Telemedizin – eine aktuelle Betrachtung

Digitales Innovationszentrum Greifswald

Die Telemedizin hat in den letzten Jahren in Mecklenburg-Vorpommern und weltweit erheblich an Bedeutung gewonnen. In einer Zeit, in der die Gesundheitssysteme vor vielfältigen Herausforderungen stehen, die Bevölkerung demografisch altert1 und die medizinischen Ressourcen begrenzt sind2, bietet die Telemedizin innovative Lösungen für eine effizientere und zugänglichere Gesundheitsversorgung. So ist es Ziel, Gesundheitsdienste, Diagnosen und Behandlungen über elektronische Kommunikationsmittel bereitzustellen. Dies umfasst die Nutzung von Videokonferenzen, Echtzeit-Chats, die Fernüberwachung von Patienten und den sicheren Austausch von medizinischen Informationen über digitale Plattformen. In Mecklenburg-Vorpommern sind verschiedene Initiativen und Programme im Einsatz, die die Telemedizin nutzen, um den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu erleichtern und die Qualität der medizinischen Betreuung zu steigern.3

Dieser Beitrag wird einen näheren Blick auf die Verbreitung der Telemedizin in Mecklenburg-Vorpommern werfen, Herausforderungen und Chancen beleuchten und die Auswirkungen dieser innovativen Technologie auf das Gesundheitswesen in der Region analysieren.

1. Definition und Bereiche der Telemedizin

Telemedizin bezieht sich auf die Bereitstellung von Gesundheitsdiensten, Diagnose, Behandlung und Pflege über elektronische Kommunikationsmittel. Dies umfasst die Nutzung von Videokonferenzen, Echtzeit-Chat, Fernüberwachung von Patienten und den Austausch von medizinischen Informationen über sichere digitale Plattformen. In Europa deckt die Telemedizin eine breite Palette von Anwendungen ab, einschließlich:

  • Telekonsultationen: Telekonsultationen ermöglichen es den Patienten, per Videoanruf oder Echtzeit-Chat mit medizinischem Fachpersonal in Kontakt zu treten, um Diagnosen zu erhalten, Gesundheitsfragen zu klären und Behandlungspläne zu erstellen. Dieser Bereich der Telemedizin bietet Patienten die Möglichkeit, medizinischen Rat und Fachwissen von zu Hause aus oder von entfernten Standorten aus zu erhalten.

  • Telemonitoring: Telemonitoring bezieht sich auf die Fernüberwachung von Patienten durch die kontinuierliche Erfassung und Übertragung von Gesundheitsdaten. Dies können beispielsweise Blutdruckmessungen, Herzfrequenzüberwachung, Blutzuckermessungen und andere Vitalparameter sein. Die gesammelten Daten werden an medizinische Fachkräfte über-tragen, die den Zustand des Patienten in Echtzeit überwachen.

  • Telepathologie: Telepathologie ermöglicht es Pathologen, Gewebeproben und medizinische Bilder über das Internet zu analysieren und Diagnosen zu stellen. Dies ist besonders wichtig bei der Diagnose von Krebs und anderen schwerwiegenden Erkrankungen.

  • Telechirurgie: Telechirurgie ermöglicht es Chirurgen, Operationen mithilfe von Robotern durchzuführen, die von entfernten Standorten aus gesteuert werden.

Die verschiedenen Bereiche der Telemedizin bieten vielfältige Möglichkeiten zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Mecklenburg-Vorpommern und ermöglichen eine effizientere und zugänglichere medizinische Betreuung für die Bevölkerung in der Region, insbesondere im ländlichen Raum. Sie tragen dazu bei, die Herausforderungen im Gesundheitswesen anzugehen und die Qualität der Versorgung zu steigern.4

2. Herausforderungen und Hindernisse

Die Einführung und Verbreitung der Telemedizin in Mecklenburg-Vorpommern steht trotz ihrer Vorteile vor einer Reihe von Herausforderungen und Hindernissen. So wie jede größere Umstellung von Angeboten und Systemen muss auch die Telemedizin verschiedene Hürden überwinden und ein Angebot geschaffen werden, sodass eine Nachfrage entstehen kann. Betrachtet man den ländlichen Raum, so ist es eher umgekehrt.

  • Technische Infrastruktur: In einigen ländlichen Gebieten von Mecklenburg-Vorpommern kann die technische Infrastruktur unzureichend sein, was den Zugang zur Telemedizin einschränkt. Nicht alle Regionen verfügen über eine zuverlässige Breitband-Internetverbindung, was die Übertragung von Gesundheitsdaten und die Durchführung von Telekonsultationen erschwert.

  • Datensicherheit und Datenschutz: Die Telemedizin erfordert die Übertragung sensibler medizinischer Daten über das Internet. Die Sicherheit und der Schutz dieser Daten vor unbefugtem Zugriff sind von entscheidender Bedeutung. Einhaltung der Datenschutzvorschriften und die Gewährleistung der Patientenprivatsphäre stellen eine fortwährende Herausforderung dar.

  • Akzeptanz und Schulung: Sowohl medizinisches Fachpersonal als auch Patienten müssen mit den Telemedizin-Technologien vertraut sein und diese akzeptieren. Die Schulung von Gesundheitsdienstleistern und die Aufklärung der Patienten über die Vorteile der Telemedizin sind wichtige Schritte zur Überwindung dieses Hindernisses.

  • Haftungsfragen: Die Telemedizin wirft Fragen zur Haftung auf, insbesondere wenn es zu Fehldiagnosen oder medizinischen Fehlern kommt. Die Klärung von Haftungsfragen und die Festlegung von klaren Verantwortlichkeiten sind wichtige rechtliche Aspekte.

  • Regulatorische Hürden: Die Regulierung der Telemedizin und die Zulassung von telemedizinischen Diensten können komplex sein und variieren von Land zu Land. Einheitliche Regulierungsstandards und -richtlinien sind notwendig, um die Telemedizin effektiv zu fördern und zu regulieren.

  • Digitale Kluft: Nicht alle Patienten verfügen über die notwendigen digitalen Fähigkeiten oder Geräte, um Telemedizin effektiv zu nutzen. Dies kann dazu führen, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen von den Vorteilen der Telemedizin ausgeschlossen sind.

Die Überwindung dieser Herausforderungen erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsbehörden, medizinischem Fachpersonal, technischen Dienstleistern und der Politik. Die Entwicklung einer umfassenden Strategie zur Integration der Telemedizin in das Gesundheitssystem und der Ausbau der Digitalisierung von KMU und Privathaushalten von Mecklenburg-Vorpommern ist entscheidend, um die Vorteile dieser innovativen Technologie maximal auszuschöpfen.5

3. Potenziale der Telemedizin

Die Telemedizin bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten und Potenzialen für das Gesundheitswesen in Mecklenburg-Vorpommern, besonders im Blick auf die Entfernungen und die geringe Anzahl an ansässigen Fachärzten im ländlichen Raum.

  • Erweiterter Zugang zur Gesundheitsversorgung: Ermöglichung der Bürger in Mecklenburg-Vorpommern, unabhängig von ihrem Standort, einen erweiterten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Dies ist besonders in ländlichen und entlegenen Gebieten von großer Bedeutung, wo der Zugang zu Fachärzten begrenzt sein kann.

  • Schnellere Diagnosen und Behandlungen: Telemedizinische Konsultationen ermöglichen die schnelle Diagnose von Gesundheitsproblemen und den Beginn der Behandlung ohne lange Wartezeiten. Dies kann dazu beitragen, die Gesundheitsergebnisse der Patienten zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen.

  • Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen: Die Telemedizin kann die Effizienz im Gesundheitswesen steigern, da sie unnötige Arztbesuche und Überweisungen reduziert. Dies führt zu Kosteneinsparungen und entlastet das Gesundheitssystem.

  • Chronisches Krankheitsmanagement: Ermöglicht die kontinuierliche Überwachung von Patienten mit chronischen Erkrankungen, was zu einer besseren Krankheitskontrolle und einer Verringerung von Komplikationen führen kann.

  • Fernschulungen und Beratung: Medizinisches Fachpersonal kann telemedizinische Schulungen und Beratungsdienste anbieten, um die medizinische Versorgung und die Prävention von Krankheiten zu verbessern. Dies ist insbesondere in der Patientenaufklärung und -unterstützung von Bedeutung.

  • Ressourceneinsparungen: Die Telemedizin kann dazu beitragen, Ressourcen im Gesundheitswesen effizienter zu nutzen, indem sie den Bedarf an physischen Besuchen in Gesundheitseinrichtungen reduziert und Wartezeiten minimiert.

  • Kontinuität der Versorgung: Kann die Kontinuität der Versorgung verbessern, da sie den Austausch von Patienteninformationen zwischen verschiedenen Gesundheitseinrichtungen und Fachärzten erleichtert.

  • Forschung und Datensammlung: Telemedizinische Plattformen können zur Datensammlung und -analyse genutzt werden, was zur Verbesserung der Gesundheitsforschung und zur Entwicklung evidenzbasierter medizinischer Praktiken beitragen kann.

Die Telemedizin bietet die Möglichkeit, die Gesundheitsversorgung in Mecklenburg-Vorpommern effektiver und effizienter zu gestalten und die Bedürfnisse der Bevölkerung besser zu erfüllen. Sie kann dazu beitragen, Gesundheitsprobleme frühzeitig zu erkennen, die Qualität der Versorgung zu steigern und die Kosten für das Gesundheitswesen zu reduzieren. Eine gezielte Integration und Nutzung dieser Technologie kann erhebliche Vorteile für die Gesundheitsversorgung in der Region bringen.6

4. Auswirkungen auf das Gesundheitswesen

Die Telemedizin und deren Ausbau haben und hätten signifikante Auswirkungen auf das Gesundheitswesen in Mecklenburg-Vorpommern. So profitieren insbesondere Personen im ländlichen Raum und physisch beeinträchtigte Menschen von diesem Angebot.

  • Bessere Versorgung in entlegenen Gebieten: In abgelegenen Regionen von Mecklenburg-Vorpommern, in denen der Zugang zu Fachärzten begrenzt ist, ermöglicht die Telemedizin eine hochwertige medizinische Versorgung. Fachärzte können telemedizinische Konsultationen durchführen und Diagnosen in Echtzeit stellen.

  • Kostenersparnisse: Die Reduzierung der physischen Arztbesuche und der damit verbundenen Kosten führt zu Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen. Dies ist besonders wichtig, da die Gesundheitssysteme nach kosteneffizienten Lösungen suchen.7

  • Verbesserte chronische Krankheitsversorgung: Erleichterung der kontinuierlichen Überwachung von Patienten mit chronischen Erkrankungen. Dies ermöglicht eine frühzeitige Intervention und Prävention von Komplikationen.

  • Notfallversorgung und Telechirurgie: Die Telemedizin kann in Notfallsituationen von entscheidender Bedeutung sein, da sie die Übertragung von medizinischer Expertise in Echtzeit ermöglicht. Dies ist auch für die Telechirurgie von Vorteil, bei der Operationen von Fachärzten aus der Ferne gesteuert werden.

  • Datensammlung und Forschung: Telemedizinische Plattformen können zur Datensammlung und -analyse genutzt werden, was zur Verbesserung der Gesundheitsforschung und zur Entwicklung evidenzbasierter medizinischer Praktiken beiträgt.

  • Patientenzufriedenheit: Die Möglichkeit, medizinische Dienstleistungen bequem von zu Hause aus zu erhalten, steigert die Zufriedenheit der Patienten und trägt dazu bei, ihre Gesundheit besser zu verwalten.

  • Kontinuität der Versorgung: Erleichterung des Austauschs von Patienteninformationen zwischen verschiedenen Gesundheitseinrichtungen und Fachärzten, was zur besseren Kontinuität der Versorgung beiträgt.

  • Mögliche Entlastung des Gesundheitssystems: Insbesondere in Zeiten von Gesundheitskrisen wie der COVID-19-Pandemie kann die Telemedizin dazu beitragen, das Gesundheitssystem zu entlasten, indem sie den physischen Kontakt zwischen Patienten und medizinischem Personal minimiert.

Die Auswirkungen der Telemedizin auf das Gesundheitswesen in Mecklenburg-Vorpommern sind vielfältig und positiv. Sie trägt dazu bei, die Versorgung effizienter zu gestalten, den Zugang zu verbessern und die Qualität der medizinischen Betreuung zu steigern. Ein gezielter Einsatz dieser Technologie kann dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung in der Region zu optimieren.

5. Schlussfolgerung

Die Telemedizin hat sich in Mecklenburg-Vorpommern als ein entscheidendes Instrument zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung etabliert. Sie bietet eine breite Palette von Vorteilen, angefangen bei einem erweiterten Zugang zur Gesundheitsversorgung bis hin zur Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen. Die Auswirkungen der Telemedizin auf die medizinische Versorgung, die Patientenzufriedenheit und die Kosteneffizienz sind unübersehbar.

So wird ermöglicht medizinisches Fachpersonal und Patienten miteinander zu verbinden, unabhängig von ihrem Standort, und fördert die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gesundheitseinrichtungen. Sie trägt dazu bei, chronische Krankheiten effektiver zu verwalten und ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung der Gesundheit. Darüber hinaus spielt sie eine entscheidende Rolle in Notfallsituationen und in der Telechirurgie.

Dennoch stehen der Telemedizin auch Herausforderungen gegenüber, darunter technische Hindernisse, Datenschutzbedenken und regulatorische Fragen. Diese Herausforderungen erfordern eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsbehörden, medizinischem Fachpersonal und der Politik, um klare Richtlinien, Schulungen und Unterstützung für die erfolgreiche Integration der Telemedizin sicherzustellen.

Insgesamt ist die Telemedizin in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Vormarsch und zeigt ihr Potenzial, die Gesundheitsversorgung effizienter und zugänglicher zu gestalten. Die Fortsetzung der Investitionen in diese innovative Technologie und die Umsetzung bewährter Praktiken werden da-zu beitragen, die Gesundheitsversorgung in der Region nachhaltig zu verbessern und die Bedürfnisse der Bevölkerung effektiv zu erfüllen. Die Telemedizin ist eine wertvolle Ressource und wird voraussichtlich weiterhin einen positiven Einfluss auf das Gesundheitswesen in Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus haben.

Literatur

1 Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern - Regierungsportal. Daten und Fakten zur demografischen Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern. 2018; (www.regierung-mv.de/Landesregierung/stk/Themen/Demografischer-Wandel/daten-und-fakten/)

2 Veröffentlichte Lieferengpassliste des Bundesministeriums für Gesundheit, Stand 08.11.2023 (anwendungen.pharmnet-bund.de/lieferengpassmeldungen/faces/public/meldungen.xhtml)

3 Vgl. TwIN-MoVe (www.teleintensivmedizin-mv.de/)

4 Vgl. Cipolat, C. and M. Geiges: The history of telemedicine. Curr Probl Dermatol, 2003.

5, 6 Vgl. Stanberry, B., Telemedicine: barriers and opportunities in the 21st century. Journal of internal medicine, 2000.

7 Vgl. Moreno-Ramirez, D., et al., Economic evaluation of a store-and-forward teledermatology system for skin cancer patients. Journal of telemedicine and telecare, 2009.

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