Mareike Donath: Christoph Vollmer, du bist Leiter der Geschäftsstelle „Digitale Baugenehmigungen“ im Innenministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Herzlich willkommen, Christoph, hier beim Podcast von „digitales MV“. Wir haben uns im Vorfeld auf das „Du“ geeinigt. Und jetzt will ich es ganz genau wissen: Wie sieht das aus? Ich möchte eine Garage bauen auf meinem Grundstück und denke: Wunderbar, jetzt schmeiß ich den Computer an und dann geht alles los. Rein digital, ist es so? Herzlich willkommen und nimm gern den Ball auf. Christoph Vollmer: Ja, vielen Dank, Mareike. Und ich kann von vornherein sagen: Grundsätzlich ist es so! Wir haben da natürlich unterschiedliche Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Wir als Geschäftsstelle stellen ja die digitale Baugenehmigung nicht per se überall zur Verfügung, sondern nur in den Kommunen, die eben sagen, wir wollen das System auch nutzen. Wir haben glücklicherweise 13 Bundesländer, die die digitale Baugenehmigung mit nutzen, über 300 Behörden, wo das System live ist. Und im Kreis der mitnutzenden Länder bündeln wir 864 Behörden von 934 in Deutschland. Mareike Donath: Gerne noch mal den globaleren Blick auf das System. Du gehörst zum Land, oder das Thema gehört zum Land, aber es ist sehr komplex. Der Bund trifft Entscheidungen, ist im rechtlichen Rahmen unterwegs. Wir auf Landesebene machen dies und das. Ich versuch's mal ein bisschen einfach zu formulieren. Da sind ja noch die Gemeinden und die Kommunen da, die ja auch irgendwie dort ihre Wirkungsweise, ja ihre Wirkungsweise haben. Wie muss man sich das eigentlich vorstellen in dem Bereich? Christoph Vollmer: Also in dem Bereich verhält es sich so: Wir haben einmal eine Musterbauordnung auf Bundesebene, die ist in den jeweiligen Landesbauordnungen spezifiziert. Also wir haben eben die Landesbauordnung Mecklenburg-Vorpommern, die Landesbauordnung Niedersachsen usw. und so fort. Sprich 16-fach in Ausprägung. Das bedeutet, wenn man eine Digitalleistung mit spezifischem Landesrecht anbieten möchte, muss ich natürlich eine Lösung schaffen, die das auch widerspiegelt. Denn, wir haben bei uns das Baurecht, was per Konfiguration an die jeweiligen Antragsstrecken angepasst werden kann. Und somit haben wir dann jeweils bei den mitnutzenden Ländern die Lösung für Baden-Württemberg, für Mecklenburg-Vorpommern aber im Kern immer das gleiche System, was natürlich die Entwicklungskosten deutlich schmälert. In der Nutzung bei den Kommunen haben wir die kommunale Selbstverwaltung, was ich eingangs auch schon sagte. Die Kommunen können selbst entscheiden, welches System sie nutzen. Deswegen kann nur das Land ein System bereitstellen und den Kommunen zur Nutzung anbieten. So ist es in der Vergangenheit passiert. Da gibt es auch unterschiedliche Regelungsmöglichkeiten. Aber aktuell beläuft es sich darauf. Mareike Donath: Das Ganze bettet sich ja ein in die Verpflichtung nach dem sogenannten Onlinezuganggesetz. Du kannst es viel, viel besser erklären als ich. Dass die Verwaltungen in der Verpflichtung sind, die Bürgerleistung auch digital abzubilden. Korrekt? Da gibt es im Bund, wie man sich dann verständigt hat. Wer macht was? Aber erkläre den Prozess gern noch mal besser als ich es kann. Christoph Vollmer: Genau, das hat sich aus dem Onlinezugangsgesetz heraus ergeben. Dort gab es 14 Themenfelder mit unterschiedlichen Themen besetzt. Das Themenfeld „Bauen und Wohnen” wurde dann von Mecklenburg-Vorpommern übernommen. Und da ist ja auch ein ganzes Konglomerat an Leistungen enthalten und die wurden dann in Leistungsbündeln zusammengefasst. Und da ist eben eins die digitale Baugenehmigung, denn wir bündeln 54 Leistungen in 28 Onlinediensten, und das eben auf einer Plattform. Da haben wir noch zahlreiche andere Leistungen, die aber eben nicht in so einem hohen, überwiegend öffentlichen Interesse stehen. Und die sind zwar umgesetzt, aber noch nicht in der Art und Weise verfügbar, wie eben die digitale Baugenehmigung. Mareike Donath: Wo baue ich in Mecklenburg-Vorpommern meine Garage, damit ich weiß, was der Christoph am anderen Ende gemacht hat? Christoph Vollmer: Zum Beispiel in der Hansestadt Rostock, Neubrandenburg, Wismar, Landkreis Nordwestmecklenburg, Vorpommern-Greifswald und dann demnächst auch in anderen unteren Bauaufsichtsbehörden, wo es auch jetzt schon verfügbar ist, ist noch die Mecklenburgische Seenplatte und das sind die unteren Bauaufsichtsbehörden, wo man unsere Lösung hier im Land auch live nutzen kann. Mareike Donath: Christoph, wie wird denn das jetzt eigentlich angenommen? Hast du Benutzerzahlen für uns? Christoph Vollmer: In der Tat. Also wir haben einen ganz schönen Vergleich von Ende 2024 von knapp 5500 Vorgängen, also Anträgen, die von Bürgerinnen und Bürgern gestellt wurden, zu Ende 2025 zu knapp 70.000. Und bei uns sind ja die Zahlen der eingegangenen Vorgänge der beste Maßstab dafür, wie so ein System genutzt wird. Mareike Donath: Das betrifft das ganze Bundesgebiet, korrekt? Christoph Vollmer: Das ganze Bundesgebiet, genau. Mareike Donath: 70.000 Anträge, die nicht mehr in Papierform ergangen sind, sondern... Christoph Vollmer: Vollständig digital. Mareike Donath: Ich lasse das kurz auf der Zunge zergehen. Da ist doch was! Das ist doch ein schöner Erfolg. Christoph Vollmer: Genau. Also das ist das Feedback, wodran wir uns auch weiterhin gerne messen lassen. Mareike Donath: Christoph, wie hat jetzt der Bund auf die tollen Nutzerzahlen reagiert? Christoph Vollmer: Der Bund hat tatsächlich mit uns eine Kooperationsvereinbarung geschlossen und dort vereinbart, dass wir ein einheitliches „Anwendungs- und Roll Out-Konzept” schreiben sollen. Das klingt jetzt erst mal profan, referenziert aber darauf, dass wir mit unserer Lösung der digitalen Baugenehmigung es geschafft haben, in 13 Bundesländern mehrere 100 Kommunen, Behörden anzuschließen und dass dies als Art Best Practice dann für sämtliche digitale Leistungen für die Zukunft genutzt werden soll. Mareike Donath: Beeindruckend! Du hast ja vorhin erläutert, ihr habt euch, wir teilen uns auf im Bundesgebiet, wer etwas macht. Das heißt, ich kann nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern meine Garage bauen. Okay, kann ich grundsätzlich überall bauen. Ist klar. Aber mit dem Verfahren. Sondern auch in anderen Bundesländern. Korrekt? Christoph Vollmer: Genau. Mareike Donath: Wer macht da schon mit, was ihr entworfen habt? Christoph Vollmer: Es ist tatsächlich einfacher zu sagen, wer nicht mitmacht bzw. mit wem wir in Verhandlung stehen. Das sind Hessen, Brandenburg und Berlin. Ich komme gerade vor unserem heutigen Termin aus einer Verhandlung mit Berlin hinsichtlich der Mitnutzung. Ansonsten machen alle anderen Bundesländer mit. Mareike Donath: Dann baue ich meine Garage jetzt irgendwo in einer der Gemeinden, die du aufgezeigt hast. Oder in anderen Bundesländern. Dennoch, was kann ich jetzt schon tun? Wie läuft das jetzt genau? In meiner Welt ist jetzt alles digital. Stimmt das so weit von vorne bis hinten oder gibt es da noch einen Bruch, was ich mir vorstellen kann und auch zu verstehen, wie komplex das eigentlich ist, das wird man sich mal so einfach vor als Anwender. Das muss man doch können mittlerweile und muss doch alles gehen. Schauen wir auf andere Ostsee-Anrainerstaaten, da geht doch schon alles digital. Ich glaube das und dazu ist der Podcast ja auch da, um zu erzählen: Wie sieht der Prozess genau aus? Woran hängt es gerade? Wie komplex ist das eigentlich? Weil wir natürlich verstehen möchten: Wie läuft das eigentlich alles und wann möglicherweise wird das alles viel, viel einfacher sein? Wir freuen uns auf deine Perspektive. Christoph Vollmer: Ja, vor allem der Vergleich zu den baltischen Nachbarstaaten, der hinkt aus meiner Sicht doch erheblich, denn wir haben in Deutschland ja eben ein anderes Rechtsstaatssystem. Wir müssen uns an andere Regularien halten. Wir müssen eben Landesrecht im föderalen Kontext berücksichtigen und damit verbunden ja auch die ganzen Realisierungshindernisse bzw. Hürden, die man dann nehmen muss. Wir haben ja erst mal begonnen, den analogen Prozess in ein digitales Verfahren zu übernehmen, der es dann ermöglicht, jedem Bürger, jeder Bürgerin, aber vor allem auch den Fachanwendern, Architekten und Ingenieuren mit den Bauherren zusammen einen Antrag auszufüllen, zu erstellen. Also das kollaborative Arbeiten steht eben im Vordergrund. Schon bei Antragserstellung. Dann ist der Antrag fertig und ich kann ihn zur unteren Bauaufsichtsbehörde schicken. In der unteren Bauaufsichtsbehörde geht der Antrag dann ein. Und in der Vergangenheit war es dann so, ich hatte es in einem einfachen Verfahren in siebenfacher Ausfertigung, denn in Papier in den Leitz-Ordnern, die man ja denk ich noch kennt dort hin. Mareike Donath: Da kann ich mich noch dran erinnern, genau. Christoph Vollmer: Genau dort hingebracht, die standen denn da und dann musste halt in der unteren Bauaufsichtsbehörde geguckt werden, wie verfahre ich damit? Wen beteilige ich? Wo gebe ich jetzt Blatt XY hin und warte denn auf die Rückmeldung? Jetzt ist es so: Ich bekomme einen digitalen Antrag, ich suche mir meine Verfahrensbeteiligten aus und beteilige aus einem und demselben Antrag. So ist eine parallele Bearbeitung möglich und ich kann das natürlich beliebig vervielfältigen, so dass ich allein in diesem Prozessschritt schon mal eine Verfahrensbeschleunigung habe, zumal ich ja in dem weiteren Prozess auch durch die bildredaktionelle Kommunikationsplattform – vielleicht ein recht sperriger Begriff – Vorgangsraum geht leichter über die Zunge. Mareike Donath: Okay. Es klingt aber auch verwaltungstechnisch. Aber ja, es ist wie es ist. Christoph Vollmer: Ja, genau. Da machen wir uns später Gedanken drüber. Auf jeden Fall. Wir haben dadurch die Möglichkeit, dass auch die Träger öffentlicher Belange – untere Naturschutzbehörde, Wasserbehörden, Feuerwehr und ähnlich – auch direkt mit dem Bauherren oder den Verfahrensbeteiligten dort, den Architekten und ähnlich in Rücksprache treten können. Sodass ich nicht immer die Behörde, bei der der Antrag initial eingegangen ist, benötige für die Kommunikation, sondern ich dann halt kollaborativ in dem Verfahren arbeite über alle Ebenen hinweg. Mareike Donath: Dann bin ich bei der, in Rostock die untere Bauaufsichtsbehörde, wo dort der Antrag eingereicht wird, wird dort bearbeitet. Gibt es noch mal eine Kommunikation mit dem Land oder es ist sozusagen jetzt die sind ausgestattet mit dem System und dann geht die Genehmigung logischerweise, weil ich alles rechtens gemacht habe, zu mir zurück in mein Posteingangsfach. Korrekt? Christoph Vollmer: Genau. Also das Land hat da nichts mehr mit zu tun. Das Land, also die oberste Bauaufsichtsbehörde, hatte lediglich bei der Erstellung der Antragsstrecken und dann natürlich bei der stetigen Aktualisierung oder Ergänzung, Weiterentwicklung eben seine Rolle. Aber wenn das System erst mal übergeben ist, live geschaltet ist in der jeweiligen Kommune, dann kann damit vollständig autark gearbeitet werden. Dann fangen natürlich die Prozesse dort an zu laufen. Dort gibt es ja auch weitere Systeme, die wir mit eingebunden haben in den weiteren Bearbeitungsprozess, die Träger öffentlicher Belange, wo drunter sich ja Naturschutzbehörden und Ähnliches bündeln lassen, mussten ja eingerichtet werden. Aber das System funktioniert ohne weiteres Zutun der obersten Landesinstanzen. Mareike Donath: Christoph, du hast beschrieben, was auf kommunaler Ebene passiert, wo wir auf Landesebene zuständig sind, woran ihr weiterarbeitet. Was ist die Aufgabe des Bundes dabei? Christoph Vollmer: Der Bund ist natürlich in vielen Bereichen mit eingebunden, doch im Bereich des „OZGs” ist es ja so, dass der Bund hauptsächlich Geldgeber war. Natürlich mit ein paar Anforderungen, Bedarfen, die wir in Form von Meilensteinen erreichen mussten. Aber maßgeblich wurde das Geld zur Verfügung gestellt, um diese Onlineleistungen, Digitalleistungen zu realisieren. Mareike Donath: Gibt es noch weiteren Betreuungsbedarf? Wird das noch weiterentwickelt? Jetzt denkt man über KI nach und was weiß ich. Das kann noch, das geht doch vielleicht noch einen Schritt weiter. Wie sind da eure Gedanken? Christoph Vollmer: Ja, das geht stetig weiter. Wir haben uns auch schon vor der eigentlichen flächendeckenden Produktivsetzung damit auseinandergesetzt, wo die größten Bedarfe sind. Und das ist eigentlich auch Kern- und Erfolgsfaktor für dieses System. Wir haben es halt nicht daran entwickelt, was die Verwaltung ausschließlich benötigt, sondern wir haben halt vor dem Beginn Digitalisierungslabore durchgeführt. Wir haben Nutzende befragt, wir haben die Bauherren, Architekten, aber halt auch die Sachbearbeiter in den Behörden gefragt: Was braucht ihr? Nicht, was wollen wir? Sondern was würde euch eure Arbeit erleichtern? Und da haben sich natürlich jetzt auch nach Entwicklung des Kernsystems der digitalen Baugenehmigungen zahlreiche Bedarfe identifizieren lassen, die wir jetzt sukzessive in die Wirkung überführen. Mareike Donath: Also kannst du schon darüber sprechen? Christoph Vollmer: Ja. Und eine Sache, die ganz konkret jetzt auch Form annimmt, ist ein digitaler Assistent. Den haben wir jetzt über das Dezember-Release auch in die Produktion übernommen. Das wird gerade verprobt in den unteren Bauaufsichtsbehörden. Das ist ein digitaler Assistent, der die Sachbearbeiterin und Sachbearbeiter beauskunftet über das Verfahren, Vorschläge gibt für Beteiligung oder dann eben auch Empfehlungen ausspricht, wie man da Verfahrensbeschleunigungen erreichen kann. In Q2 diesen Jahres ist avisiert, dass wir den digitalen Assistenten für die Bürgerseite live schalten und dadurch würde sich dann ein ganz reales Problem lösen lassen. Denn wir mussten leider herausfinden, dass durch einfachste Rückfragen, Beauskunftungen ungefähr eine Vollzeit-Äquivalente, also ein Arbeitsplatz im Jahr gebunden wird in einer kleinen unteren Bauaufsichtsbehörde. Mareike Donath: Jetzt für einen digitalen Bauantrag oder generell, weil so viele Fragen sind? Christoph Vollmer: Nein nur für Bauverfahren, also wirklich nur dafür. Und das sind... Mareike Donath: Aber für inhaltliche Sachen oder auch aufgrund des Systems, der Nutzung des Systems einer digitalen Bebauung? Christoph Vollmer: Nein, völlig unabhängig vom System. Also wirklich nur für das Verfahren. Hätten wir auch nicht so gedacht. Und die Sachbearbeiter und Sachbearbeiterinnen haben uns dann auch immer gesagt: Naja, Sie müssen sich vorstellen, wir kriegen einen Anruf, wir kriegen eine Anfrage von den Bürgerinnen und Bürgern. Und es ist zwar vielleicht 10, 15 Minuten die reine Beantwortung der Frage, aber man ist ja aus dem, was man gerade gemacht hat, dann auch erst mal wieder raus. Man muss sich dann wieder einarbeiten und so zieht sich das. Wir haben aber nur die reine Kernbeantwortung berücksichtigt in der Berechnung und da kam eben schon eine Vollzeit-Äquivalente raus. Und somit haben wir gesagt: Okay, wenn ich eine Möglichkeit schaffe, über diesen digitalen Assistenten den Antragstellenden gleich die Beauskunftung in ihrem Verfahrensschritt zu gewährleisten, habe ich ja schon mal einen erheblichen Mehrwert geschaffen. Ob man da jetzt von reiner KI spricht oder erst mal von einer einfachen Erleichterung oder Unterstützung. Das sei mal dahingestellt, aber... Mareike Donath: Aber in jedem Fall ist eine Unterstützung. Christoph Vollmer: Es ist eine Unterstützung. Genau. Mareike Donath: Gerade, ist es völlig klar die die Leistungen, die zu bewerkstelligen sind, nehmen immer weiter zu. Die Anforderungen nehmen auch an Verwaltung immer weiter zu. Das Personal ist begrenzt. Dann ist da eine wahnsinnige Hilfestellung mit solchen digitalen Lösungen und Erweiterungen tatsächlich etwas zu erreichen, das ist ein tolles Beispiel. Christoph Vollmer: Danke. Ja, also wir haben uns auch bei den weiteren Themen gesagt: Okay, womit müssen wir uns beschäftigen, dass wir einen realen Nutzen generieren? Ein weiteres Thema ist die Berücksichtigung von „Building Information Modeling”. Mareike Donath: Was heißt das konkret? Christoph Vollmer: Bedeutet: Bauen anhand von Daten oder anhand von Datenmodellen. Da gibt es unterschiedlichste Nutzungsszenarien. Mareike Donath: Spielt das für meine Garage schon eine Rolle? Oder sind das ganz andere Bauwerke, die das erfordern? Christoph Vollmer: Das sind ganz andere Bauwerke. Das sind aber auch Einfamilienhäuser. Denn man muss halt berücksichtigen, dass auch viele Planer schon ja datenbasiert planen. Und wenn sie denn ihr Bauwerk – nehmen wir jetzt mal ein Mehrfamilienhaus – einreichen, müssen sie das, was sie 3D geplant haben, wieder in 2D umwandeln, um dann die Pläne einzureichen und und und... Da haben wir gesagt: Gut, das wäre doch einfach, wenn ich beide Welten zusammenbringe und auch den Planern ermögliche, ihre eigentlichen Planungsdateien direkt so einzureichen. Mareike Donath: Christoph, absolut. Wir haben auch gebaut. Was ich alles vorher an Fragen beantworten musste, dann: „Oh Gott!" Sich Revue passieren zu lassen, also ich muss sagen, wo welche Steckdosen kommt. Mir wäre es einfacher oder einfacher gefallen, dass ich meine Lebensabläufe darstellen kann zack im System und ich dann den Vorschlag bekomme, wo etwas sein muss, damit meine Abläufe, die ich kenne und Prozesse, die ich kenne, ja irgendwie funktionieren und erleichtert sind. So denkste: Verdammt, da haben wir was vergessen. Christoph Vollmer: Genau. Ja, und Steckdosen ist ja so ein beliebtes Beispiel. Eigentlich hat man immer zu wenig. Man denkt, man hat genug. Ne zwei fehlen, immer. Mareike Donath: Wo man es eigentlich kognitiv weiß. Und dennoch. Christoph Vollmer: Genau und das sind halt alles die Dinge, die ich ja mit den Planern zusammen mit den Architekten zusammen entwickeln kann. Das wäre übrigens ein sehr schöner Anwendungsfall für ein Start-up. Also falls sich da jemand angesprochen fühlt, dass ich halt datenbasiertes Bauen mit so einer Nutzerbefragung paare und daraus Gebäudemodelle modelliere anhand der Vorstellungen oder des Nutzerverhaltens der Bauherren. Mareike Donath: Zack, da haben wir es. Wir hatten gerade das Thema Gründung zuvor in den Aufzeichnungen. Christoph, schon ist das nächste Geschäftsmodell entwickelt. Sehr schön. Christoph Vollmer: Ja, wär auf jeden Fall sehr, sehr interessant. Denn BIM, also diese IFC-Dateien, dieser Datenstandard, der ist dafür ausgelegt, dass ich ja nicht nur darin plane, sondern den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks darin abbilde, also von der Erbauung bis zum Rückbau und alles, was dazwischen passiert. Das ist der Gedanke dahinter. Mareike Donath: Passt das auch, weil so viele. Es gibt tolle Ideen wie: Wie kann man eine bestimmte Feuchtigkeit messen von Wänden? Also es gibt rund um Gebäudeeffizienz gibt es ja ganz viele Lösungen, also, egal in welchen Anwendungsfall man schaut, rund um Gebäude, gibt es ganz viel. Dann nur die Komplexität, das Miteinander zu verbinden. Anhand von Daten sozusagen verschiedene Lösungen nutzen zu können über verschiedene Anwendungen. Das muss doch irgendwo dann die Vision sein. Korrekt? Christoph Vollmer: Genau, das ist die Vision. Und da gibt es halt auch unterschiedlichste Überlegungen. Wir sind auch gerade mit der Bundesseite in Verhandlungen über ein Maßnahmenpaket, die genau das realisieren soll. Denn und da muss man unseren baltischen Freunden wirklich mal das Lob zusprechen, die sind in Teilen da schon deutlich weiter. Die haben in Modellprojekten das eben umgesetzt, dass ich ein Datenmodell in die Bestandsbebauung plane. Ich habe eine Baulücke irgendwo, ich plane mein Haus, ich habe dieses Datenmodell, setze das da rein und sehe halt gleich, wie beeinflusst das die Vegetation durch den Schattenwurf. Wie kann ich halt das Bauwerk, was geplant ist, in andere Bauphasen im Straßenbau oder ähnlich mit einplanen? Wie kann ich dann halt auch langfristig meinetwegen Städtebau-technisch Grünflächen strukturieren? Also wie kann ich halt dieses Ökosystem Stadt dann datenbasiert besser planen und besser berücksichtigen, wie sich auch eine Stadt entwickeln soll oder muss? Mareike Donath: Für welche Sachen stecken noch, dass ich das nicht vergesse. Wir waren jetzt beim digitalen Bauantrag, bei digitalen Baugenehmigungen. Du hast vorhin von anderen Anwendungen gesprochen, die man vielleicht nicht so auf der Tasche hatte. Was sind das für andere Dinge, die ihr noch im Köcher habt, die man eigentlich wissen müsste, was da noch so passiert? Christoph Vollmer: Also, was ein sehr spannendes Feld ist, was aber häufig für die meisten Anwender eher im Verborgenen passiert ist. Das Thema „Law as Code“, dass ich es möglich mache, KI-gestützt Regelprüfungen abzubilden, dass ich die Gesetzestexte anhand von Prüfbäumen visualisiere, mit in unserem Fall der obersten Bauaufsicht gemeinsam das Recht, was anzuwenden ist in die Prüfbäume transferiere und der Antragsteller dann seinen Antrag einreicht und KI diesen Prüfbaum durchgeht. Mareike Donath: Prüfbäume sind quasi eigentlich so eine Art Algorithmen, wie ich etwas abzuprüfen habe. Einen Antrag. Christoph Vollmer: Ja, Genau. Ums einfach zu sagen: Ja. Man kann sich das wirklich vorstellen, wie so ein Baumdiagramm mit ganz, ganz vielen Kästchen, wo dann halt die einzelnen Bestandteile der Rechtsnormen drin sind, die geprüft werden müssen. Mareike Donath: Also, wie ich zum Beispiel ein denkmalgestütztes oder denkmalwürdiges Gebäude sanieren. Klassiker ja, an was muss ich alles denken? So was könnte man als Anwendungsfall da mit reinpacken. Christoph Vollmer: Ja, also grundsätzlich lässt sich jede Rechtsnorm in einem Regelprüfbaum abbilden und die wird dann halt einfach abgeprüft. Und dadurch, dass das ja automatisch passiert, bekomme ich ja auf Verwaltungsseite einfach einen Prüfbericht, der mir schon bei Antragseinreichung sagt, das ist erfüllt, das ist nicht erfüllt. Oder es ist alles erfüllt. Es ist eigentlich genehmigungsreif und somit habe ich natürlich eine erhebliche Beschleunigung in dem Verfahren, weil diese ganze Prüfung, die ja sonst... Mareike Donath: Manuell händisch. Ja. Christoph Vollmer: Habe ich damit abgeräumt. Mareike Donath: Ich hab eine Fantasie, dass ich damit irgendwie mindestens fünf Tagwerke, die ich pro Person spare, wenn das mal nicht reicht, je nach Komplexität. Christoph Vollmer: Ja, also wenn wenn das mal reicht. Und, vor allem man muss auch dazu immer sagen, weil im Gespräch mit vielen Anwendern kriegen wir dann natürlich auch das Feedback. Ja, aber was soll ich denn noch machen? Wir sagen: Ja, das ist ein Zukunftsszenario, wir verproben das jetzt, aber es hilft alleine schon, dem demografischen Wandel entgegenzuwirken, dem Fachkräftemangel, der ja auch überall herrscht. Und, was uns ja immer wieder gespiegelt wird, auch der Arbeitslast, die auf beiden Seiten herrscht. Wenn ich halt durch so smarte Tools einfach eine reale Entlastung schaffe, dann ist ja damit allen geholfen. Mareike Donath: Ich glaube es dann auch zu sagen: Einen Standard kann ich mit solchen Verfahren gut lösen. Und es gibt Spezialfragen, für die möglicherweise einfach, ja mehr Zeit in Anspruch oder mehr Zeit ins Land gehen, wo man sagt, es muss ich liegen lassen und muss mir etwas Zeit nehmen. Dann kann das ja schneller bearbeitet werden. Ich glaube, das erfüllt ja auch die Bearbeiter mehr, als man sich eben im Einvernehmen miteinander bewegt und versucht, schnell auch für die Bürger:innen dort eine Lösung zu schaffen. Christoph Vollmer: Also, da hast du vollkommen recht. Also, es geht ja vor allem darum, dass halt die komplexen Bauwerke, die schwierigen Fälle denn auch mit der ausreichenden Zeit und Güte bearbeitet werden können und man halt diese Standardaufgaben sukzessive durch smarte Lösungen einfach nicht ersetzen kann, sondern einfach abarbeiten lassen kann. Mareike Donath: Dahinter sitzen ja auch immer Menschen. Christoph, das ist nicht nur die Verwaltung an sich, sondern dahinter sitzen Menschen, die ganz engagiert sind. Christoph, was hat dich eigentlich in die Verwaltung verschlagen? Christoph Vollmer: Also die ehrliche Antwort ist tatsächlich meine Mutter. Mareike Donath: Die sind immer schuld. Okay. Christoph Vollmer: Die hat nach einer gewissen Zeit immer zu mir gesagt, weil ich war selbstständig im Bereich Online-Marketing, Webdesign und ähnlichem und meinte: „Also, das ist ja schön, dass das alles funktioniert, aber mach doch mal was Vernünftiges.“ Ich habe gesehen, man kann sich hier beim Land bewerben und ja. Mareike Donath: An der Stelle ich wir danken der Mama für die wertvolle Ergänzung von der Verwaltung. Christoph Vollmer: Vielen Dank. ja, ich werde das ausrichten. Mareike Donath: Sie hört es und sieht es hoffentlich. Christoph Vollmer: In der Tat. In der Tat. Stimmt ja. Und so ging dann halt der Weg los. Es war auch eine glückliche Fügung, dass ich dann 2020 meinen ehemaligen Referatsleiter kennenlernte durch eine praktische Station im damals noch Energieministerium. Und da ging das alles langsam aber sicher los mit der praktischen Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes. Und ja, mit dem Herrn Riege kam ich dann so ins Gespräch, der interessierte sich dafür, was ich vorher gemacht habe und erzählte mir dann, was so geplant ist. Und da muss man dann sagen, manchmal passt es und manchmal passt das nicht in dem Fall. Mareike Donath: Dann schicke ich meine Bewerbung los und wir gucken, dass es funktioniert. Du bereust es bis heute nicht, hoffe ich. Christoph Vollmer: Nein. Mareike Donath: Die Verwaltung ist also nicht trocken und staubig, wo man nichts bewegen kann. Christoph Vollmer: Also da kann ich auch wirklich sagen, wäre das der Fall gewesen, wäre ich nicht mehr in der Verwaltung. Ich kann aber wie gesagt aus eigener Erfahrung bestätigen. Es gibt so viele Facetten bei der modernen Verwaltung, die wirklich zahlreiche Typen von Menschen abholen kann. Und das kann ich auch jetzt ganz konkret für die Geschäftsstelle bestätigen. Mareike Donath: Auch so das Thema Jobrotation finde ich total spannend, sozusagen mal von Verwaltung raus in Wirtschaft und umgekehrt das gegenseitige Verständnis zu wecken. Das ist, wenn das mal gelänge, ganz unkompliziert aufgrund des Systems. Ich finde das total spannend und gut. Ich glaube, wenn man tatsächlich dann gegenseitig, weil es wirklich was bringt, Gegensätze einschätzen zu können, was steckt da an Expertise drin auf beiden Seiten und nicht nur eine Seite gesehen zu haben. Das vielleicht kommt das ja noch mal für uns Beide, Christoph. Christoph Vollmer: Ich bin gespannt. Ja. Mareike Donath: Du bist seit 2011 hier in Mecklenburg-Vorpommern. Christoph Vollmer: Genau. Mareike Donath: Dann komme ich nämlich damit zur letzten Frage und zur Abschlussfrage, Christoph, für dich, Mecklenburg- Vorpommern ein Zukunftsland? Christoph Vollmer: Definitiv, also... Mareike Donath: Warum? Christoph Vollmer: Das ist die kurze Antwort. Warum? Weil ich einfach das enorme Potenzial sehe. Ich lerne durch meine Arbeit auch so viele Leute kennen, sowohl privat als auch denn durch eben den Job an sich. Wo man sagt: Sowohl in der Wirtschaft als auch in der Verwaltung sind so viele engagierte Menschen, die Interesse daran haben, etwas zu bewegen. Die sich hier im Land befinden, aber auch aus dem Land heraus für das ganze Land etwas bewegen wollen. Und es werden halt auch immer mehr Voraussetzungen geschaffen, also für modernes Arbeiten. Bei uns im Referat selbst sitzen ja auch die Kolleg:innen, die den Glasfaserausbau vorantreiben. Also auch moderne Arbeitsplätze werden damit ja ermöglicht. Und ich glaube, so zieht man halt nach und nach auch immer mehr kreative und motivierte junge Leute hier auch ins Land, so dass die Chancen gut stehen. Mareike Donath: Du wirst weiter die Werbetrommel rühren für Mecklenburg-Vorpommern. Christoph, ich danke dir, dass du da gewesen bist, beim Podcast vom „digitalen MV“. Christoph Vollmer: Vielen Dank, Mareike.