiffe, ich sag jetzt digitalisiert werden können, sodass man immer weiß, wie es denen geht oder auch im Notfall schon rechtzeitig weiß, wenn vielleicht was passieren könnte.

Mareike Donath:
Also wie beim EKG kommen da überall Stöpsel ran? So ungefähr.  

Hartmann Schleifer:
Ja, genau. Man hat diverse Sensoriken am Schiff, die werden mit so einer Box verbunden und die liefert dann die Daten, die dann ausgewertet werden. Genau. Und so hat das auch angefangen und später hat sich das weiterentwickelt zu einem System, so wie es ja auch oft ist. Es gibt dann, wenn man schon Daten hat, kommen auch viele Ideen von den Kunden. Das ist auch ganz wichtig.  Man lebt immer mit dem Kunden und entwickelt sich auch mit dem Produkt, mit den Kunden weiter. So Sachen wie: „Ja, ich will jetzt auch die Schiffe noch gerne effizienter betreiben, wollen Diesel sparen, wir haben das Gefühl, das da bei der und der Fahrt so viel Treibstoff verbraucht wird. Warum ist das denn so?” Das heißt, mit den Daten kann man jetzt ganz ganz viel Mehrwert schaffen. Und da jetzt eigentlich zu der Frage zurück: Wenn das Schiff jetzt zum Beispiel im Schnitt für diese Fahrt elf Knoten fährt oder neun Knoten. Das klingt vielleicht nicht viel, aber das ist für eine  Reederei aufs Jahr gesehen ein riesiger Unterschied.

Mareike Donath:
Klar, na klar.   Hartmann Schleifer:
Und das sind so Sachen. Das ist dann beispielsweise ein Mehrwert. Und man muss auch immer jetzt ganz offen sein, ihr könnt da jetzt noch 17 Mal im Kreis reden, aber der größte Mehrwert ist eigentlich immer nur am Ende ist es das Geld. Das muss man einfach ganz ehrlich so sagen. Sicher kann man sagen, klar wir haben das Thema Sustainability mit Nachhaltigkeit usw. Das ist auch oft ein Grund. Der ist es aber dann oft auch wiederum, muss man ehrlich sein, nur wegen Regularien, nicht, weil jetzt alle immer  das freiwillig machen. Muss man ja auch so ehrlich sein. Sicher machen es auch viele und das will ich jetzt auch nicht negativ sagen. Also, es gibt viele Unternehmen, die sehr nachhaltig denken, aber am Ende geht es dann oft um Regularien und Geld und das ist auch zum Thema. Weil du jetzt gefragt hast, welche Gründe es oft dafür gibt, also das Thema Effizienz und mehr schaffen in derselben Zeit. Also die wirtschaftlichen Aspekte am Ende.  Mareike Donath:
Ja, genau.

Hartmann Schleifer:
Im Endeffekt ist es so, so ehrlich muss man sein. Und umgekehrt ist es aber auch so. Das zweite Beispiel der Ausgründung ist: Wir haben das Produkt Smartforester gebaut als Ausgründung von einer Holzhandelsfirma. Ganz klassisch. Die haben auch gesagt, am Markt gibt es nichts, was wir so super toll finden würden. Könnt ihr uns da nicht eine Lösung bauen? Da war ich auch schon vorher als Berater mit dabei und habe dann mit dem bestehenden ja Gesellschaftern und Geschäftsführern noch eine Ausgründung gemacht und haben ein Produkt gebaut in den letzten Jahren. Sind damit auch schon mehrere Jahre jetzt am Markt. Da geht es auch darum, dass man die forstwirtschaftliche Wertschöpfungskette optimiert. Und optimieren heißt im Endeffekt auch durch Digitalisierung jeden Prozess optimieren und die Leute vernetzen. Das heißt, jeder, der irgendwie damit zu tun hat, sei es ein Waldbesitzer, ein Förster, ein Holzeinkäufer, ein Logistiker, ein Holzwerk am Ende. Die können über diese Plattform die Prozesse gemeinsam abwickeln oder auch, wie es in der Digitalisierung ja logisch ist, auch ich sage jetzt mit anderen Plattformen kommunizieren über Schnittstellen, Daten, Export, Import. Weil leider wird nicht die ganze Welt unsere Lösung nutzen. Auch wenn das schön wäre, aber es gibt keine Insellösungen in der Digitalisierung. So sollte es zumindest sein. Und so geht es auch darum, immer den Mehrwert zu schaffen, dass man effizienter arbeiten kann und dadurch auch die Wirtschaftlichkeit erhöht.

Jetzt will ich aber vielleicht mal ganz kurz, bevor du die nächste Frage stellst, das abrunden, weil das ist immer so dieser Faktor. Aber es gibt einfach. Wir leben in einer Welt, wo dauernd neue Regularien auf den Markt kommen, egal, in welcher Branche. Das heißt, in der  Schifffahrt mit diversen Nachhaltigkeitsregularien, die dann bewiesen werden müssen, wie effizient das Schiff überhaupt fährt, zum Beispiel. Oder in der Holzindustrie, wo wir uns ja viel bewegen. Man darf seit einer Zeit lang nur noch Energieholz verkaufen, wenn die ganze Kette von Anfang bis zum Ende SURE-zertifiziert ist. Jetzt kommt die höchstwahrscheinlich, weil sie nichts mehr ändert, die EUDR – das Lieferkettengesetz zum Beispiel. Da muss man Transparenz beweisen, auch mit diversen Zertifikaten. Wo kommt das Holz her usw.? Das sind Sachen, die spielen uns dann offen gesagt auch etwas in die Karten, weil die Leute dann ja eigentlich gezwungen werden, das zu nutzen, weil sie können das nicht analog machen, dann müssen sie irgendwas Digitales haben, sonst können sie das gar nicht liefern. Was da an Regularien notwendig ist.

Und ähnlich ist es auch bei Förderprojekten, also auch wieder da konkret ein Beispiel für die zwei Ausgründungen Schifffahrt und Holzindustrie. Bei der Schifffahrt gibt es natürlich auch immer so ein Schiff zu hybridisieren und Motoren auszutauschen usw. kostet irrsinnig viel Geld. Da gibt es natürlich auch Nachhaltigkeitsförderungen, die müssen dann belegt werden. Wie nachhaltig ist das Schiff nach dem Umbau? Und wir mit NautiTronix können auch Fahrprofile so auswerten, dass man sagt: „Okay, da ist das Fahrprofil vom alten Schiff, bevor es umgebaut wurde, da ist das Fahrprofil vom neuen Schiff, wie es nach dem Umbau ist. So viel spart man jetzt ein.“ Das ist okay für die Förderung und die Quote bleibt. So, und ähnlich ist es auch bei der Forstwirtschaft in der Wertschöpfungskette. Da gibt es zum Beispiel oder gab es jetzt über mehrere Jahre hinweg eine Förderung „Klima-angepasstes Waldmanagement“. Da musste man zum Beispiel viele Dokumentationen machen, dass man Stilllegungsflächen markiert, wo eben dann nichts gemacht wird mit dem Holz. Habitatbäume, die stehen bleiben, markieren und das muss man über zehn Jahre dokumentieren mit GEO-referenziert usw. Das kann man analog nicht machen.  Mareike Donath:
Absolut.

Hartmann Schleifer:
Und auch da war es dann so, jeder der eigentlich diese Förderung beantragen wollte, der musste sich eigentlich irgendwie nach einer digitalen Lösung umsehen. Das heißt, das ist so, blöd gesagt, der Zwang, der eigentlich dann irgendwo kommt und das ist eigentlich der zweite große Teil neben dem wirtschaftlichen Mehrwert. So ehrlich muss man sein.

Mareike Donath:
Ich finde das mit dem wirtschaftlichen Mehrwert gar nicht so uninteressant, denn am Ende ist klar: Wir haben nur eine Welt. Natürlich ist das Thema Klimawandel für uns alle irgendwo existent und den einen trifft es den anderen, der ist Fan von Regularien, je nachdem was reguliert wird. Im Grunde genommen sind doch, steckt auch im Bereich Digitalisierung eine Riesenchance, auch hier das Thema Klimaschutz noch mal anders zu denken, anders zu ermöglichen. Ob das das Treibstoffsparen ist. Wo ich sage, den Wald kann ich besser beobachten, wie es dem Wald geht. Ja, so eine Art Walddoktor. Ja nicht nur Schiffsdoktor, sondern Telemedizin auch für den Wald. Das sind ja ganz, ganz wichtige Dinge, die für die Umwelt ja eine riesen Rolle spielen. Unter dem Aspekt finde ich das ganz wunderbar. Andererseits bedarf Digitalisierung ja auch neuer Energieverbräuche. Das ist ja ein Spannungsfeld, das wir da skizzieren. Aber auch da meine ich, so müsste es ja Lösungen geben. Oder sollte es Lösungen geben die ja, genau da ansetzen. Wie nachhaltig sollte eine Lösung sein? Wie nachhaltig sind digitale Tools? Wohin geht die Reise? Was beobachtest du da?

Hartmann Schleifer:
Ja, ich glaube, da muss man ein bisschen unterscheiden, welche Technologien eingesetzt werden. Wir haben ja immer wieder diese schönen Buzzwords auch in den letzten Jahren. Eine Zeit lang wollte  jeder alles mit Blockchain lösen, bis man auch bemerkt hat, man kann einfach nicht alles mit Blockchain lösen. Aktuell haben wir das Thema mit KI. KI, es ist so schon ein weiter Begriff wird noch breiter eingesetzt und wird einfach überall in den Raum geschmissen. Wir machen jetzt alles nur noch mit KI. Und auch da muss man ja immer sehen, ist das überhaupt das richtige Werkzeug dafür? Ich sehe das auch immer so generell in Digitalisierungsprojekten und in den Bereichen. Sowohl die Blockchain, die ja durchaus so mächtig und da ist und auch für viele tolle Ansätze eine Lösung ist, ist halt nur ein Werkzeug. Genauso ist dieses KI-Tool oder dieses KI-Modell nur ein Werkzeug, dieses KI-Modell nur ein Werkzeug. Man muss halt immer schauen, mit welchem Werkzeug man am besten das Problem lösen kann.

Also, ich bin definitiv kein guter Handwerker. Ich weiß aber auch, dass man mit einem Hammer kein Loch bohren kann. Das geht einfach nicht wirklich. Und genauso ist es ja auch, wenn man dann oft überlegt, ja, wie könnte ich jetzt KI im Unternehmen einsetzen? Das ist eigentlich schon der falsche Gedanke. Weil, ich muss eigentlich schauen, was habe ich denn für Probleme? Oder vielleicht sind es auch gar keine Probleme. Vielleicht sind es nur Prozesse, die ich optimieren möchte. Und das ist ja auch so ein Thema. Wir haben das jetzt auch gerade mit dem Thema Staatsmodernisierung usw. Es macht keinen Sinn, einen schlechten analogen Prozess Eins-zu-Eins zu digitalisieren. Das heißt, man muss sich den Prozess ansehen, wie kann man den optimieren und dann eben auch prüfen, welche Technologien – die sind ein wichtiger Teil der Digitalisierung, aber eben nur ein Teil davon – kann man nutzen? Welche Werkzeuge kann ich nutzen, um die Digitalisierung für diesen Prozess zu optimieren und voranzutreiben? Und wenn man das dann umdreht, wo du fragst, wohin das geht.

Ich habe jetzt bewusst KI und Blockchain angesprochen. Wegen den Energiethemen, weil das sind natürlich Themen, die irrsinnig kraftraubend sind. Also kraftraubend im Bezug auf Energie jetzt natürlich auch. Und trotzdem ist es ja so, wie gesagt, der Ansatz ist ja schon mal so: Man kann nicht alles mit der Blockchain erschlagen. Genauso wird man nicht alles nur mit KI erschlagen. Und ich kann auch konkret jetzt aus der Praxis sprechen. Die Projekte, die wir machen, wo auch KI eingesetzt wird und so. Das sind ja offen gesagt dann zum Teil auch ich sage jetzt KI-Modelle, die ja nicht so brutal rechenintensiv sind.

Mareike Donath:
Ich weiß sozusagen, ich kann mit einem Hammer kein Loch bohren und ich glaube aber, dass das Verständnis für Digitalisierung und Technologie so unterschiedlich ist, dass... Ich wüsste nicht, ob jeder weiß, ein Unterschied zwischen wann brauchst du eine Blockchain-Technologie und wann brauchst du sie nicht. Wofür ist sie genau da? Nicht jeder wird Medizin studieren können, um eine Analogie zu verwenden und kann Patienten behandeln, hat aber vielleicht ein Gefühl, es könnte irgendwie der Bauch sein. Oder es könnte das Auge sein, wo der Doc mal draufgucken muss. Da müssen wir irgendwie hinkommen. Zu sagen, ich habe das Gefühl, da geht was. Ja, und jetzt gehe ich damit zum Arzt oder wen auch immer. Das sind die Digitalisierungsagenturen, Beratungsstellen usw. Wir fangen ja mit den Innovationszentren ganz frühzeitig an, um überhaupt Lust zu machen, das kleine Einmaleins zu vermitteln rund um digitale Kompetenzen. Wie siehst du das? Wie weit sind wir mit dem Bereich Kompetenzverständnis für den Bereich digitaler Wandel in Mecklenburg-Vorpommern? Wenn du auf deine Klientel guckst.

Hartmann Schleifer:
Nicht besonders weit. Also, natürlich gibt es immer Ausnahmen in beide Richtungen, ist vollkommen klar. Aber wenn man es jetzt durchschnittsmäßig runterbrechen muss, dann nicht besonders weit. Das ist eigentlich genau so, wie du gesagt hast, dass es natürlich für, was ja auch logisch ist, Leute, die täglich im operativen Betrieb drinnen sind, es vielleicht auch schon lang so gemacht haben, die können da nicht plötzlich Digitalisierungs- oder IT-Experten werden. Das geht auch nicht. Das ist genauso wie umgekehrt. Wir haben ja auch einen Steuerberater, der uns diese Sachen macht oder jemand, der uns die Lohnbuchhaltung macht. Oder für Experten gehen wir dann zu anderen Experten. Weil sicher, im kleinen Rahmen für kleine Dinge kann man sicher noch Dinge gerade heutzutage viel selbst lösen. Übrigens auch wieder durch die Digitalisierung. Aber trotzdem ist es ja so, dass man einfach einen gewissen Grad ja eigentlich Unterstützung braucht oder auch holen sollte. Weil, es bringt mir ja auch mehr, wenn ich mich  auf mein Kerngeschäft fokussieren kann. Und nicht, ich sage jetzt, noch mit Anwaltsschreiben oder so.

Mareike Donath:
Absolut.

Hartmann Schleifer:
Und das ist eben genau das, was noch mehr gefordert und gefördert werden muss auch. Also, erst einmal das Thema Sensibilisierung generell. Das hat einfach, ja, es muss ja nicht immer, ich sage jetzt mit Stichtag heute sein, aber jeder muss sich irgendwie damit beschäftigen. Und ich meine jetzt gar nicht mit KI oder einer gewissen Technologie, sondern einfach mit dem Thema Digitalisierung. Ob dann für den Einsatz jetzt schon KI möglich und sinnvoll ist, kann man dann prüfen. In den nächsten Jahren sicher immer mehr. Aber da tut sich natürlich irrsinnig viel. Ist auch klar. Aber ich sag jetzt: Die Sensibilisierung muss da sein, dass man eigentlich in egal welcher Branche man unterwegs ist, wirklich ganz egal welcher. Man kommt da nicht mehr drum herum.

Mareike Donath:
Es gibt ja schon unheimlich viele Angebote. Und dennoch diejenigen, die anbieten, sagen: „Oh, so richtig sozusagen, brauche ich das? Ist das erkannt, dass ich mich damit auseinandersetzen muss?” Das ist nicht nur hier so, von den Gesprächen bundesweit kann ich das hören, dass das Verständnis dafür da ist. Man muss sich damit auseinandersetzen und lieber heute als morgen. Das hat noch nicht überall Einzug gehalten. Was können wir da konkret tun?

Hartmann Schleifer:
Also ich glaube, es muss noch mehr in die breite Masse. Wir hatten das ja auch für die NØRD zum Beispiel auch besprochen. Da hat ja auch jetzt einen Slot vorgeschlagen, zum Beispiel, dass man sagt, okay, wir machen wirklich nochmal über Veranstaltungen und wirklich in die breite Masse, ja, Digitalisierungs-Sensibilisierung. Da geht es noch gar nicht ums Detail. Aber einfach auch konkrete Beispiele zeigen kann von ähnlichen Branchen vielleicht, dass die Leute sehen okay, ja, das würde mir auch helfen. Das bringt mir auch was.   Mareike Donath:
Was sind das aber für Argumente um zu überzeugen, das ist das wirtschaftliche Argument, hört man dann. Okay, ich verstehe es irgendwie grob, aber wie konkret genau? Es ist ja etwas, du musst dich damit beschäftigen, hat noch nie gezogen. Ja, damit kannst du Geld sparen. Fachkräfte hat jeder kognitiv verstanden, aber am Ende geht es doch immer darum, im Alltag ist ganz viel zu tun. Die Schreibtische sind voll, die Auftragsbücher sind zum Glück überall auch voll oder das Personal ist nicht da. Wie überzeuge ich die kleinsten und kleinen Unternehmer, sich damit, oder Unternehmer:innen, sich damit auseinanderzusetzen?

Hartmann Schleifer:
Also das eine, was ich auch immer gerne sage, ist, du hast gerade gesagt die Schreibtische sind voll. Das ist meistens oder ein Großteil davon ist meistens repetitive Arbeit, die man automatisieren und digitalisieren kann. Auch vielleicht mit KI, vielleicht auch nicht. Aber dass man die Arbeitsabläufe so optimieren kann, dass die Leute, die da sind und die den Kopf eigentlich voll haben aktuell, den Kopf wieder freier haben und sich dann um Sachen noch mehr kümmern können und besser kümmern können, die dann vielleicht der Automatismus eben noch nicht so gut kann, eben aus dem täglichen Geschäft oder mit dem Expertenwissen usw.

Mareike Donath:
Hast du einen Appell an die Unternehmerinnen und Unternehmer?

Hartmann Schleifer:
Ja. Im Endeffekt, die Kernprozesse sich nur kurz überlegen: Was mache ich jeden Tag, was mich echt nervt, was ich jeden Tag ganz oft machen möchte. Oder die Kollegin oder der Kollege. Das sind oft zwei, drei Quick Wins im Endeffekt, mit denen man schon echt viel gewinnen kann. Wenn man die dann löst und damit, ich sage jetzt, jeden Tag eine Stunde sparen kann, dann ist das ja schon ein großer Gewinn, weil wir eine Stunde dann, ich sage jetzt, für was sinnvolleres nutzen kannst, das sagt man immer so schön. Was mir halt jemand abnehmen kann. Jemand, in dem Fall der Algorithmus, die KI. Wer auch immer.

Mareike Donath:
Das sind auch unsere Erfahrungen ehrlicherweise, wenn man erst mal angefangen hat zu sagen: „Och, so ganz doll tat es ja gar nicht weh. Die Spritze, die ich jetzt vom Arzt bekommen habe.” Was geht jetzt noch mehr, richtig?

Hartmann Schleifer:
Was halt immer wichtig ist, weil ich sage so, wenn man mal angefangen hat. Generell ist der Anfang natürlich mal ein großer, wichtiger Schritt. Auch wenn wir Vorträge machen, sagen wir ja auch mit dem Thema KI im Unternehmen, weil das ja immer so gefragt wird. Auch da muss man wie gesagt umdrehen: Wo ist das Kernproblem, wie kann man das vielleicht lösen. Und gerade für kleinere Betriebe. Man darf natürlich nicht anfangen zu sagen, wir machen jetzt eine Digitalisierungsstrategie für die nächsten drei Jahre, und das setzen wir dann so um. Was übrigens wieder ein Kontrast zu gewissen  Förderprogrammen ist, wie „Go digital“ und so, wo man zuerst die große Strategie ausarbeiten muss. Das ist zu Beginn schwierig, weil es wird sich noch 300 Mal ändern in dem Prozess.

Und gerade bei kleinen Unternehmen muss man eben schauen, wo packt man an, damit er echt ganz schnell mehrere kleine Unterstützungen hat, weil er sieht, okay, das bringt was. Und was da aber ganz wichtig ist auch zum Thema Appell für Unternehmer, ist dass man die Leute an die Hand nimmt. Und das meine ich nicht nur die Führungskräfte, sondern vor allem die Leute, die Mitarbeiter, die Mitarbeiterinnen, die das tatsächlich nutzen auch. Die täglich damit beschäftigt sind. Weil sonst hat man Situationen, dass die Leute Angst davor haben, dass sie es ablehnen, dass sie es nicht akzeptieren, weil sie es auch nicht wahrhaben wollen oder verstehen, was ihnen das als Mitarbeiter bringt. Viele fühlen sich dann ja eher benachteiligt oder was auch immer, weil da kommt irgendwas, das löst mich vielleicht noch ab oder was auch immer oder überwacht mich jetzt. Da gibt es ganz viele Sachen, das heißt, man muss auch die Mitarbeiter und die Mitarbeiterinnen an die Hand nehmen.

Und auch das Schlimmste, was man machen kann, ist ja zu sagen: „Okay, wir haben jetzt eine Lösung, da ist der Zugang, hier ist ein User-Passwort. Das nutzen wir jetzt.” Weil auch viele dann damit logischerweise überfordert sind. Das heißt also, diese Einführung ist schon ein Prozess, den man sich dann schon überlegen muss, wie man den auch, abhängig vom Unternehmen natürlich auch, auch einführt, sodass alle wirklich auch mitmachen. Und dann kann man eben als Gesamtunternehmen den Mehrwert auch richtig spüren.

Mareike Donath:
Ist es denn dann ratsam auch für ein kleines und ja weniger Mitarbeiter-starkes Unternehmen ratsam, sich noch mehr IT-Kompetenz ins Unternehmen zu holen? Auch Menschen, die ja trainiert darauf sind, bei Veränderungsprozessen zu begleiten. Ist das, sozusagen, wo man sich so ein Kernteam zusammenstellt, weil die Veränderung hört ja nicht auf. Es verändert sich ja ganz viel. Was heute vielleicht schon Standard ist, ist in drei Jahren schon wieder überholt. Das ist ja ein Prozess, der tatsächlich in den Unternehmen dazukommt.

Hartmann Schleifer:
Also ich würde man sagen: Ja, man braucht Zugriff auf dieses Wissen, und das regelmäßig. Ob man das jetzt intern hat, mit eigenen Mitarbeitern, Mitarbeiterinnen oder immer wieder extern zugekauft oder vielleicht auch begleitend immer wieder extern dabei hat, das ist ja eine typische Philosophiefrage. Genauso, wie viele machen die Buchhaltung lieber intern, stellen sich Teilzeit, Vollzeit jemanden an oder andere sagen: „Nein, wir machen das einfach alles extern über Steuerberater, auch die normale Buchhaltung.” Das ist ja die typische Philosophiefrage oft.  Oder mal durchrechnen, was mehr Sinn macht. Aber, also das kurz gefasst, ob das jetzt intern und extern ist, ist glaube ich nicht so relevant, sondern dass man einfach weiß, dass man das braucht und dass der Zugriff irgendwie da ist. Dass man eben, wenn man Bedarf hat, eben einfach auch fragen kann und mich begleiten lassen kann. Weil ja, es ist dann nie mehr vorbei. Wenn man da mal drinnen ist, wird es sich immer wieder weiterentwickeln und das ist ja dann auch gut so, weil dann ja die Prozesse immer wieder beleuchtet werden, immer wieder optimiert werden. Das ist eigentlich genau das, was ja dann auch diese Wettbewerbsfähigkeit noch erhöht. Und im Endeffekt geht es halt wieder dann um die Wirtschaftlichkeit natürlich.

Mareike Donath:
Klar.  Hartmann Schleifer:
Und, vielleicht noch ein Argument, weil du vorher gefragt hast, also an dem Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit, was natürlich auch ein riesiges Thema ist, das ist auch klar, ist auch das Thema, wenn wir jetzt auch wieder vor allem junge Fachkräfte betrachtet. War ja auch schon wahrscheinlich im Podcast auch schon oft Thema New Work usw. Ich bin jetzt 42, da hat sich in dem Bereich echt schon viel geändert. Also vor 20 Jahren war das auch noch anders, da gab es hin und wieder ein bisschen Homeoffice. Aber so wie es jetzt aktuell ist, war das ja auch ganz anders.

Mareike Donath:
Hast du Mitarbeiter?  Hartmann Schleifer:
Ja.

Mareike Donath:
Und wie arbeiten die bei dir?  Hartmann Schleifer:
Ganz ehrlich? Seit Corona ist es ganz schwierig, gute Leute regelmäßig ins Büro zu holen. Weil sie einfach wissen und das ist ja nicht böse gemeint, überhaupt nicht. Das ist einfach so diese Philosophie jetzt, die jetzt auch gelebt wird. Vor allem gute Leute wissen auch ganz genau, vor allem jetzt in unserer Region hier. Also wir sind auf Rügen mit der Bürogemeinschaft  von unseren drei Firmen im alten IT-College Putbus. Und jeder, der eigentlich bei uns oder die meisten, die für uns tätig sind, wissen ganz genau, sie könnten auch in Hamburg, Berlin, Wien, wo auch immer remote arbeiten. Müssten jetzt wahrscheinlich überhaupt nie hin und hätten auch noch besseres Gehalt. Das heißt, wir müssen ja so oder so immer schauen, dass wir die Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen auch anderweitig motivieren, als nur mit dem Thema. Und da gehört es auch dazu, dass man ja bei uns ja doch auch schön lebt, muss man auch sagen.

Also wir haben auch einen Kollegen, der geht einfach gerne Kiten. Und das geht auf Rügen ja schon ganz gut, zum Beispiel. Ja, also da muss man eben schauen, dass man in die Richtung ein gutes Konstrukt schafft, was auch funktioniert. Bei uns war es natürlich auch so, auch vor Corona, war Homeoffice schon zum Teil üblich. Das ist in unserer Branche ja sowieso seit Jahren üblich. Deshalb war auch Corona jetzt bezüglich unserer Arbeit eigentlich kein großes Problem, eher, weil die meisten Kunden dann nichts mehr gemacht haben. Also, das war da eher ein bisschen schwierig.  Für uns war das eigentlich kein Thema, wir sind dann mit den Laptops dann zu Hause geblieben und es war gut. Und wir hatten so oder so Videocalls usw. auch vorher schon oft. Und wie gesagt, das ist ganz klar. Also wir haben auch schon, also das Büro jetzt ja doch auch schon länger in der Größe. Aber seit Corona ist es ganz klar, dass die Arbeitsverträge definitiv anders gestaltet sind als noch vor Corona.

Mareike Donath:
Du bist im Kopf schon da. Das wird vielleicht bei tradierten Unternehmen, die eben noch die Zeit vor Corona kennen, anders sein. Aus deiner Erfahrung heraus: Wie gehen die mit sich ändernden Anforderungen um, die quasi jetzt Arbeitskräfte haben an ihrem Arbeitsplatz?

Hartmann Schleifer:
Da muss man auch ganz offen und ehrlich sein. Bei uns geht's ja auch, weil wir größtenteils digital auch arbeiten. Natürlich, wir haben auch Projekte, da geht es um Hardwareengineering und da muss man auch dann beim Labor stehen. Das kann man auch nicht aus dem Homeoffice machen. Und gerade bei vielen tradierten Unternehmen ist es ja wirklich so, die brauchen die Leute halt an Ort und Stelle irgendwo. Und da ist es halt schwierig mit: „Ja, okay, ich mach das von Zuhause.” Ich kann das Haus nicht von zu Hause aus bauen.

Mareike Donath:
Ich glaube, es gibt auch viele tradierte Unternehmen, wo es ginge, aber tatsächlich.  Hartmann Schleifer:
Die es trotzdem noch nicht machen. Und ich glaube, das ist schon ein Thema, so wie ich es vorher gemeint habe, wenn man junge Fachkräfte halten möchte und nicht nur bekommen, sondern noch viel wichtiger ist, sie auch länger halten zu können. Es ist heutzutage auch unrealistisch wenn man sagt, okay man sucht jemand, der dann wirklich 30 Jahre da bleiben wird. Das ist ich glaube gerade in der  Digitalisierungsbranche schon nicht ganz so üblich. Wir haben das Glück, dass wir eigentlich da sehr, sehr lange Zeiten haben. Das ist auch schön so, aber man muss ja immer dafür sorgen, dass es im Endeffekt ja auch allen gut geht, weil die Firma bewirbt sich ja mittlerweile gleich beim Mitarbeiter wie umgekehrt.

Mareike Donath:
Klar.  Hartmann Schleifer:
So ist das ja heutzutage eigentlich. Und um vielleicht diesen Kreis zu schließen auch zum Thema Einführung von Digitalisierung und so. Gut bei uns ist klar, weil wir  mit dem Thema arbeiten und davon leben, aber auch eben tradierte Branchen und andere Unternehmen. Je moderner die aufgestellt sind, desto höher ist natürlich auch die Chance, dass sie junge gute Fachkräfte bekommen und auch behalten können. Weil wenn wir da jetzt in irgend, ich sag jetzt, keine Ahnung Bauingenieurbüro reinkommen würde und die arbeiten alle noch mit Stift und Zettel und man kommt grad vom Studium und denkt an New Work, dann wird man dort wahrscheinlich nicht lange bleiben oder gar nicht dort anfangen.

Mareike Donath:
„Harti“, wir haben einige Empfehlungen jetzt von dir gehört sich damit auseinanderzusetzen, mit Technologien sich aufzurüsten, mit digitalen Kompetenzen. Wenn ich aber an den Bereich Sicherheit denke, wie weit sind wir da? Ähnlich wenig besohlt vom Mindset her? Welche Empfehlung hast du da an die Szene zu geben?

Hartmann Schleifer:
Eigentlich auch ganz ähnlich. Ja, es ist großteils leider wirklich so, dass sich viele Betriebe erst damit beschäftigen, wenn schon mal was passiert ist. Und so wie es ja immer ist: Alles Gute hat auch irgendwie vielleicht so ein bisschen eine Herausforderung, ich will jetzt nicht sagen was Schlechtes aber Herausforderungen. Die Digitalisierung ist natürlich genauso. Je mehr  digitalisiert wird, je mehr vernetzt wird, desto mehr Angriffspunkte gibt es natürlich auch. Je mehr Prozesse ich digitalisiere, von denen ich dann abhängig bin, kritische Geschäftsprozesse, desto höher ist halt auch die Chance, dass es ein Problem gibt, wenn da etwas ausfällt. Und das ist eben genauso. Auch da muss man sich natürlich damit beschäftigen. Ist einfach auch ein Teil der Digitalisierung im Endeffekt auch, nicht nur, dass man die Digitalisierung zum Laufen kriegt, sondern dass man sie auch permanent betrieben bekommt und absichert.

Mareike Donath:
Oftmals liegt ja genau da der Konflikt. „Ach Mensch, hätte ich nicht digitalisiert, wäre es mir nicht passiert.” Ja?   Hartmann Schleifer:
Kann man auch so sagen. Aber dann könnten wir auch im Mittelalter stehen bleiben und weiterhin auf Pferden mit Lanze reiten. Also. Ich glaube mit dem Fortschritt müssen wir mitgehen, das hatten wir ja vorher auch schon ein paar mal, aber ja, es hat immer alles auch einen anderen Aspekt. Und genauso, wir hatten auch vorher schon das Thema KI. KI kann irrsinnig viel bewirken heutzutage, aber natürlich auch KI kann auch für negative Sachen genutzt werden. Das heißt, wir wissen auch Angriffe werden cleverer usw. auch durch KI-Tools in dem Fall auch wiederum. Das heißt, alles wächst parallel mit und man muss eben auch versuchen, auch hier, ich sage jetzt, natürlich die Waagschale zu halten. Natürlich kann man als kleiner Betrieb nicht jeden  Monat 20.000 € an IT-Sicherheitskosten übernehmen wenn man zwei Mitarbeiter hat, das ist auch vollkommen klar. Aber man muss sich zumindest so weit mit dem Thema beschäftigen und sensibilisieren, dass man weiß, okay. Auch zum Beispiel wenn man jetzt ein Handwerksbetrieb ist, der hat digitale CNC-Fräser oder was auch immer. Und das funktioniert nur noch digital, wenn da alles ausfällt und der Betrieb stehen bleibt, da weiß man auch, was passiert  wenn dort ein, zwei Wochen der Betrieb stehen bleibt. Dann kann man vielleicht zumachen.  Mareike Donath:
Absolut, absolut.

Hartmann Schleifer:
Und deshalb muss man auch da eben zumindest so weit das beachten. Also typische Risikoanalyse eben. Was passiert denn, wenn mal das und das ausfällt und wie kann ich dann das beheben? Und das ist ja genau das Thema. Natürlich versucht man vieles zu vermeiden. Man kann aber nie alles vermeiden, das ist auch ganz klar. Es gibt keine hundertprozentige  Sicherheit. Auch wie es zu Hause keine hundertprozentige Sicherheit mit einer Alarmanlage usw. gibt, ist es da in der IT-Sicherheit genauso. Man kann sich so gut wie möglich absichern. Und das mit den Möglichkeiten natürlich, die man auch noch hat und auch bezahlen kann.

Mareike Donath:
Aber auch da heißt es, keine Angst davor zu haben, sich damit auseinanderzusetzen, sich helfende Hände an Bord zu nehmen, sich zu informieren und mit den Menschen zu arbeiten, die sich damit beschäftigt haben. Das ist quasi das Patentrezept.

Hartmann Schleifer:
Du hast das Richtige gesagt. Keine Angst, das ist das wichtige. Keine Angst schüren, sondern auch nur sensibilisieren und man muss sich auch bewusst sein: Okay, welche Prozesse, welche Daten sind das, auf die ich dann wirklich achten muss, wo ich dann vielleicht eine gute Plan B-Lösung brauche. Das ist dann genau die, die dann in Kraft treten muss. Ich sage jetzt bewusst nicht einfach nur irgendwo ein Backup zu haben, weil das ist ja meistens das, was eben einfach auch zu wenig ist und man braucht da dann wirklich einen schönen Plan B, um seine kritischen Geschäftsprozesse aufrechtzuerhalten. Und das sage ich auch ganz bewusst wie der Prozess ist, so wie vorher schon. Prozessdigitalisierung: Auch hier geht es um kritische Geschäftsprozesse, die muss man halt evaluieren. Welche sind das? Und dann muss man  prüfen, wie kann ich die aufrechterhalten, auch wenn mal was passiert mit meiner Digitalisierung? Und das ist eigentlich das, um was es geht, ohne. Wie gesagt, auch wiederum ohne  Angst zu machen. Aber es ist ein Thema. Im digitalen Zeitalter muss man sich eben damit auch beschäftigen. Genauso wie ich früher halt Alarmanlagen und Videokameras aufgehängt habe, damit niemand ins Haus einbrechen kann, haben wir jetzt halt auch andere Themen, die an Herausforderungen immer wieder da sind.

Mareike Donath:
„Harti”, du zählst für mich auch zur Unternehmerschaft 2.0. Du kommst aus Österreich, bist hier und wir hoffen, du bleibst hier. Jetzt komme ich zu meiner Abschlussfrage: Mecklenburg-Vorpommern, Zukunftsland ja oder nein?

Hartmann Schleifer:
Ja, ich denke, da ist sehr viel Potenzial. Und ich glaube, wenn wir weiter daran arbeiten, kann man auch gemeinsam weiterhin Schönes schaffen hier.

Mareike Donath:
Herzlichen Dank, dass du hier gewesen bist beim Podcast von „digitales MV”. Herzlichen Dank für deine Zeit.

Hartmann Schleifer:
Ich sage „Danke“ für eure Einladung.