Mareike Donath:
Henrik Wegner, Digitalisierungsbotschafter des Landes Mecklenburg-Vorpommern seit 2024. Exakt seit der letzten NØRD. Du bist Start-up- und Gründungskoordinator beim Landkreis Ludwigslust-Parchim. Herzlich willkommen hier beim Podcast von „digitales MV”. Wir haben uns im Vorfeld auf das „Du” geeinigt. Und deine Mission für heute ist: Zukunft wird auch  im ländlichen Raum gemacht. Herzlich willkommen! Dann gleich mit der ersten Frage verbunden: Was meinst du damit?

Henrik Wegner:
Ja, herzlichen Dank für die Einladung. Ich bin sehr gerne hier in den Podcast gekommen vom „digitalen MV”. Ein wichtiger Partner auch bei meiner Arbeit jetzt die letzten drei Jahre als Start-up- und Gründungskoordinator im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Es ist ein ganz besonderer Wert. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim ist ja der zweitgrößte in Deutschland, hat leider keine eigene Hochschule, aber sie haben sich dazu entschlossen, ein eigenes Start-up- und Gründungszentrum zu bauen in Ludwigslust.

Mareike Donath:
Das ist das DeveLUP, korrekt?

Henrik Wegner:
Das ist das DeveLUP. Die DeveLUP ist ja so eine Wortschöpfung aus „develop”: wir entwickeln. „LUP”: „Wenn’s luppt, dann luppt’s”, ist ja so der Slogan, nachdem ich auch arbeite. Und meine Herzensangelegenheit ist es eben, die verschiedenen Gründer zu unterstützen, bei uns im Landkreis. Ein Ökosystem zu schaffen, wo sie quasi ihr Unternehmen sehr gut platzieren können und auch gemeinsam wachsen können.

Mareike Donath:
Henrik, das Gründungssystem, wie muss man sich das eigentlich vorstellen? Wer gehört alles dazu und um wie viel Gründung geht es hier eigentlich? Kannst du das mal kurz skizzieren?

Henrik Wegner:
Das ist schwierig. Das Gründungs-Ökosystem wächst ja immer mehr. Und ich bin ja derjenige, der quasi das Gründungs-Ökosystem – wie soll ich sagen – definiert, überlegt: Wen nehme ich mit dazu? Ich bin sehr offen für neue Kontakte. Also, wenn ich mal jetzt für den Landkreis spreche, ist es die starke Wirtschaft, die wir eben im Landkreis haben, wo ich festgestellt habe, dass viele Unternehmer auch sehr unterstützend zur Seite stehen als Mentoren für junge Gründungsideen. Wir machen ja solche Formate wie „Speed-Dating”, wo wir Gründungsinteressierte und Unternehmer zusammenbringen. Da ist es auch sehr erforderlich oder sehr gut ist, im Haus, also im Start-up- und Gründungszentrum, im DeveLUP auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft vor Ort ist, der Unternehmerverband und die Kreisvolkshochschule. Damit habe ich auch schon ein sehr schönes Ökosystem innerhalb des Hauses.

Dann ist es so, dass wir ja eingebettet sind in den Landkreis Ludwigslust-Parchim, also in die Landratsamtsverwaltung, die sich ja direkt an das DeveLUP anschließt. Ich selber gehöre einem Fachdienst „Innovation Metropolregion Hamburg und Projekte” an und kann natürlich wunderbar in die verschiedenen anderen Abteilungen des Landkreises multiplizieren. Ob es um Bauanträge geht oder Soziales, je nachdem, was das Gründungsthema ist. Und dann kommt natürlich das Netzwerk in Meck-Pomm dazu, oder Mecklenburg-Vorpommern, das „digitale MV”, die Gründungswerft, die IHK zu Schwerin, die Handwerkskammer. Ohne dass ich jetzt Irgendjemanden vergesse. Also ich bin mit vielen fein und versuche die verschiedenen Protagonisten mit der Gründungsszene bei uns im Landkreis, aber auch darüber hinaus, Richtung Metropolregion Hamburg zum Beispiel,wir sind ja Mitglied der Metropolregion Hamburg, zu verzahnen und zu vernetzen, damit wir ein starkes Gründungs-Ökosystem auch im ländlichen Raum schaffen.

Mareike Donath:
Also, ein Gründungssystem auch bei euch, wie es ja überall so ist, entwickelt sich je nachdem, welche Protagonisten dort da sind, wie die Akteure sich verhalten, wie aktiv die sind, wie weit sie schon sind. Das prägt ja auch sehr individuell finde ich so ein System. Das sehen wir auch fürs „digitale MV” in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt. Du hast eben Unternehmen angesprochen. Ich glaube, manchmal weiß man gar nicht, welche großen Unternehmen eigentlich bei euch im Landkreis sitzen. Gib gerne den Zuhörer:innen, Zuschauer:innen noch mal einen Einblick. Die haben sich... Das sind eigentlich schon Vorreiter im digitalen Wandel. Ich bemühe mich natürlich immer wieder deine Rolle als Digitalisierungsbotschafter. Wer ist so ein Vorreiter, so ein Impulsgeber auf der Wirtschaftsseite bei euch im Landkreis?

Henrik Wegner:
Ja, das ist schwer zu sagen. Also ich kann das immer nur mit dem Fokus als Wirtschaftsförderer der Stadt Ludwigslust sagen, dass es... Wir sind ja ein sehr starker Landkreis, was die Ernährungswirtschaft angeht. Aber auch im Maschinenbau sind wir sehr gut vertreten an den Hauptachsen A14, A24. Ich kann jetzt kein Unternehmen herausstellen, aber es ist so, dass wir die Unternehmer dabei unterstützen wollen, den Digitalisierungsprozess auch bei uns anzugehen. Da ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft sehr dabei, dass sie dementsprechende Kurse anbietet, Hybrid und aber auch analog zum Thema Social Media bis hin zur digitalen Vermarktung.

Wir haben den Digilotsen Alex, der als... Wir sind ja das Tandem zum DIZ Schwerin, der verschiedene Veranstaltungsformate probiert, um alle möglichen Unternehmer, aber auch andere Institutionen abzuholen, um beim digitalen Wandel zu begleiten. Und ich als Start-up- und Gründungskoordinator versuche, unterschiedliche Veranstaltungsformate, die ich vielleicht irgendwo anders kennengelernt habe, die mir gerade so in den Sinn kommen, einfach auszuprobieren, um den Gründern auch eine Digitalisierungsebene an die Hand zu geben.

Mareike Donath:
Henrik, wie kommst du an die Gründungsteams heran bzw. wie finden dich die Gründungsteams? Wie läuft das?

Henrik Wegner:
Als ich vor gut drei Jahren angefangen habe als Start-up- und Gründungskoordinator, war das DeveLUP ja sehr jung. Also es ist ja...

Mareike Donath:
2022, ne?

Henrik Wegner:
22 ist es eröffnet worden. Und es ist so, dass die Gründungsszene im Landkreis diese quasi zu identifizieren und anzusprechen, das war jetzt so meine Herausforderung. Als damaliger Wirtschaftsförderer weiß ich, wie Gründungen so einigermaßen abgelaufen sind. Sie sind dann zu mir als städtischer Wirtschaftsförderer gekommen und haben gesagt, sie wollen jetzt ein Business eröffnen, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft hat da Support gegeben. Es gibt natürlich auch die Gründerplattform und andere Institutionen. Und ich habe einfach durch verschiedene Veranstaltungsformate wie zum Beispiel einen Gründerworkshop, den ich organisiert habe, der alle zwei Monate stattgefunden hat, hybrid, versucht, darauf aufmerksam zu machen, in den analogen Medien,
aber auch in den digitalen.

Ich mache ja selber unseren Instagram-Account. LinkedIn ist wichtig. Dann natürlich den Landkreisboten, aber auch die Tageszeitung. Ich habe versucht, über die Bürgermeister, den Kreistag, ja die gesamte Kreisverwaltung dafür zu sensibilisieren, dass sie sich mit dem DeveLUP identifizieren als Zukunftszentrum im Landkreis, und der Landkreis ist ja sehr groß. Ja, und so werden es immer mehr, die von den Supportangeboten des DeveLUP erfahren und sagen: „Mensch, ich besuche da mal einen Kurs, das spricht sich rum.” Wir hatten jetzt gerade beim letzten Workshop mal so eine Umfrage gemacht: Wie habt ihr denn von dem Workshop erfahren? Und ich habe festgestellt, dass einige es bei LinkedIn gelesen haben, andere bei Instagram, die nächsten wieder bei Facebook, die nächsten online, vielleicht bei der „SVZ”, die nächsten haben das Kreisblatt gelesen, den Landkreisboten, und es ist ganz unterschiedlich. Also heißt es für mich weiterhin alle

Mareike Donath:
Crossmedial zu denken.

Henrik Wegner:
Alle Kanäle bespielen, Mund-zu-Mund-Propaganda, gebranded durch den Landkreis zum Beispiel, und einfach zu werben: Wir haben ein modernes Zukunftszentrum und wir sind auf dem richtigen Weg.

Mareike Donath:
Henrik, wenn ein Gründungsinteressierter, eine Gründungsinteressierte jetzt zuschaut, zuhört und sagt: „Ich habe richtig Lust irgendwie und ich traue mich nicht und ich weiß nicht genau ob meine Idee funktioniert oder worauf kommt es an?” Was ist der erste Schritt? Was würdest du empfehlen?

Henrik Wegner:
Erstmal einen Kontakt mit mir aufbauen und dann machen wir ein vertrauliches Gespräch und dann gucke ich, wo ich unterstützen kann, wo es auch vielleicht Menschen gibt aus meinem Netzwerk, die noch besser unterstützen können. Das ist ja die Frage, ob es jetzt nachher ein Unternehmen ist, was zur IHK zählt oder zur Handwerkskammer oder freiberuflich. Und ich arbeite mit verschiedenen Gründerberatern auch zusammen. Und dann geht das.

Mareike Donath:
Der digitale Wandel mit den vielen Chancen, die möglich sind, Lösungen einzusetzen, um schneller sichtbar zu sein oder skalieren zu können. Wie ist deine Wahrnehmung? Wie digital affin, kompetent sind deine Gründerinnen, Gründer, die zu dir kommen? Ist das schon immer so mit im Paket dabei, im Rucksack? Den Gedanken, das gut zu nutzen oder ist da so eine Facette wo du sagst: „Mensch, da kann man doch das und das machen, das anreichern.” Wie ist da deine Wahrnehmung?

Henrik Wegner:
Das ist ganz unterschiedlich. Also, das ist ja auch bei Unternehmen ganz unterschiedlich. Einige haben eigene Abteilung, ein eigenes Interesse, sich digital darzustellen, einen eigenen Instagram oder auch Social Media sehr aktiv zu betreiben. Und andere sind halt, sage ich mal, noch am Anfang. Und da ist dann eben Potenzial zu sagen: Mensch, nutzt doch die Angebote vom „digitalen MV”, von den IHK's oder von der Gründungswerft oder von anderen Protagonisten, die ja teilweise auch kostenfrei zur Verfügung gestellt sind, weil es eben wichtig ist, diese Sichtbarkeit.

Gerade auch im ländlichen Raum musst du ja auch,  wenn du auf Richtung Azubi, Kooperationspartner gehst, dass du dich auch quasi diesen neuen Wegen dieser Digitalisierung nicht versperrst. Und ich merke, dass sie alle offen sind. Also das ist ein offenes Miteinander und wenn man dann Praxisbeispiele hat. Ich will jetzt mal vielleicht auch ein Beispiel nennen: Wir kooperieren ja auch mit Schulen. Wir haben gegenüber das Goethe-Gymnasium und auch da gibt es enge Abstimmungen, was man denn machen kann. Die Volkshochschule macht es sowohl mit den Senioren, aber macht es auch mit Schülern. Wir haben die Migrationskurse ja im Haus, also diese Deutschkurse für Migranten im Haus. Auch da ist es wichtig, das Thema zu platzieren. Also da ist uns alles offen und das ist das Besondere.

Mareike Donath:
Wenn wir auf deine Gründungszielgruppe schauen, wie divers ist da die Altersstruktur, die auf dich zukommt, die du unterstützen darfst/kannst? Jung bis alt? Oder gibt es da sozusagen auch größtenteils zwischen 30 und 40? Kannst du da so einen Einblick geben? Von bis?

Henrik Wegner:
Von bis. Das ist alles. Und wir hatten jetzt, im letzten Jahr hatten wir ja das Frauenfestival bei uns. Da warst du ja auch mit dabei und hast eine Keynote gehalten. Da hatten wir zum ersten Mal eine Gründerinnen-Expo gemacht, weil wir sehr viele Gründerinnen haben, die sich auch an uns wenden und die an unseren Angeboten teilnehmen. Und da hatten wir auf Anhieb über zehn Gründerinnen da, die ganz unterschiedlichen Alters sind. Also, wir sind für alle offen. Es gibt ja die Leute, die nebenerwerblich vielleicht gründen und im Hauptamt weiter ihr Business machen und irgendwann kommt der Break-even-Point, dass sie sagen: „Jetzt mache ich den Nebenberuf zum Hauptberuf.“ Aber ich habe auch Menschen, die direkt eine Ausbildung gemacht haben und sich selbstständig machen wollen. Es ist natürlich immer die Frage, was für Nährboden du hast. Wir haben im Landkreis auch Start-ups. Also mir fällt ein: Hennes Röseler mit der beheizten Tapete mit „mpo-tec”, den wir ja auch mit auf der „SLUSH!” hatten, was auch ein tolles Angebot ist, dass Gründer aus unserem Landkreis oder Gründungsinteressierte auch nach Helsinki fahren können, auf die weltweite Messe der Start-ups. Das war für mich auch eine tolle Ehre.

Mareike Donath:
Absolut, absolut. Sich da behaupten, sozusagen Weltflair, Wahnsinn.


Henrik Wegner:
Ja. Und einfach mal auch diese Luft schnuppern können und mit Investoren und auch mit einem Mega-Netzwerk weltweit in Kontakt zu treten, dort zu pitchen in Englisch, das ist ein ganz, ganz tolles Giving, was man auch in Mecklenburg-Vorpommern bereitstellt und was dafür wirbt, wo andere Bundesländer vielleicht auch sagen: Mensch, da in Mecklenburg-Vorpommern läuft ja auch einiges. Und das andere ist eben auch die Gründungswerft, dass wir eine große Community haben, die auf der ehrenamtlichen Basis miteinander vernetzt sind und sich gegenseitig unterstützt und damit auch ein geniales Marketing macht für das Gründungsland Mecklenburg-Vorpommern.

Mareike Donath:
Nochmal den Bogen zusammenzufassen: Welche drei Hauptangebote habt ihr für die Gründungsszene, dass wir es einmal noch mal schön zusammenfassend haben. Welche drei Sachen würdest du anbieten können? Wie gehst du auf die Szene zu?

Henrik Wegner:
Also das Start-up- und Gründungszentrum, das DeveLUP, das hat erstmal wunderbare moderne Räumlichkeiten. Wir haben 30 tolle Arbeitsplätze, die genutzt werden können. Wenn man sagt, ich brauche einen Arbeitsplatz irgendwie mit in einer Community, da ist die Möglichkeit des Coworking gegeben. Das können sowohl Tagesgäste sein, aber man kann natürlich auch für Monate oder sogar für Jahre. Man hat so seine erste Möglichkeit, seine Anschrift zu haben. Wir haben eigene Postfächer, wir haben eine coole Start-up-Küche. Wir haben ein Atrium, wo man Pitch Events machen kann, eine Dachterrasse, tolle Veranstaltungsräume und Schulungsräume, Konferenzräume, die hybrid genutzt werden können. Also erst mal dieses räumliche Angebot stellen wir nicht nur Gründern zur Verfügung, sondern eben auch Unternehmern, die eine Businessveranstaltung machen wollen. Das kann ich bieten.

Dann kann ich eben mein Netzwerk, mein Ökosystem anbieten. Die verschiedenen Protagonisten, die ich kennengelernt habe und immer noch kennenlerne und die offen sind, Gründungssupport zu geben. Und wir geben verschiedene Veranstaltungsformate biete ich an, also das „Link up Lulu”, „Speed-Dating”, dann haben wir jetzt die Workshopreihe „Startklar” als hybride Workshopreihe. Weil man muss sich ja vorstellen: Der Landkreis Ludwigslust-Parchim zwischen Zarrentin und Plau sind viele Kilometer, deswegen bieten wir das alles hybrid an, aber das ist ja beim „digitalen MV” ähnlich und wir haben die Möglichkeit, eben auch direkte Kontakte herzustellen zu der Kreisverwaltung, Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Mareike Donath:
Henrik, das ist quasi euer Gesamtangebot. Jetzt freue ich mich mal auf den Punkt, die jungen Leute mit ins Boot zu holen. Gern schon die Schülerinnen und Schüler. Ich glaube, dafür zu werben und sich damit auseinanderzusetzen, das kann nicht früh genug beginnen. Welche Angebote habt ihr für die Jugend und wie werden die angenommen gerade?

Henrik Wegner:
Also, mir war immer wichtig von Anfang an, dass die Angebote, die wir für die Gründungsinteressierten anbieten, sind ja für jedermann offen. Dass also innerhalb der Veranstaltungsformate auch schon die Verzahnung zwischen Gründern, Unternehmern, vielleicht aber auch vielleicht Schüler und Schülerinnen erfolgt. Das ist mir von Anfang an wichtig, und das ist auch am Anfang ist es so, also seit Anfang an gibt es vielleicht interessierte Schüler, die auch sagen: „Was passiert denn da eigentlich im DeveLUP? Ach, das ist ja ganz interessant.” Da gibt es einen  „Startklar”-Workshop zum Thema Motivation. Kann ich ja vielleicht in meinem Schulalltag auch gebrauchen. Dann habe ich festgestellt, dass es ja Schüler-Firmen gibt. Also wir haben am Gymnasium eine Schüler-Firma, die habe ich kennengelernt über unsere Berufsorientierungmesse, die „BOMS”, die haben wir damals mitentwickelt, als sie noch Wirtschaftsförderer der Stadt war.

Mareike Donath:
Wofür steht „BOMS”?

Henrik Wegner:
„BOMS” steht für Berufsorientierungsmesse im Städteverbund. Es gibt ja eine Kooperation zwischen Grabow, Ludwigslust und Neustadt-Glewe. Die drei Städte liegen ja zehn Kilometer auseinander, es ist ja wie so ein Städtedreieck und in dem Zusammenhang suchten wir immer eine Möglichkeit, eine Berufsorientierungsmesse zu machen. Da ist es so, dass viele Unternehmen sich ausstellen. Und solche Messen sind ja nicht nur eine Basis für Menschen, die zu der Berufsorientierung unterwegs sind, sondern es sind eigentlich auch Netzwerkmessen, weil wo präsentieren sich noch mal fast 100 Unternehmen aus der Region? Das ist ja ein wunderbarer Nährboden, sage ich mal auch für Gründer, mal zu gucken, was gibt es denn für eine Wirtschaftsstruktur vor Ort und wo kann ich denn Kooperationen angehen? Wo können wir denn vielleicht gemeinsam was tun? Oder auch für Leute, die vielleicht einen neuen Arbeitsplatz suchen, können sehen was vorhanden ist.

Und da habe ich gemerkt, welches Interesse auch da ist von den Schülern, für diese Unternehmer und gleichzeitig, wie man vielleicht eine Gründung aufbauen kann. Das Thema Unternehmensgründung war mir damals nicht so bewusst, aber es spielt immer eine gewisse untergeordnete Rolle. Und wir haben ja Schüler-Firmen. Es gibt auch „Jugend gründet”, es gibt verschiedene Wettbewerbe, und in dem Zusammenhang haben wir im letzten Jahr zum ersten Mal, also mit „FuturePreneur”, das ist ein Verein aus Hamburg, es ist ein Beispiel, es gibt noch andere Beispiele, haben wir mit dem Gymnasium Ludwigslust eine Workshop-Woche gemacht, wo sie das Thema Unternehmensgründung im Fokus hatten. Welche Stärken habe ich? Welche Motivation habe ich? Welche Wege muss ich eingehen, um ein Unternehmen auf die Beine zu stellen? Bis nachher zum Match.

Also sie haben quasi ihr Produkt, was sie entwickelt haben, nachher im Einkaufszentrum gematcht, gepitcht. Und wir haben das als Gründungszentrum begleitet  und haben auch den Gründer-Talk organisiert zwischen einer jungen Gründerin aus unserem Landkreis, die den Hochzeitshof in Glaisin gegründet hat, und den Schülern... Und es war total spannend zu hören, wie die Schülerinnen und Schüler diese Gründerinnen gelöchert haben, was denn Selbstständigkeit für Vorteile hat, wie sie ihren Alltag gestaltet. Also, und das hat mich...

Mareike Donath:
Voneinander Lernen.

Henrik Wegner:
Ja, voneinander lernen. Und das hat mich echt ermutigt, da mehr zu machen, weil ich gesehen habe, wie schwierig es teilweise ist für die Schulen bei derartigen Angeboten die Gelder zusammenzukriegen. Das kostet ja, so ein Workshop, und deswegen habe ich für dieses Jahr so ein Leader-Projekt gestartet, um mehrere dieser Art Formate bei uns im Landkreis umsetzen zu können und dafür zu werben. Und dann hoffe ich, dass wir auf eine nachhaltige Struktur kommen, dass wir im Rahmen der Berufsorientierung auch das Thema Unternehmensgründung mit im Fokus haben. Weil, was da die Schüler lernen, das können sie auch für ihren täglichen Alltag gebrauchen. Ob sie eine Initiative nachher gründen oder Vereine. Das Engagement, das ehrenamtliche Engagement ist ja auch sehr wichtig. Einfach zu sehen, was in mir steckt, das ist sehr, sehr wertvoll.

Mareike Donath:
Henrik, was man tatsächlich deutlich merkt, ist und das ist, glaube ich, für jeden, der Mittel gibt, für jeden auf der Fördermittelgeberseite sitzt oder Engagement zeigt und Angebote bereitstellt. Es funktioniert. Man stellt Angebote bereit. Es sind Menschen da, die sich dafür interessieren und am Ende, das lässt du nebenbei einfließen, eine Gründung die da entsteht, ein Unternehmen, was sich dort etabliert hat. Es wird angenommen und das ist wirklich ein gutes, gutes Signal. Es ist nicht, dass die Formate dann leer sind, sondern die Menschen kommen, interessieren sich dafür und es ist wirklich interessant zu hören. Ich glaube, jetzt kann man sich auch eine Vorstellung davon machen, dass Innovationen im ländlichen Raum möglich sind. Man muss schauen, was sind die Akteure? Sozusagen so drauf schauend Blicke, wer hat wie wo welche Interessen und dafür auch entsprechende Angebote zu schaffen. Aber das macht ihr echt total gut. Wie viele Menschen – wenn wir die letzten drei Jahre zurückschauen – wie viele Teilnehmer:innen habt ihr so ungefähr gehabt?

Henrik Wegner:
Also für die Workshops habe ich immer so um die 10 bis 15, also es ist ganz unterschiedlich. Natürlich, beim Frauenfestival waren natürlich mehr, weitaus mehr Teilnehmerinnen oder.

Mareike Donath:
Insgesamt, kannst du das sagen?

Henrik Wegner:
Das kann ich schwer sagen. Also ich müsste in meiner Statistik reingucken. Also beim „Speed-Dating” waren auch alle Tische besetzt und ich habe eben festgestellt, wie man die Menschen abholt. Also ich habe so eine Art, mein Motto ist ja auch bei meinem LinkedIn Account „einfach machen” und ich laufe auch gerne los. Dann falle ich mal auf die Nase, dann stehe ich wieder auf und laufe einfach weiter. So bin ich eigentlich ganz gut gekommen und ich glaube, man kriegt die Leute abgeholt.

Mareike Donath:
Wir sind ja hier mit dem digitalen Wandel unterwegs. Gründungsszene ist ein ganz wichtiger Impulsgeber. Es soll sozusagen initiieren, motivieren, sich damit auseinanderzusetzen und dort werden wesentliche Impulse gesetzt. Fühlt sich das schon leicht an?  Wo sind die größten Bedenken? Stolpersteine? Was nimmst du wahr? Wie groß ist, wenn du so eine Gaußsche Normalverteilungskurve guckst? Ja, wunderbar. Die Hälfte sind schon mit abgeholt, sind interessiert. Es ist noch ein kleiner Kern und es darf doch eine große Masse hinterherkommen. Wie schätzt du das ein für den Landkreis?

Henrik Wegner:
Wenn ich das jetzt mal auf das „digitale MV” sehe, ist es ja wichtig, auch Digitalisierungsbotschafter in der Fläche zu haben und gleichzeitig auch die Digilotsen. Und wenn ich jetzt sehe, ich habe einen Digitalisierungslotsen für den ganzen Landkreis
Ludwigslust-Parchim, der ja der zweitgrößte Deutschlands ist, ist das schon ein sehr geringes Verhältnis. Klar haben wir viele Onlineangebote vom „digitalen MV”, aber selbst diese Onlineangebote, die muss ich ja erst mal an die Interessenten herantragen mit der Struktur, die vorhin angesprochen haben, mit den Social Media oder auch mit analogen Medien, mit Multiplikatoren wie Wirtschaftsförderer, die sich auch mit dem Thema identifizieren. Aber die Leute abzuholen, du musst das halt immer und immer wieder probieren und da musst du die Batterie für

Mareike Donath:
Reichweite, Alltagsthemen. Zu sagen: „Oh, ich habe dafür gerade keine Zeit.“ Das ist auch was, was wir wahrnehmen, egal wo die Angebote bestehen. Es sind tolle Angebote im Gründungsbereich rund um den digitalen Wandel und Co. Und tatsächlich ist das gar nicht so trivial, glaube ich im Alltag zu sagen: „Oh, ich nehme mir jetzt die Zeit, ich nehme mir die Auszeit vielleicht ist es auch mal eine Geldfrage, so etwas.“ Siehst du das? Oder welche Faktoren aus Entwicklungssicht siehst du da, welche sprechen da dagegen? Ist es immer nur die Reichweite? Ich habe zwei-, ein paar skizziert oder hast du da Ergänzungen?

Henrik Wegner:
Nein, hauptsächlich ist es die Reichweite. Also, es ist teilweise so und das liegt mir ja auch sehr immer am Herzen. Die Angebote, die wir in Mecklenburg-Vorpommern haben, die sind natürlich, klar ist die Nachfrage sicherlich an den Hochschulstandorten, an den größeren Städten eine andere als im ländlichen Raum und deswegen ist es ja so wichtig, dass wie zum Beispiel in der Seenplatte oder bei uns Multiplikatoren sind, die es in die Fläche hineintragen. Also, wir haben zum Beispiel, jetzt gerade beginnen wir mit einem Forschungsprojekt „Land.Vorteil.Gründen”, wo so zwei größere Landkreise, aber jetzt in der Metropolregion Hamburg, also Herzogtum Lauenburg und wir als Landkreis LUP gucken, wie wir das Thema Gründen im ländlichen Raum voranbringen, dass auch da eine größere Identifikation vorhanden ist und auch man sagt: „Boah, da passiert was.“

Und so ist es ja mit den digitalen Angeboten genauso. Also ich habe die Erfahrung gemacht und ich arbeite ja auch in vielen ehrenamtlichen Organisationen, wie teilweise die Angebote gar nicht da ankommen. Und deswegen braucht es ja Menschen, die das reintreiben und immer wieder sagen: „Mensch, du hast jetzt Probleme mit deiner Internetseite, dann mach doch da und da mal den Kurs.“ Da hat ja auch zum Beispiel die Ehrenamtstiftung oder auch die Deutsche Stiftung für Ehrenamt und Engagement bieten ja geniale Angebote an und selbst die, die sind ja auch immer wieder dabei, das wieder zu platzieren in verschiedenen Medien, den Menschen abzuholen. Und so müssen wir auch weitermachen. Wir dürfen da nicht lockerlassen und das ist mir unheimlich wichtig. Also die Batterie ist da echt bei mir richtig voll, weil man sieht ja, was „Snack IT” und was für tolle...

Mareike Donath:
Ich kläre kurz auf: „Snack IT” ist ein Format vom digitalen Innovationszentrum in Schwerin.

Henrik Wegner:
Ja, und das sind alles tolle Formate. Und wenn man die richtig platziert und mehrere Leute hat, die das auch multiplizieren, dann sind wir sind auf dem richtigen, guten Weg. Und deswegen bin ich auch so froh, dass ich hier das heute auch kundtun kann.

Mareike Donath:
Das sehe ich genauso. Wenn ihr mit eurem Herzblut und eurem Engagement, also Angebot ist das eine, Social Media, Newsletter ist das andere. Es ist toll, was wir auch da insgesamt alle mal erreicht haben, aber am Ende sehe ich auch, mit welchem Enthusiasmus und Herzblut du unterwegs bist, die Menschen ansprichst. Das ist eine wichtige Facette. Also ohne die Persönlichkeit dahinter, der man vertraut, sagt: „Mensch, mit dem oder mit derjenigen habe ich gerne zu tun.“ Das steckt an. Ich glaube, dass ist dann unser Credo, auch überhaupt im Land so unterwegs zu sein. Absolut. Das sehe ich genauso. Wir müssen hier weiter voran.

Henrik Wegner:
Ja oder die NØRD. Ich sage mal, die NØRD ist unsere „SLUSH!”. Ist vielleicht auch ein bisschen anders, so kann man das auch sehen. Aber ich sehe es so und auch da spreche ich die Leute direkt an, obwohl ihr sehr viel Werbung macht für die NØRD. „Lass uns doch zusammen da einen Stand machen oder präsentiere dich da.“ Das ist die Basis, kommen viele zusammen. Da kannst du dein Netzwerk erweitern. Wer weiß, was daraus wird. Und du brauchst diese Multiplikatoren. Und da gibt es noch einige Potenziale, die wir heben können. Aber wir sind auf dem richtigen Weg. Und dann macht man es gemeinsam und dann kriegt man die Rakete zum Fliegen.

Mareike Donath:
Um den Bogen zum Anfang zu spannen: Du hast es nicht bereut, Digitalisierungsbotschafter des Landes Mecklenburg-Vorpommern zu sein?

Henrik Wegner:
Nein, überhaupt nicht: Also, ich finde es auch total toll, dass wir mit unseren Botschafter-Frühstücken und auch mit den Angeboten, dass wir die verschiedenen Partner vor Ort kennenlernen können, können wir immer sehen, welche Synergien ich denn entwickeln kann, wo es Kooperationen gibt, auch bei uns im ländlichen Raum vielleicht den einen oder anderen Partner mal einzuladen ins DeveLUP, um dort vielleicht mit Schülern oder mit den Zielgruppen aus der Volkshochschule, mit meinen Gründern, auch mit Unternehmern etwas auf die Beine zu stellen. Weil, mir liegt sehr am Herzen: Die Angebote, die wir in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in der Metropolregion Hamburg haben, einfach auch in den ländlichen Raum zu ziehen. Wir können es ja gerne auch hybrid machen und das kann man eben sehr gut mit dem einen oder anderen Geschäftsführer auf Augenhöhe. Und das ist auch alles, ja wie eine große Familie.

Mareike Donath:
Henrik, du bist seit 1994 in Mecklenburg-Vorpommern. Damit komme ich zu meiner Abschlussfrage: Mecklenburg-Vorpommern für dich ein Zukunftsland? Klares „Ja“?

Henrik Wegner:
Auf alle Fälle. Ich sage ja, wenn’s luppt, dann luppt’s. Aber Mecklenburg-Vorpommern, dass ist wirklich ein Land zum Leben. Und ich bin ja gebürtiger Lübecker und bin groß geworden, quasi direkt an der Wakenitz. Auf der anderen Seite war immer die ja, ich sage mal, die DDR. Und ich bin sehr, sehr glücklich darüber gewesen, dass ich ‘94 nach Rostock gegangen bin zum Studieren und dann quasi meinen Lebensmittelpunkt in Ludwigslust gefunden habe. Aber mittlerweile fühle ich mich in ganz Mecklenburg-Vorpommern verortet.

Mareike Donath:
Henrik, schön, dass du hier gewesen bist beim Podcast von „digitales MV”. Vielen Dank für deine Zeit. Und wer Fragen hat, kann sich mit Sicherheit an dich wenden.

Henrik Wegner:
Also ich freue mich auf euch! Kommt gerne ins DeveLUP ins Zukunftszentrum vom Landkreis Ludwigslust-Parchim und ich freue mich auf neue Synergien und Kooperationspartner. Herzlichen Dank!