Mareike Donath:
Dr. Heiko Geue, herzlich willkommen hier beim Podcast von „Digitales MV”. Wir haben uns natürlich im Vorfeld auf das „Du” geeinigt. Du bist Minister für Digitalisierung und Finanzen, Minister für Finanzen und Digitalisierung. Ich glaube, die Themen sind mal so, mal so an den Tagen...  Dr. Heiko Geue:  Dass du erst die Digitalisierung sagst, ist absolut in Ordnung. Manchmal fühle ich mich auch vielmehr inzwischen als Digitalisierungsminister.

Mareike Donath:
Ich wollte gerade sagen, du hast seit 2025 das Thema in deiner Verantwortung. Es ist unglaublich, was schon passiert, mit welchem Schwung und Dynamik du unterwegs bist. Natürlich ist die Einstiegsfrage, Heiko: Was ist dir jetzt begegnet? Wie sieht es aus? Was hast du erlebt die letzten Monate? Wovon bist du besonders begeistert? Wo kommen deine Impulse gerade her? Diese ganzen Fragen bringe ich mit. Herzlich willkommen hier.   Dr. Heiko Geue:  Ja, vielen Dank. Also, ich muss sagen, ich habe wirklich ein tolles Team. Ich bin total froh, dass ich Herrn Anschütz als CIO habe. Der hätte auch im Landesrechnungshof bleiben können. Der hätte uns weiter kritisieren können. Nein, er hat die Seiten gewechselt und MACHT jetzt mit uns. Ich bin auch sehr zufrieden, dass wir Ludwig beim DVZ als Chef zurückgeholt haben, weil wir brauchen jemanden mit der ganzen Erfahrung, mit dem ganzen Netzwerk und wir haben so tolle Truppen insgesamt. Also, ich bin ganz begeistert, wie toll diejenigen da brennen. Wir haben das IT-Sicherheitsgesetz jetzt in einer Affengeschwindigkeit, da war ganz toll, ganz viel schon vorbereitet. Aber wir haben es ja jetzt auch durchbekommen müssen. Auch durch den Landtag haben wir es ja jetzt gerade geschafft. Das war toll. Und wenn ich so an den Staat denke, eine meiner ersten Maßnahmen, die ich gemacht habe, wir haben gleich eine Videoschalte mit der kommunalen Ebene gemacht und haben denen gesagt: „Leute, wir wissen, wie es doch ist. Alleine sind wir alle zu klein, wir kriegen doch die Lösung gar nicht mehr hin. Außerdem kriegen wir jetzt ganz viel Geld aus dem Sondervermögen des Bundes. Lasst uns doch noch mal versuchen anders, strukturierter zusammenzuarbeiten, als in den vielen Jahren davor. Wir wollen auch Lösungen, die wir für das Land gut finden, den Kommunen mit anbieten können. Das geht nur in der gemeinsamen Zusammenarbeit.”

Und dieser E-Government-Lenkungsausschuss, der funktioniert super. Und da freue ich mich total, weil für mich ist die öffentliche Verwaltung Mecklenburg-Vorpommern, nicht nur das Land, sondern auch die Kommunen in allem, IT-Sicherheit, Integration des Kollegen KI, mehr Bürgernähe, Wirtschaftsfreundlichkeit, alles ist, wir sind gemeinsam, wir sind Mecklenburg-Vorpommern, Land und Kommunen und nicht nur das Land. Und da auch die Zusammenarbeit so toll funktioniert und vom ersten Tag an. Das macht mich richtig fröhlich und froh. Als Finanzminister ist es manchmal ein bisschen schwieriger mit der kommunalen Ebene. So ist das eben. Die Haushalte sind alle im Moment mörderisch eng, aber wir raufen uns auch da mal wieder zusammen und deswegen freut es mich so, dass wir da hier so an einem Strang gemeinsam ziehen. Das ist toll.

Mareike Donath:
Den ersten Punkt, den du angesprochen hast, ist das IT-Sicherheitsgesetz. Was heißt das genau? Wir versuchen ja immer, die Community steckt ja nicht ganz so tief in den Themen drin. Was ist jetzt das Besondere daran?

Dr. Heiko Geue:  
Ja, wir haben so ein Problem, dass inzwischen Hackerangriffe noch professioneller als in der Vergangenheit KI-gestützt passieren. Also es ist wirklich, früher sozusagen Hacker-Handwerk, heute Hacker-Industrie kann man nur sagen. Also, wir brauchen gehärtete Maßnahmen, um uns da besser zu schützen. Das ist natürlich einmal die digitale Seite. Das andere ist aber auch die Organisation, also klare Verantwortlichkeiten im DVZ. Ein CISO (Chief Information Security Officer/ Anm. d. Red.), der verantwortlich ist innerhalb der Landesregierung für die Sicherheit und den Informationsfluss. Ganz häufig kommt es ja darauf an, wenn du angegriffen wirst, oder wenn blöderweise jemand beim Phishing nicht aufpasst und darauf reinfällt.

Mareike Donath:
Genau, ich kriege jetzt zum Beispiel so eine blöde Mail so und: „Oh Gott”. Plötzlich und dann.  Dr. Heiko Geue:  
Ja, und klickst drauf und dann ist das Problem, so. Wir werden uns niemals zu 100 % schützen können. Niemand kann das. Aber dann schnell reagieren zu können, entsprechend klare Informationskanäle zu haben, rund um die Uhr, die Möglichkeit reagieren zu können. Häufig sind Angriffe natürlich eher abends oder am Wochenende, also dort, wo dann auch die Angreifer darauf hoffen können, dass eben nicht so schnell reagiert wird und dann ist der Schaden groß. Das ist ein Teil der Antwort, die wir geben. Ein anderer Teil ist: Wir haben schon im letzten Jahr, Ende letzten Jahres im Herbst, mit Schleswig-Holstein Kooperationsvereinbarungen geschlossen, unter anderem auch für mehr IT-Sicherheit, weil die eben auch Rechenzentren haben und wir dann Rechenzentren redundant miteinander verbinden können. Wenn eins kaputt geschossen werden sollte, dass wir eben schnell andere an den Start wieder bekommen. Es geht immer darum, auch schnell wieder handlungsfähig zu sein. Dann sind wir auch nicht so ein interessantes Ziel, weil Angreifer wissen: Na ja, gut, wir haben sie dann halt zwar an einer Stelle rausgeschossen, aber sie sind ja schnell wieder auch handlungsfähig. Dann haben wir also auch nichts davon.

Mareike Donath:
Okay, mit dem IT-Sicherheitsgesetz haben wir aufgeholt, sind wir vorne an...

Dr. Heiko Geue:  
Wir haben aufgeholt.  
Mareike Donath:
Das heißt konkret?

Dr. Heiko Geue:  
Wir sind eines der letzten oder vielleicht das letzte Bundesland gewesen, ehrlich gesagt, die jetzt das Gesetz auch umgesetzt haben. Also wir waren kurz davor, dann auch das Risiko gehabt zu haben, dass wir eine Strafe bekommen hätten von der EU, weil wir da auch gefordert sind. Und die Strukturen, die wir jetzt geschaffen haben, sind EU-konform. Das sind die Vorgaben und das war jetzt, das ist für alles, für jeden Innovationschritt, den wir machen wollen, Kollegen KI integrieren, automatisierte Verfahren, Digitalisierung überall, ist das ganz zentral, dass wir IT-Sicherheit so gut es irgendwie geht gewährleisten.

Mareike Donath:
Also Haken dran, dann...

Dr. Heiko Geue:  
Haken dran an der Gesetzgebung. Umsetzung, das ist jetzt der Schwerpunkt.

Mareike Donath:
Was liegt da vor der Tür an nächsten Schritten, wenn du sagst, jetzt geht es in die Umsetzung, was ist das Wesentliche, was ist der nächste große Schritt?

Dr. Heiko Geue:  
Na ja, also jetzt bei IT-Sicherheit genau diese Themen, die Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein leben. Auch Frau Plattner, mit der sind wir sehr im, also nicht nur wir in Mecklenburg-Vorpommern, sondern alle Bundesländer im Gespräch. Das ist die Chefin des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (Anm. d. Red.), die wirklich auch sehr interessiert ist, auch mit uns Bundesländern eng zusammen zu arbeiten, weil sie sieht, wir wollen ja auch die Netze miteinander schützen. Also deswegen war die auch zum Beispiel bei unserer IT-Planungsratssitzung, die wir in der Hohen Düne hatten. Oh, ich sage euch, das war so toll dort. Weil wir dann auch noch die Konferenz danach hatten, ungefähr 600 Beteiligte dann bei der Konferenz davor, der IT-Planungsrat ist Bundesvertretung, alle Länder und auch Kommunalvertretungen, das einzige Gremium, in dem im Digitalisierungssbereich die drei staatlichen Ebenen zusammenarbeiten. Und da war sie dann auch und hat uns nochmal, das macht sie aber regelmäßig, eben auch über den aktuellen Stand und was sie wie vorhaben, informiert. Und das ist für uns, dieser IT-Planungsrat die Zusammenarbeit ist ganz wichtig und eben auch die Möglichkeit, dann mit solchen Institutionen wie dem BSI und die Präsidentin selbst ist dann da, ist in Hohe Düne. Das zeigt doch, glaube ich, wie wichtig das Thema auch genommen wird.

Mareike Donath:
Absolut. Kollege KI interessiert mich, nochmal da reinzuschauen. Jetzt IT-Planungsrat. Bleiben wir im Moment dabei. Wie muss man sich das vorstellen? Wie mächtig ist denn der IT-Planungsrat überhaupt?

Dr. Heiko Geue:  
Naja, IT-Planungsrat ist ein gemeinsames Gremium. Dann muss man sich schon mal viele vorstellen. 16 plus eins, das heißt, 16 Bundesländer und der Bund und die Kommunen sind wie gesagt auch mit dabei. Städte- und Gemeindetag, Landkreistag. Also ist eben Gremiensitzungen. So muss man sich das vorstellen. Und es ist eben im Föderalismus, machen wir uns nichts vor, der ist jetzt nicht der Pusher gewesen im Bereich der Digitalisierung, sondern eher Teil eines Problems. Wir haben unglaublich viele ganz tolle IT-Projekte, der Bund, die Länder, auch teilweise die Kommunen parallel miteinander unglaublich viel Kraft, auch im IT-Planungsrat. Wir haben mehr als 200 Millionen im Jahr zur Verfügung für gemeinsame Projekte. Die werden dann von einem zum Teil in Auftrag gegeben oder auch umgesetzt. Und wir haben aber auch die sogenannte FITKO, die für den IT-Planungsrat dann zuarbeitet. Sehr viele Projekte, sehr viel gleichzeitig, sehr wenig Prioritätensetzung. Und, was wir bis letzte Woche, bis Hohe Düne nicht hatten: Keine verbindlichen Standards, kein Deutschland-Stack, keine Deutschlandarchitektur, also keine  verbindlichen Standards, dass wir es auf eine gemeinsame Plattform-Definition, gemeinsame Cloud-Definition, gemeinsame Standarddefinition für Applikationen. Hatten wir alles nicht. Das haben wir. Rostock war der Durchbruch. Seit Rostock haben wir verbindliche Standards in diesem Bereich für den sogenannten Deutschland-Stack, für die Deutschlandarchitektur. Der Bund gibt die vor. Wir alle können mit allen digitalen Firmen in Deutschland, Europa oder sonst wo zusammenarbeiten, die beauftragen aber eben nach den Standards. Und damit, das wird ein Game-Changer, weil der Staat als Kunde. Wenn wir gemeinsam die Standards einhalten, und die sind verbindlich, dann können wir eben auch die Themen, die wir über den Kollegen KI mit der digitalen Souveränität haben, nach vorne bringen und mit der digitalen Wirtschaft in Deutschland und Europa eher auch Lösungen organisieren, bei denen wir eben nicht so sehr an Big Tech-Firmen hängen.

Mareike Donath:
Ich glaube, genau das interessiert ja auch die Szene. Man fühlt, da ist ein riesiger Transformationsbedarf innerhalb der Verwaltung. Der Staat möchte sich modernisieren. Die Menschen und die Kolleg:innen, die dort arbeiten, sind alle hochmotiviert. Wie kann das, wie können wir jetzt helfen? Wie können wir jetzt konkret mithelfen, die Transformation glücken zu lassen? Dann scheint das ja ein riesiger Schritt gewesen zu sein.

Dr. Heiko Geue:  
Riesiger Schritt. Und am Ende, wie können wir da mithelfen? Die Kolleginnen und Kollegen, es kommt auf jede und jeden an, weil, bitte nicht die Art und Weise, wie wir gegenwärtig staatliche Aufgaben erledigen, die auch noch zu digitalisieren. Bitte nicht. Wir müssen uns schon alle klar machen miteinander, dass es hier um etwas Größeres geht. Es geht um Kulturwandel, es geht um Staatsmodernisierung. Es geht um die Art und Weise, wie wir bisher eher anstrengend, eher schwierig, eher langsam unsere Aufgaben erledigen konnten, weil wir dauernd irgendwelche Rücklaufschleifen haben. Wir müssen den beteiligen oder jenen beteiligen. Das Amt noch, dieses Amt. Es sind viele Aufgaben.

Mareike Donath:
So viel absichern, sozusagen.   Dr. Heiko Geue:  
Absichern, genau. Ich sage ja, diese, wir haben in Deutschland uns angewöhnt, eine Mentalität von Gürtel und Hosenträger. Doppelte Sicherheit, ja, weil wenn wir nur den Gürtel haben, müssten wir ja damit umgehen können, dass  uns vielleicht ab und zu mal die Hose etwas rutscht. Dann müssen wir sie halt wieder hochziehen. Bitte können wir das mit dem Hosenträger sein lassen? Wenn wir das nicht sein lassen, dann digitalisieren wir auch Gürtel und Hosenträger. Das ist zu komplex, kompliziert. Und wir haben doch mit den Digitalisierungsmöglichkeiten, die es heutzutage gibt, haben wir die Chance, gegenüber den Bürgern bürgernäher aufzutreten, indem wir schneller, freundlicher, mehr Zeit für den Service bekommen, weil wir im Hintergrund digitale Verfahren haben, die automatisiert, halbautomatisiert oder sogar KI-basiert uns helfen und auch gegenüber der Wirtschaft freundlicher auftreten können. Beides ist aus meiner Sicht ganz zentral.

Und, ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wir nicht nur gucken, welche Politik wir machen, sondern auch, wie wir sie machen, wie wir sie umsetzen. Ich sehe das als Demokratieprojekt, dass wir, wenn wir die Art und Weise, wie wir Politik umsetzen, wenn unsere Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeiten bekommen dafür, dass die Bürger wieder mehr zufrieden sind, dass sie sagen: „Oh, ich hatte mit dem Staat zu tun, das war wieder super, das ging ruckzuck und keine großen Aufwände, ich musste keine beglaubigte Originalkopie vorlegen, sondern ich konnte einfach Textform erfordern.” Solche Dinge sind auch notwendig neben der Digitalisierung, so ganz einfache Dinge, wo wir vorankommen müssen. Und wenn wir da anders gegenüber den Bürgern auftreten, die Bürger erzählen: „Ja, das ging schnell. Ich bin stolz darauf, wie unser Staat hier funktioniert.” Dann ist das auch für die Demokratie von Relevanz. Und deswegen bin ich da so hinterher. Und es kommt auf jede und jeden an.

Mareike Donath:
Und ihr habt ja auch vor kurzem mit den Häusern wichtige Maßnahmen verabschiedet. Zukunft der Verwaltung zu denken. Es war ein großer Katalog.

Dr. Heiko Geue:  
Ja, genau. Wir haben alle 16 Bundesländer und der Bundeskanzler im Dezember letzten Jahres die Föderale Modernisierungsagenda beschlossen. Es sind über 200 Maßnahmen, für MV waren es jetzt 237 haben wir identifiziert. Wir sind, glaube ich, das zweite oder dritte Bundesland, das schon eine Kabinettssitzung dazu hatte, einen Kabinettbeschluss, dass wir die alle auch umsetzen wollen. Wir arbeiten gerade mit den Häusern daran, was können wir in dieser Legislaturperiode noch umsetzen? Dafür müssen wir im nächsten Monat unbedingt im Kabinett sein, damit wir es noch schaffen bis zum Juli, das ist die letzte Landtagssitzung in dieser Legislaturperiode, die zweite Lesung zu machen, also das tatsächlich dann ins Gesetzblatt zu bekommen. Das wird ein Teil der 237 Maßnahmen sein. Und ein Teil wird auch sein, dass wir noch mal Bundesratsinitiativen machen, weil wir zum Beispiel beim Berichtswesen sehen, dass viele Berichte von Bund oder gar der EU schon vorgegeben sind. Und dann müssen wir darum bitten, dass, wo wir meinen, dass das nicht mehr gemacht werden müsste, dass der Bund das ändert. Aber sonst, was wir machen können, genau das.

Und das meinte ich mit Kulturwandel. Wir müssen selber auch bereit sein zur Staatsmodernisierung. Und ich nehme ganz viele von den jüngeren Kolleginnen und Kollegen so wahr, dass sie sagen:  „Endlich, endlich, man das ist doch blöd, wie das immer...” Und dieses: „Das haben wir aber schon immer so gemacht.” Das wollen wir gar nicht mehr hören, sondern wir haben doch jetzt auch neue Möglichkeiten. Deswegen sage ich ja auch immer Kollege KI, dass wir die eben auch nutzen und uns helfen lassen, wo es geht, um eben auch mehr Freude zu organisieren für uns selbst, Entlastung für uns selbst, aber auch gegenüber den Bürgern und Unternehmen. Aus meiner Sicht ist das halt das, wo wir hinwollen. Deswegen Kulturwandel.

Mareike Donath:
Du hast es mehrfach angesprochen, Kollege KI, was verbirgt sich dahinter?

Dr. Heiko Geue:  
Ich habe schon darauf gewartet, dass du fragst. Ich sage das nämlich. Ich benutze das Bild ganz bewusst, dass ich sage: Kollege KI. Weil viele können sich unter KI nichts vorstellen, die haben so dieses Gefühl, da gibt es irgendeine Über-Intelligenz. Und wenn ich der irgendwas sage, aber ich weiß auch nicht genau, wie ich es tun soll, dann kriege ich dann irgendwas zurück und es ist super. Also, irgendwie in irgendwelchen Wolken und so. So ist es nicht. Wenn man sich das mal ganz klar vorstellt, wenn man mit KI zu tun hat. Es gibt verschiedene Formen von KI, es gibt ChatGPT oder Claude oder anderes, das kennen vielleicht die meisten und nutzen das vielleicht auch schon mal. Dann wissen sie auch schon bisschen die, die das nutzen, die reden ja schon auch mit der KI und merken: Okay, wenn ich der was besser erkläre, dann kriege ich auch was besser zurück. Das nennt man „Prompten”. Googeln kennen wir alle, Prompten wissen viele noch gar nicht, was das eigentlich ist.

Prompten ist eigentlich, einem jungen Kollegen oder einer jungen Kollegin sehr genau zu erklären, was man jetzt eigentlich haben möchte. Man kann wirklich bei den KI-Kolleginnen und Kollegen davon ausgehen, die sind sehr leistungsorientiert. 24/7, 365 Tage im Jahr, keine Krankheit, kein Urlaub und steile Lernkurven. Sie sind also wirklich, die wollen auch was und die wollen uns helfen, die Fachkräftelücke im staatlichen Bereich, die wir alle haben. Wir alle ächzen über die viele Arbeit, die da ist. Die Fachkräfte fehlen uns und da kommt ein junger Kollege, eine junge Kollegin, will uns helfen. Super, wir müssen ein bisschen bei den aufpassen, die machen noch Fehler. Sie sind jung. Mein Gott, sie haben noch nicht die Erfahrung. Und sie wollen uns gefallen. Sie erfinden dann vielleicht auch mal was. Muss man auch ein bisschen aufpassen. Man muss es dann kontrollieren am Ende, was rumkommt und rauskommt. Also ja, mit jungen Auszubildenden kennen wir doch, wie das ist. Oder eben denen, die neu da sind. Den muss man es halt auch erklären. Und dann, Schritt für Schritt werden sie auch immer produktiver und sind dann bald auch erfahrene Kolleginnen und Kollegen.

Mareike Donath:
Am Ende beschreibst du ja Abläufe sozusagen, die automatisiert sind. Ja, jemand kommt, man muss Wissen vermitteln. Und dann zu sagen, bestimmte Prozesse kann ich einfach der KI übergeben. Das ist absolut nachvollziehbar zu sagen, um sich ein  bisschen zu entlasten und sozusagen Wissen zu teilen. Wie konkret? Noch Vision? Oder hast du  schon erste Schritte im Blick, zu sagen Kollege KI ist gar nicht so  weit weg, wie ich denke?

Dr. Heiko Geue:  
Wir haben erste Schritte. Bei uns im Finanzministerium wollen wir jetzt die Kollegin „Lea”. Wir haben „Leon”, wissen wahrscheinlich hoffentlich alle. Also diese Möglichkeit, sich online fortzubilden. Also dass man das eben nicht immer analog machen muss.

Mareike Donath:
Liebe Kolleg:innen der Landesregierung: Bitte nutzt „Leon“, das ist unser Fortbildungstool.

Dr. Heiko Geue:  
Ja, tolle Unterstützung und man kann anmachen, ausmachen. Man kommt dann an dem Punkt wieder, kann einsteigen, wo man aufhören musste. Also, man muss dann auch nicht tageweise jetzt nur Fortbildung machen, sondern so, wo es passt und wie es passt und es ist interaktiv. Also „Leon“ ist schon super. Jetzt kommt „Lea“. „Lea“ wollen wir im Geschäftsbereich einführen, die muss auch noch ein bisschen trainiert werden und üben. Die hat noch keinen Zugang zum Internet und die arbeitet noch mit Wissensstand von Anfang 25. Also da müssen wir noch ein bisschen nacharbeiten, aber das ist für uns wichtig. Wir hatten mal ausprobiert ChatGPT, ist natürlich toll ChatGPT, ist keine Frage. Aber die Problematik bei  ChatGPT ist eben, alles das, was wir mit ChatGPT machen, die Daten sind eben auch in Übersee. Müssen wir uns nichts vormachen und wir wollen auch digitale Souveränität. Also, generative KI nennt man das, also diese direkte Assistentin, aber mit der kann man eben schon toll Texte auch vorbereiten und aufarbeiten lassen. Solche Sachen. Muss man alles kontrollieren und gut erklären.

Das andere, noch Spannendere ist letztendlich die agentische KI, also „Agentic AI” heißt das auf Englisch, wo wir tatsächlich eben Agenten trainieren wollen, ganz konkrete Verfahren abzuarbeiten, zum Beispiel im Bereich der Beihilfe. Einfach kommen die Anträge rein und zack, wird drüber geguckt und geschaut: Ist das okay? Kann ich das auszahlen? Ja? Nein? Und so, da brauchst du schon ein bisschen Intelligenz auch, das kannst du nicht einfach automatisiert machen. Also deswegen KI-basiert. Das wäre zum Beispiel so ein Anwendungsfall. Es gibt zig andere Anwendungsfälle und die KI-Agenten werden dann nur mit unseren eigenen Daten trainiert und nicht auch mit dem Internet. Die sind dann also  auch davon getrennt. Die werden aber natürlich auch zu hohen Produktivitätssprüngen helfen. Und damit sind wir dann auch der Möglichkeit, diese wenn Kollege-KI, Kollegin-KI, flächendeckend eingesetzt werden, dass wir entlastet werden und uns dann zum Beispiel, wenn wir mit Bürgerinnen und Bürgern zu tun haben, eben auch mehr um die kümmern können, weil wir einfach Möglichkeiten bekommen, Zeitmöglichkeiten bekommen. Das Wissen haben wir doch. Wir haben doch, aber ich sehe es doch bei den Kolleginnen und Kollegen überall. Es ist zu viel zu tun. Es sind so viele Aufgaben in den letzten Jahren dazugekommen, dauernd auch Krisenbewältigung und schnell, schnell, schnell. Das ist nicht leistbar auf Dauer, wenn wir nicht uns Unterstützung organisieren. Und das ist die Möglichkeit, die will ich haben.

Mareike Donath:
Absolut. Aus meiner Perspektive ist auch wichtig und es sind ja auch viele demokratische Instrumente dabei. Ist ja gut, zu sagen, wenn sie zunehmen und ist ja auch zwangsläufig, dass die Arbeit dann vermeintlich mehr wird. Aber Dinge, die man irgendwann schon mal aufgeschrieben hat oder Daten, dass die gut transparent dargestellt werden. Ich sehe auch für mich oder für unsere Arbeit persönlich so viele Anwendungsmöglichkeiten, um das zu erleichtern, mehr Transparenz herzustellen. Genau wie du angesprochen hast, bemühen wir ganz klar einen besseren Demokratieprozess und alles was dazu gehört. Ich hatte gestern ein Gespräch: Führungskraft als KI. So ungefähr kann ich mir sogar auch vorstellen, wie viele Dinge hat man administrativ, die man abgeben könnte, um zu sagen, da kann man Faktor Mensch sich noch viel mehr darum kümmern, gerade in Zeiten, mobiles Arbeiten und so weiter, dann ist glaube ich wichtig, da auch gut hinzugucken, dafür Zeit zu haben und tatsächlich nur gezielt die Arbeitskraft, die man hat, anzuwenden. Nicht, um administrative Aufgaben... Aber das ist tatsächlich glaube ich noch ein heißes Thema, ich fand's total spannend.  Dr. Heiko Geue:  
Aus meiner Sicht, ja es ist spannend und die Grenze ist ganz klar aus meiner Sicht an folgender Stelle: Am Ende muss ein Mensch die Verantwortung für die Entscheidung haben, die Verantwortung. Es muss nicht ein Mensch jede Entscheidung selber getroffen haben, aber die Verantwortung davon, also Kollege KI immer wieder zu überprüfen. Macht er das noch richtig? Sind da Fehler eingeschlichen oder oder oder. Am Ende müssen Menschen in der Verantwortung  sein. Und das wollen wir auch. Genauso gehen wir auch, jetzt bin ich wieder beim IT-Planungsrat und unsere Zusammenarbeit mit Bund und Ländern. Wir haben einen gemeinsamen Marktplatz für KI-Anwendungen. Da ist Mecklenburg-Vorpommern auch schon Teil davon. Und die KI-Anwendungen, die funktionieren: „F13“ zum Beispiel, aber auch andere. „F13“ ist von Aleph Alpha, das ist die baden-württembergische Firma, schon entwickelt worden vor einigen Jahren.

Und da gibt es schon tolle KI-Angebote auch entsprechend. Also solche, die funktionieren, die digital souverän sind, wo wir wissen, kriegen wir auch keine Probleme mit IT-Sicherheit. Über diesen Marktplatz wird sich ausgetauscht und soll auch zukünftig die Möglichkeit sein, die dann auch integrieren zu können, reinnehmen zu können. Das ist für uns in der Landesverwaltung super wichtig, aber auch für unsere Kommunalen. Ja, dass wir das genauso mit anbieten, das sind die Möglichkeiten, die wir haben. Und ich stelle mir, also wenn du mich fragen würdest: Meine Vision vom Staat, vom modernen Staat ist so, dass wir im Hintergrund diese digitalen Möglichkeiten alle nutzen, dass wir auch im Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern und Unternehmen, auch auf KI-Chatbots setzen, dass man eben da auch jederzeit gute Antworten bekommt. Aber wir dort, wo die Menschen das nicht können oder nicht wollen, weil sie vielleicht zu alt sind oder sie keinen Zugang finden zu der digitalen Welt, dass wir analogen Service anbieten, dass die Menschen zu uns kommen können, dass sie zum Beispiel bei der Steuererklärung, ich möchte, dass die Steuererklärung zukünftig nur noch digital abzugeben ist, weil das unsere Verfahren total beschleunigen würde.

Da möchte ich zwei Sachen dafür machen. Ich möchte einmal First-Follower werden des hessischen Modells der vorausgefüllten Steuererklärung. Was die Hessen im letzten Jahr ja schon begonnen haben, das möchte ich jetzt gerne auch, dass wir ein Nachfolgeland werden. Wir stehen kurz davor. Und ich möchte, dass wenn wir digital tatsächlich irgendwann verpflichtend nur noch die Möglichkeit haben, Steuererklärung abzugeben, dass wir über die Finanzämter und auch vielleicht die Bürgermeisterämter, müssen wir dann sehen, wie wir das genau organisieren und auch die Lohnsteuerhilfevereine, dass die Menschen zu denen kommen können in die Finanzämter oder eben zum Lohnsteuerhilfeverein und dort ihnen geholfen wird, wie sie das elektronisch eingeben können. Ich möchte also den Papierweg nicht mehr haben. Aber ich möchte nicht, dass die Menschen, die mit dem Digitalen nicht zurechtkommen, abgehängt werden, sondern dass wir im Gegenteil, dass wir, weil wir mehr Zeit und Kraft haben, für die Bürger da zu sein, dass wir das dann auch machen können. Das ist aus meiner Sicht die Vision vom modernen Staat, wie es eigentlich technisch möglich wäre und aus meiner Sicht auch rechtlich eigentlich auch. Die EU-Datenschutzgrundverordnung, wenn wir sie richtig anwenden, könnten wir das machen.

Mareike Donath:
Du hast eben schon deine Vision skizziert, was geht eigentlich, wie kann Staat gedacht werden. Du warst ja auch viel unterwegs, hast dir viele Länder angeschaut, wie wird es da gemacht. Hast du für dich Best Practice-Beispiele, die du hier mitbringen möchtest oder darüber erzählen möchtest?   Dr. Heiko Geue:  
Ja, sehr gerne. Ich war mit einer Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegation in Estland, da war ich noch gar nicht auch Digitalisierungsminister, aber Staatsmodernisierung bin ich ja schon die ganze Legislaturperiode. Und vor wenigen Wochen war ich mit einer anderen Delegation auch in London und Paris, KI-Konferenz, aber eben auch in Paris haben wir uns angeschaut, wie die versuchen, digitale Souveränität umzusetzen. Diese Auslandsreisen weiten total den Blick. Und deswegen finde ich das auch so super, dass ihr euch für die NØRD entschieden habt, Lettland als Partnerland zu nehmen, weil die baltischen Länder haben ja die gleiche EU-Datenschutzgrundverordnung wie wir Deutschen. Und trotzdem haben sie ihren Staat total anders organisiert als wir. In Estland, Tallinn, habe ich das gesehen, die waren eben total digital. Das, was ich vorhin gesagt habe mit: „Wenn die Menschen mit dem Digitalen nicht zurechtkommen, dann wird ihnen geholfen.” Die machen das dort über die Bibliotheken in Estland, da kann man hingehen und dann wird einem geholfen, kriegt man noch einen Kaffee, finde ich super. Und dann wird eben nicht das papierhaft noch abgegeben, sondern direkt in die digitalen Kanäle eingegeben. Und das, was ich in Estland auch so beeindruckend fand, war diese X-Road, also im Hintergrund, diese Verknüpfung aller Daten. Wir haben ja auch alle Daten im Staat, wir könnten die Daten zum Wohle der Bürger viel besser nutzen als heute. Wenn wir die nicht in Silos verstecken würden, sondern die miteinander verknüpfen würden. Das wollen wir.

Das sind die Stichworte Registermodernisierung und NOOTS. Das wollen wir so umsetzen, damit im Hintergrund nie wieder, wie bei der Grundsteuer-Reform das so ist, dass meine Finanzämter nicht bei den Grundbuchämtern und den Katasterregistern nachfragen dürfen, sondern wir stattdessen was machen? Wir fragen die Bürger und die sind mega genervt, weil sie sagen: „Ihr habt doch alle Daten, was soll das? Macht es doch vorausgefüllt, guckt, ob das noch der aktuelle Stand ist. Ja, nein, zack, fertig. Die Esten machen das so und also X-Road, die Verbindung, und eben aber auch nicht alles in einer Datenbank, sonst, wenn die einmal gehackt wird, dann ist alles weg. Sondern als wir da waren, sind damals kurz davor die ganzen Passfotos gehackt worden. Die waren dann also bei irgendeinem Hacker. Nur der konnte damit gar nichts anfangen, weil es dazu die Namen und die Adressen gar nicht gab. Die waren nämlich woanders abgespeichert. Genauso müssen wir das auch machen.

Und, was ganz Zentrales: Wir wollen die Daten nutzen zum Wohle der Bürger. Aber die Daten gehören nicht dem Staat. Die Daten gehören dem Bürger. Und deswegen der direkte Zugang. Die Esten haben es über eine Zweifach-Authentifizierung organisiert, dass man direkt schauen kann, welche staatliche Institution hat auf meine Daten zugegriffen und warum? Dass das transparent ist. Ich fand, die Esten hatten damals schon viel mehr Datensouveränität als wir Deutschen. Wir setzen eher darauf, dass mit unseren Daten dann doch nichts gemacht wird, aber sind dann genervt, wenn wir das x-te Mal gefragt werden. Wir wollen das nicht mehr. Wir wollen Once-Only-Prinzip. Und das, was wir jetzt vor wenigen Wochen in London und Paris gesehen haben, die Briten sind mit GOV.UK wirklich schon auch weit mit KI-Anwendungen. Das war super spannend, aber war auch interessant zu sehen, dass die wirklich im Moment noch dran scheitern, die digitalen Lösungen auf die kommunale Ebene zu übertragen. Sie haben da gar nicht die richtigen Wege, wie sie das organisiert bekommen und sie arbeiten halt mit den Big Tech-Hyperscalern zusammen. Da ist wenig digitale Souveränität.

Das war spannender in Paris zu sehen, wie die mit „Mistral” haben die da eine Firma, die letztendlich so wie bei uns Telekom oder eben zum Beispiel Schwarz-Gruppe auch digitale Souveränität versuchen zu leben. Und wir haben aber auch „Bleu Cloud” kennengelernt. Das ist hier bei uns, in Deutschland nennt sich das „Delos”. Das ist der Versuch, Delos Cloud, ist der Versuch, Microsoft-Anwendungen auch so zu übersetzen, dass sie digital souverän sind. Das war spannend, da kommst du auch einen gewissen Weg weit. Wir haben aber auch gesehen, wo dann eben, am Ende brauchst du doch noch eine kleine Pipeline, weil du musst ja dann doch den Code auch immer mal wieder aktualisiert bekommen. Also ganz kriegst du da die Unabhängigkeit meiner Meinung nach auch nicht hin. Aber trotzdem, das sind richtige Wege, richtige Ansätze. Das ist super spannend. Man sieht auch, wir waren ja auch in Paris in einer Forschungseinrichtung. Die haben gesagt: „Ja, wir sind total offen für die Zusammenarbeit in Europa und haben den und den schon und so.“ Und wir hatten bei uns den Professor Sandkuhl mit dabei, Leiter des KI-Zentrums der Uni Rostock. Toller Mann. Und der wusste auch schon, dass sie da mit einem Teil der Uni zusammenarbeiten. Und ich war total geflasht davon, dass die Franzosen, denen man ja eher nachsagt: Na ja, Frankreich ist sich selber genug. Von wegen, die waren total offen. Also wir haben wirklich richtig toll gelernt, Impulse bekommen. Das war spannend und auch für die Unternehmerinnen, Unternehmer, die dabei waren.

Mareike Donath:
Es passiert nicht nur innerhalb der Landesverwaltung ganz viel, sondern auch im Land bewegt sich viel. Viele tolle Unternehmen, die ganz viel Herzblut investieren, um hier den digitalen Wandel voranzutreiben. Das versuchen wir hier ja mit der Marke „Digitales MV” und den digitalen Innovationszentren voranzubringen, Kompetenzen zu vermitteln. Konntest du da schon den einen oder anderen kennenlernen?

Dr. Heiko Geue:  
Ja, ich kann das nur bestätigen. Wir haben wirklich tolle Firmen im Land. Und, für mich als Digitalisierungsminister ist ganz wichtig, dass wir auch verstärkt mit den Firmen zusammenarbeiten. Das habe ich auch mit Hubert Ludwig, dem Chef des DVZ besprochen. Und wir haben uns gesagt: „Okay, komm, lass uns mal Folgendes machen: Wir besuchen alle DIZ zusammen und sprechen mit den Unternehmerinnen, Unternehmern vor Ort und erzählen denen, was wir wie vorhaben und organisieren unser Netzwerk besser.” Das gefällt mir nämlich noch nicht, wie wenig unser Netzwerk in Mecklenburg-Vorpommern funktioniert. Ich sehe das, wie zum Beispiel in Baden-Württemberg, das seit vielen Jahren, Jahrzehnten eingeübt ist. Klar haben die auch größere, zum Teil leistungsstärkere, einfach wegen der Größe, Firmen. Aber trotzdem, wenn die Ausschreibungen machen, dann wissen die, wen sie auch ansprechen können. Wie muss die Ausschreibung aussehen, dass man dann auch Erfolg hat, dass vom Ergebnis her, das was werden kann. Und dann wissen die Firmen schon mal, wenn eine  Ausschreibung kommt und können sich darauf bewerben.

Mareike Donath:
Der Staat als Kunde. Genau, was du vorhin ja beschrieben hast, das muss doch...  Dr. Heiko Geue:  
Der Staat als Kunde, genau. Also, ich glaube auch unsere noch kleine und mittelständische digitale Wirtschaft braucht den Staat auch als Kunden. Einmal als Visitenkarte. Wir machen das für den Staat. Aber eben auch, um sicher immer wieder Aufträge zu bekommen. Und die können das. Sie wissen nur zum Teil gar nicht, was wir auch weiter vorhaben und welche Projekte ganz konkret jetzt anstehen. Und deswegen, weil, noch mal – Staatsmodernisierung gehört eben mehr dazu als nur Digitalisierung – haben wir zum Beispiel für die Direktvergabe von staatlichen Aufträgen die Grenze von 5.000 €, bisher Dienstleistungsauftrag nur 5.000 € Direktvergabe, danach musstest du ausschreiben. Wahnsinn. Haben wir erhöht auf 100.000, im Bauen sogar von 10.000 auf 150. Hier geht es um Dienstleistung, also von fünf auf 100.000. Danach beschränkte Ausschreibung und erst ab 220 oder so, EU-Schwellenwert müssen wir halt öffentlich ausschreiben. Von daher gibt es seit vorgestern, also seit dem, also seit jetzt März die Möglichkeit, beim DVZ sich einzutragen als Unternehmen, zu sagen, ich bin in den und den Bereichen tätig. Man kann hochladen die Unternehmensbeschreibung bis 15 Megabyte glaube ich kann man das hochladen und dann sagen: „Ich möchte gerne informiert werden, wenn in den Bereichen, bei denen ich stark bin, wenn es da Projekte gibt, wenn Vorhaben beauftragt werden sollen, damit ich prüfen kann, ob ich ein Angebot abgebe oder nicht.”Wir sind dann also auch in dem unteren Bereich, also jetzt bis 100.000 müssten wir nur drei Firmen ansprechen oder anschreiben. Das würde schon reichen, wenn das dokumentiert wird und dann mit Mehr-Augen-Prinzip umgesetzt wird. Wir sind aber gerne bereit, wenn dann mehr sich auch melden, uns die anzuschauen über das DVZ.

Und das machen Ludwig und ich jetzt ja und wir lernen die kennen und wir waren schon im DIZ Neubrandenburg. Das war eine super spannende Diskussion darüber, wie zum Beispiel KI, jetzt ging es ums Programmieren, weil die Leute auch die Programmierer, immer weniger coden, also direkt programmieren und immer mehr prompten. Und wie verändert sich das dadurch? Haben wir überhaupt noch den Überblick, welche Ergebnisse kommen raus? Oder wird es irgendwann zu komplex? Also wir waren genau in der Debatte, die es im Moment gibt und wir waren uns total einig: Es kommt ja keiner dran vorbei immer mehr zu prompten und immer weniger zu coden, weil du halt viel schneller bist mit der KI. Aber wenn du nicht Informatiker bist und kapierst, was die da macht, kannst du überhaupt nicht überprüfen, ob das auch richtig und gut ist. Und deswegen werden wir auch weiter Informatiker brauchen. Also auch das ist ja eine spannende Geschichte und Entwicklung und wir wollen in dieser Entwicklung mit dabei sein, mit den tollen Firmen in Mecklenburg-Vorpommern. Und ich freue mich total, dass das DVZ, Ludwig, sich jetzt so aufstellen und die Möglichkeit schaffen,  dass wir die Vernetzung stärker hinbekommen. Am Ende, wenn wir ausschreiben müssen, ist es eine öffentliche Ausschreibung. Da kann sich jeder überall von überall auf der Welt, sozusagen, also überall Europas bewerben, logischerweise. Und dann wird unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten ausgewählt. Aber für die kleinen Sachen, da können wir eben direkt auch agieren miteinander.

Mareike Donath:
Absolut und die kleinen Unternehmen sagen ja ganz oft: „Ich habe es gar nicht gewusst. Ich habe gar nicht die Zeit, mich damit auseinanderzusetzen, wenn nicht irgendwie eine Transparenz herrscht.” Von daher, ich freue mich, wir hatten mit der Karte der Digitalen Macher ein bisschen eine Vorlage, wie man es machen kann. Deswegen glaube ich, ist schon vieles da. Und jetzt gibt es noch mal ein tollen Schulterschluss, um das miteinander zu verzahnen. Und eine Plattform, wo das richtig gut passieren kann, ist ja die NØRD in Kürze Ende Mai, 27./ 28. Mai, in der Hanse Messe Rostock. Ich sage das mal gerne an der Stelle, um ein bisschen Werbung zu machen. Auch wir werden die Podcast-Kulisse mitnehmen und dass die Menschen auch mal probieren können entweder auf deiner Seite zu sitzen oder auf meiner Seite.

Dr. Heiko Geue:  
Super.   Mareike Donath:
Absolut. Und wir dürfen dich dort auch begrüßen. Darüber freue ich mich natürlich sehr. Worauf, muss ich direkt zurückfragen, Heiko, worauf freust du dich am meisten? Ich würde natürlich gerne ein bisschen Werbung machen, auch mit deinem Statement, dass wir ganz viele Menschen und Unternehmen motivieren, zur NØRD zu kommen. Heiko, was meinst du, warum soll man zur NØRD kommen? So herum vielleicht?

Dr. Heiko Geue:  
Also ich freue mich total auf Lettland. Ich finde das so super. Wie gesagt, ich habe Estland damals besucht, aber Lettland, was ich gehört habe, die müssen genauso ein interessantes, beeindruckendes Land sein. Insgesamt der ganze Ansatz der NØRD, zu sagen, wir sind hier Ostsee, Ostseeraum und wir wollen uns mit allen entsprechend austauschen. Es sind so viele tolle Entwicklungen und ich sehe keinen anderen Bereich in der Wirtschaft oder auch in der Politik, der so im Werden ist, wo so viel Neues passiert und so viele Möglichkeiten mit geschaffen werden und dieser Austausch, das was jetzt so schnell läuft, wir waren uns auch da beim DIZ Neubrandenburg einig. Wir sehen die Entwicklungssprünge nicht in Jahren, sondern in Monaten. Ja, wir gucken eher auf Monatsentwicklungen als auf Jahresentwicklungen. Das ist doch der total spannende Zeitpunkt und Zeitraum, sich auf so einer tollen Plattform wie der NØRD auszutauschen. Ich finde das super und ich erlebe, dass eben diese Zusammenarbeit mit der kommunalen Ebene, mit der Wirtschaft, mit den anderen Bundesländern, aber auch mit dem Bund, will ich hier noch mal sagen, dass das Bundesdigitalisierungs- und Staatsmodernisierungsministerium geschaffen worden ist, war eine super gut richtige Entscheidung der Bundesregierung. Und unsere wirklich sehr, sehr gute Zusammenarbeit.

Ich darf mal als SPD-Digitalisierungsminister sagen, auch mit dem CDU Parlamentarischen Staatssekretär dort mit Herrn Amthor ist es eine sehr, sehr gute Zusammenarbeit, auch mit dem Minister selbst mit Wildberger und seinen beamteten Staatssekretären, die ich zum Glück auch die Staatssekretäre von früher schon kenne. Ich bin ja schon lange im Geschäft, das hilft uns auch. Und auch da werden wir, denke ich, noch mal mehr Zusammenarbeit auch organisieren und diese Möglichkeiten der Zusammenarbeit, des Austauschs, des sich Kennenlernens, Netzwerke bilden. Darauf kommt es doch in diesem Ökosystem, in dem wir uns im Moment miteinander bewegen, das total in Richtung Innovation unterwegs ist, an. Und wir haben jetzt durch unseren Ansatz der digitalen Souveränität doch auch die Möglichkeit, neue Innovationspfade miteinander zu beschreiten. Wir wollen mehr in Open Source, wir wollen auf jeden Fall offene Schnittstellen, damit wir mit kleineren Firmen die Möglichkeit haben, auch voranzukommen und letztendlich nicht immer nur auf Big Tech setzen zu müssen. Dass wir im Moment noch nicht ganz davon wegkommen, ist auch klar. Aber nochmal, das ist die einzige Möglichkeit: Staat als Kunde, digitale Souveränität als Rahmenbedingung. Und dann diese Netzwerke. Hallo, ihr müsst  alle zur NØRD kommen. Das ist doch toll.

Mareike Donath:
Ich danke dir quasi für diesen Werbeblock für die NØRD und das bildet ja auch alles ab, was du schon gesagt hast. Jetzt komprimiert in dem Statement. Dann schließt sich meine Abschlussfrage quasi an für diese Podcastepisode: Heiko, Mecklenburg-Vorpommern für dich ein Zukunftsland?

Dr. Heiko Geue:  
Ja, ein tolles Zukunftsland. Ich bin jetzt vor dem Podcast aus dem Investorengespräch, weil wir eben Energieland geworden sind, weil wir Wasser haben, weil wir Fläche haben. Und wir sind natürlich nicht nur für Firmen, die Applikationen anbieten, interessant, sondern wir sind auch ein interessantes Infrastrukturland, weil wir eben die Energie haben, also sprich Rechenzentren, vielleicht auch irgendwann mal Computerchips. Weiß ich nicht. Im Moment ist es eher, das Rechenzentrum-Thema steht im Vordergrund und deswegen: Wir sind als Infrastrukturland spannend, weil wir die Rahmenbedingungen dafür geschaffen haben. Wir sind aber auch als Innovationsland spannend. Ich erlebe das ja, dass Länder wie Schleswig-Holstein, dass wir Firmen und aber auch Länder wie Baden-Württemberg, also ganz egal, wir hier bei uns im Norden oder im Süden, die sind interessiert an der Zusammenarbeit mit uns, weil sie sehen, hier tut sich was. Und deswegen, ja, es macht Spaß in diesem Ökosystem tätig zu sein.

Mareike Donath:
Heiko, das war ein  schöner Abbinder. Ich danke dir für das Gespräch hier beim Podcast von „Digitales MV”.

Dr. Heiko Geue:  
Ja, vielen Dank. Ich danke dir auch sehr. Hat viel Spaß gemacht. Danke!